Schöner Anblick, aber stressig für die Tierwelt: Nachtbeleuchtung am Beispiel des Ebersberger Aussichtsturms. 
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Schöner Anblick, aber stressig für die Tierwelt: Nachtbeleuchtung am Beispiel des Ebersberger Aussichtsturms. 

Störung für Menschen und Tiere

Museum Wald und Umwelt in Ebersberg: Die Ausstellung „Verlust der Nacht“

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Nach der Brandkatastrophe: Das Museum Wald und Umwelt stellt zum Thema Lichtverschmutzung aus. Es geht um den Verlust der Dunkelheit, und all die Folgen.

Ebersberg – Licht ist Fortschritt. Das galt zumindest die letzten hundert Jahre. Inzwischen aber stellen sich auch die Schattenseiten ein. Dass zu viel Lärm die Menschen krank machen kann, ist ein Allgemeinplatz. Zu viel Licht aber ist nicht weniger gesundheitsabträglich – und sogar tödlich. Inzwischen gelten etwa 500 000 Insektenarten als ausgestorben, und immer noch finden Abertausende jede Nacht vollkommen überflüssigerweise ihr Ende an Straßenlampen oder an anderer nächtlicher Beleuchtung.

Ein Fall für das Ebersberger Waldmuseum. Das Ökosystem leidet. Es ist eine Ausstellung mit Strahlkraft und von symbolischem Wert: Sie trägt den Titel „Lichtverschmutzung – Verlust der Nacht“, und der Förderkreis Waldmuseum hat mit seiner 27. Veranstaltung dieser Art die bisher insgesamt größten Anstrengungen unternommen.

Wie berichtet, war das Museum bei einer Brandkatastrophe im Dezember vergangenen Jahres schwer beschädigt worden. Derzeit läuft die Renovierung. Die Ausstellung hat also ein bisschen den Charakter von „jetzt erst recht“.

Am Wochenende können sich Besucher erstmals durch das Untergeschoss des Waldmuseums führen lassen

Das Thema aber ist zeitlos. An diesem Wochenende können sich Besucher in Kleingruppen erstmals von 12 bis 17 Uhr durch das Untergeschoss des Waldmuseums führen lassen, Ursachen und Gegenmittel der Lichtverschmutzung etwa 100 Quadratmeter Ausstellungsfläche gewidmet wurden. „Wir wollen damit Bewusstsein schaffen und Veränderungen anstoßen“, erklärte Altlandrat Hans Vollhardt, der Vorsitzende des Förderkreises, die Absicht hinter der aufwendig gestalteten Ausstellung.

Die Besucher im Ausstellungszelt sollen zu Multiplikatoren werden, wünscht sich Jochen Carl. Er ist zusammen mit Rudolf Schierl, Ursel Kunz und Astrid Geweke einer der vier Kuratoren. Die Botschaft des Quartetts: „Jeder kann helfen“, dem Phänomen Lichtverschmutzung beizukommen, denn die ist allgegenwärtig – ob in den Innenstädten, an den Ladenzeilen in den Kommunen im Landkreis, auf großen Parkplätzen, an nachts beleuchteten Kirchtürmen im Kreis oder etwa im eigenen Garten – besonders zu bestimmten Anlässen, wie etwa an Weihnachten.

Durch den Einsatz von LED-Beleuchtung hat der Stromverbrauch drastisch abgenommen

Es ist paradox: Durch den Einsatz von LED-Beleuchtung im öffentlichen Raum hat der Stromverbrauch drastisch abgenommen. Weil damit erhebliche Kosteneinsparungen verbunden sind, hat gleichzeitig nimmt der verschwenderische Gebrauch von Licht jährlich zu, ist in der Ausstellung zu erfahren. Den Besuchern wird das durch zwei wandgroße Vergleiche vor Augen geführt. Sie zeigen Satellitenbilder aus den Jahren 1992 und 2013. Schon in dieser kurzen Zeitspanne wird deutlich, wie stark die Lichtglocken über den Städten in Europa zugenommen haben.

Falter sind häufige Licht-Opfer (unten).

Diese Dauerbelichtung kann die Menschen auch krank machen, weil sie deren innere Uhr praktisch „ausschaltet“ oder beeinträchtigt. Das erläuterte Rudolf Schierl den Besuchern im Rahmen eines Vorabrundganges am Freitagvormittag. Ursel Kunz machte zudem deutlich, wie negativ diese Lichtflut die gesamte Insektenwelt beeinflusst – und auch die Lebewesen, die von diesen Insekten leben. Sie tat das anhand eines einfachen Beispiels: Wenn nachts ein Kirchturm bis 23 Uhr angestrahlt werde, würden die Fledermäuse, die in diesem Bauwerk hausen, erst danach ausfliegen, weil sie die Nacht nicht als solche erkennen. Zu diesem Zeitpunkt finden die Tiere jedoch bei weitem nicht mehr so viele Insekten, wie sie eigentlich zur Aufzucht ihrer Jungen benötigen würden.

Auch Menschen reagieren auf die zunehmende Lichtfülle

Auch die Menschen reagieren auf die zunehmende Lichtfülle. Dass ein gestörter Tag-und-Nachtrhythmus die Gesundheit beeinträchtigen kann, weiß jeder Schichtarbeiter. Dass aber besonders das blaue Licht von Handys schuld daran sein kann, wenn jemand nachts schlecht einschläft, erfährt der Besucher der Ausstellung. Schierl rät: „Blaufilter einschalten.“

Über den würde jedes moderne Handy und Laptop verfügen. Wenn nicht, gibt es sogar eine App dafür.

Den Machern der Ausstellung ist klar, dass das Thema Beleuchtung einen starken Sicherheitsaspekt hat. Es sei jedoch Unsinn, den Himmel zu beleuchten, wenn nur der Weg gemeint ist, auf dem man nachts heimgeht. Es geht auch anders und das wird anhand einer Wegleuchte vorgeführt, die die Ebersberger Firma Bergmeister zur Ausstellung beigesteuert hat. Sie beleuchtet nur den Boden vor den Besuchern und nicht den Nachthimmel.

Die Lichtverschmutzung hat zugenommen, zeigt die aktuelle Ausstellung des Waldmuseums, oben Chef Hannes Müller und Projektleiter Jochen Carl vor einer Licht-Europakarte.

Fazit: Eine sehenswerte Ausstellung, voll von Anregungen und statt erhobenem Zeigefinger eine Fülle von Informationen, die nachdenklich machen. Gelegenheit, die Ausstellung im Waldmuseum auf der Ebersberger Ludwigshöhe in Kleingruppen auch unter der Woche zu besichtigen, besteht bis zum 17. April 2021. Anmeldung ist erforderlich unter der Telefonnummer (0 80 92) 825 552 oder per E-Mail an mwu@ebersberg.de.

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