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„Frust und Ärger wachsen täglich“ - SPD warnt: Ukraine-Gastgeber am Limit - Amt: „Lassen niemanden im Stich“

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Von: Josef Ametsbichler

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Vorletzter Notnagel: Die Sammelunterkunft in Zorneding ist eine Lösung um zu verhindern, dass Ukraine-Flüchtlinge, die von privaten Gastgebern ausziehen müssen, zurück in die bayernweite Verteilungsstruktur geraten. Vorher wollen Gemeinden und Landkreis private oder kommunale Alternativen finden.
Vorletzter Notnagel: Die Sammelunterkunft in Zorneding ist eine Lösung um zu verhindern, dass Ukraine-Flüchtlinge, die von privaten Gastgebern ausziehen müssen, zurück in die bayernweite Verteilungsstruktur geraten. Vorher wollen Gemeinden und Landkreis private oder kommunale Alternativen finden. © Stefan Roßmann

Zwei Brandbriefe von Gastgeber-Familien, die Ukrainische Geflüchtete aufgenommen haben, veröffentlicht die Kreis-SPD. Gemeinde und Landratsamt wehren sich gegen die Kritik.

Landkreis – Zwei Hilferufe aus der Gemeine Poing stehen sinnbildlich für ein Problem, dem sich vielleicht viele im Landkreis ausgesetzt sehen, die Geflüchtete aus der Ukraine in der eigenen Wohnung aufgenommen haben: Die Aufnahme ist von Herzen gern geschehen, doch sie war auf Zeit gedacht – und keine Alternative tut sich für die Neuankömmlinge auf. Wem nun Organisationsaufwand oder Kosten über den Kopf wachsen, wem die eigenen vier Wände mit Fremden im Gästezimmer nach teils mehreren Monaten langsam zu eng werden, oder wer drei Wochen Sommerurlaub gebucht hat, muss sich fragen: Wohin mit den ukrainischen Kriegsflüchtlingen, die nicht auf der Straße landen sollen?

Kritik wegen Wohnungssuche: „Es ist ein Himmelfahrtskommando“

„Es ist ein Himmelfahrtskommando“, schreibt eine Familie aus Poing über die Wohnungssuche für eine Frau und ihren siebenjährigen Sohn auf dem freien Markt. „Die Gemeinde Poing hat keinerlei Anstrengungen hinsichtlich der Vermittlung von Wohnraum unternommen.“ „Die Gastfamilien stehen alleine da“, steht in einem weiteren Schreiben, das auch davon ausgeht, dass die Geflüchteten bayernweit weitervermittelt würden, sollten sie bei ihnen ausziehen müssen – „Erst helfen, dann abschieben?“, heißt es in einem der beiden Briefe von Gastgeberfamilien, die voll sind mit Beschwerden über die Gemeinde und die Bürokratie.

Der EZ zugeleitet hat die Schreiben Poings ehemaliger Bürgermeister und amtierender SPD-Kreistagsfraktionssprecher Albert Hingerl, an den die Briefe auch adressiert sind. „Frust und Ärger wachsen täglich“, heißt es in Hingerls begleitender Pressemitteilung. Die Enttäuschung der Gastgeber von Geflüchteten gelte Kommunen, Landratsamt und Behörden. „Realistisch betrachtet, gibt es jetzt und in naher Zukunft keine eigenen Wohnungen für die Betroffenen, sondern nur die Unterbringung in sog. Gemeinschaftsunterkünften wie z.B. Turnhallen oder sonstigen Großgebäuden“, schreibt Hingerl.

Poing wehrt sich gegen Kritik: „Haben ausreichend Puffer“

In der Gemeinde und im Landratsamt sieht man das völlig anders. Thomas Stark, CSU-Bürgermeister von Poing, sagt über die Kritik seines Vorgängers: „Es wäre gut gewesen, wenn er mit mir Kontakt aufgenommen hätte.“ Die Gemeinde biete eine ganze Bandbreite von Hilfsangeboten an, darunter auch Unterstützung bei der Wohnungssuche. Poing habe „einen ausreichenden Puffer“, um Familien zu helfen, die die Beherbergung von Ukraine-Flüchtlingen nicht länger gewährleisten können.

„Ich verstehe das moralische Dilemma, in dem die Wohnungsgeber stecken“, sagt der Bürgermeister. Doch die Koordination laufe gut –in der Gemeinde und im Landkreis. „Es ist völlig falsch, hier ein politisches Scharmützel draus zu machen“, so Stark am Telefon. „Es geht darum, dass man den Leuten hilft.

Landratsamt: „Wir haben hier eng funktionierende Netzwerke“

„Völlig überrascht“ zeigt sich Brigitte Keller, Leiterin des Ukraine-Krisenstabs im Landratsamt, von der Kritik. „Diese Familien sind bei uns gar nicht bekannt“, sagt sie über die von der SPD verbreiteten Schreiben. „Der erste Weg führt zur Gemeinde“, sagt Keller. Doch selbst wenn dort keine privaten Unterkünfte mehr zur Verfügung stünden, gebe es Hilfe vom Landratsamt, das die Plätze landkreisweit in einem „Dashboard“ sammelt.

In Poing seien derzeit rund 50 Plätze in privaten Unterkünften frei, landkreisweit seien es 740, 826 seien belegt – vom ganzen Haus bis zum einzelnen Zimmer. Dazu kämen, bevor die Verteilungsstruktur des Freistaats in Anspruch genommen werden müsse, rund 200 freie Plätze in Unterkünften des Landkreises. „Wir haben hier eng funktionierende Netzwerke“, sagt die Krisenstabschefin.

Zumal die Zahl der Geflüchteten seit gut zwei Wochen bei rund 1900 stagniere. Alle Landkreis-Bürgermeister tauschten sich wöchentlich über die Unterbringungssituation aus, auch mit dem Kreistag sei man verzahnt. „Wir lassen keine Familien im Stich“, verspricht Keller. „Aber wir müssen es halt auch erfahren.“

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