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Genau geregelt ist der Einsatz von Spritzmitteln. Für Bioprodukte von Ebersberger Land ist er verboten.

Verbraucher verlassen sich auf Ebersberger Land

„Glyphosat geht gar nicht“

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Aus der Region für die Region: Viele Kunden im Landkreis Ebersberg vertrauen auf die Marke Ebersberger Land. Aber jetzt die Gretchenfrage: Wie hält es das Label mit dem Glyphosat?

Landkreis – Können die Verbraucher darauf vertrauen, dass in den hochwertigen Produkten der umstrittene Unkrautvernichter nicht in Spuren oder besser noch gar nicht vorkommt? Unsere Zeitung machte sich auf die Suche.

Ebersberger Land hat ein Flaggschiffprodukt. Der regionale Apfelsaft von Streuobstwiesen ist sehr stark nachgefragt. Wenn er aus ist, ist er aus. Vertrieben wird er unter anderem über Hofläden, Getränkemärkte, Discounter und Heimdienste. „Im Apfelsaft möchte ich das fast ausschließen“, sagt Josef Rüegg von der Ebersberger Vorstandschaft bestimmt. Er ist bei Ebersberger Land zuständig für die Säule Umwelt- und Naturschutz und gleichzeitig Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes. Wer Äpfel abgebe für die Saftpresse, „muss unterschreiben, dass er keine Spritzmittel verwendet“. Das sei zwar auch ein bisschen „Vertrauenssache“, warum das aber sinnvoll ist, erläutert der Biologe Andreas Schierling vom Tiergesundheitsdienst in Grub: Würde auf Streuobstwiesen Glyphosat eingesetzt in der Zeit, in der dort zum Beispiel der Löwenzahn blühe, könnte der Unkrautvernichter im Honig landen. Die Mengen wären laut seiner Auskunft indes „nicht so dramatisch“ aber immerhin: „Es könnte schon einen Eintrag geben.“

Schierling gehört zur Fachabteilung Bienengesundheitsdienst und macht dort Rückstandstests. Ab Januar biete der Tiergesundheitsdienst „geförderte Honiguntersuchungen“ an, informiert der Fachmann. Der Imker übernehme nur 20 Prozent der Kosten.

Manfred Huber aus Poing hat 15 Bienenvölker und bis vor zwei Jahren Honig über Ebersberger Land verkauft. „Ich habe dafür zu wenig“, erklärt er, warum er nur mehr privat vermarktet. Sein Honig sei aber vor zwei Jahren getestet worden. Es wurden keine Rückstände gefunden. „Ob da schon auf Glyphosat untersucht wurde, weiß ich nicht“, sagt der Imker. Dass der Unkrautvernichter drin ist, glaubt er aber nicht, „weil ich meine Bienen im Garten habe.“ Dort werde selbstverständlich kein „Roundup“ eingesetzt. So heißt das Glyphosat im Handel. Die Bienen hätten einen engeren Arbeitsradius von „etwa drei Kilometern“. Den kennt der Imker zwar genau, aber deswegen sagt Schierling auch: „Es ist immer relevant, was außenrum passiert“.

Josef Haas aus Baldham produziert Speisekartoffeln für Ebersberger Land, seit dem Jahr 2000 schon. „Bei mir war erst in der vergangenen Woche wieder eine Rückstandskontrolle. Aber bis jetzt ist noch nie etwas festgestellt worden“, sagt der 61-jährige Landwirt. Er behandelt sein Unkraut auf den Feldern „nur mechanisch“. Wer für Ebersberger Land anbaue, müsse unterschreiben, dass er „umweltgerechten Pflanzenbau in der jeweils gültigen Fassung“ betreibe. „Die meisten Hersteller kommen eh aus dem Biobereich. Da ist gewährleistet, dass es keinen chemischen Pflanzenschutz gibt.“ Haas ist der 2. Vorsitzende des Vereins Ebersberger Land und produziert auch Braugerste für die Augustiner-Brauerei in München. „Auf Getreide kann man kein Glyphosat spritzen, das ist verboten“, weiß der Landwirt. „Bei uns gibt es eh keine Fruchtart, die dieses Mittel vertragen würde.“ Dazu müssten nämlich gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden.

Zum Einsatz kommt der Unkrautvernichter im Landkreis aber schon. „Die Bahn verwendet es nach meiner Kenntnis gerne“, sagt Schierling. Damit würden die Bahndämme im Landkreis vom Bewuchs freigehalten.

Weit weg von jeder Bahnlinie liegt der Summererhof in Baiern. Dort produzieren Maria und Sepp Voglrieder Käse aus täglich 400 Litern Milch, die ihre 30 Kühe geben. Es wird auch Camembert für Ebersberger Land hergestellt. „Wir sind ein Bio-Betrieb und dürfen kein Glyphosat verwenden. Das geht gar nicht“, sagt die 34-jährige Bäuerin. „Wir werden unangemeldet kontrolliert“, berichtet sie und fügt hinzu: „Ich möchte aber konventionelle Betriebe nicht schlecht machen“. Auf ihre Anbauflächen werde jedoch nur Odel und Mist als Dünger ausgebracht. Die Verbraucher interessierten sich für solche Zusammenhänge, sagt die Bäuerin aus ihrer täglichen Praxis. „Die Kunden fragen nach.“ Übrigens: Die Waren von Ebersberger Land werden in fast 50 Filialen im Landkreis Ebersberg angeboten.

Eine Übersicht

der Verkaufsstellen im Landkreis Ebersberg finden Sie im Internet unter folgender Adresse.:http://www.unserland.info/lebensmittel/55-verkaufsstellen/188-ebersberger-land.

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