Das Ebersberger Amtsgericht
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Das Ebersberger Amtsgericht (Archivbild)

Junger Mann angeklagt

Mögliche Vergewaltigung im Eisbären-Kostüm: Videoaussage im Gerichtssaal

  • Robert Langer
    vonRobert Langer
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Etwa eine Dreiviertelstunde wurde das Video einer Befragung eines jungen Mädchens im Amtsgericht Ebersberg am Dienstag gezeigt. Die Verhandlung wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung vor dem Jugendschöffengericht war schon einmal vertagt worden. Auch diesmal gab es kein Urteil.

Landkreis - Laut Staatsanwaltschaft soll die damals 15-Jährige vor zwei Jahren bei einem Faschingsfest in der Grafinger Stadthalle im Außenbereich sexuell genötigt und vergewaltigt worden sein. Die Aussage im Film entsprach den Ausführungen der Staatsanwaltschaft. Das Mädchen machte einen teilweise gefassten Eindruck, wirkte dann aber auch ziemlich verzweifelt. Ihre Hände bearbeiteten ständig ein Papiertaschentuch.

Angeklagt ist ein heute 21-Jähriger aus dem südlichen Landkreis Ebersberg. Von Richter Markus Nikol nach dem Film angesprochen, gab er sich wortkarg. Beim ersten Verhandlungstermin hatte er erklärt: „Ich kann mir nicht vorstellen, so eine Tat zu begehen.“ Die Rede war von Knutschen. Er sei betrunken gewesen, so der Angeklagte.

Entscheidende Frage: Welche Rolle spielte der Alkohol?

Das bestätigte auch die Mutter in der gestrigen Verhandlung. Sie hatte ihren Sohn in Grafing abgeholt. Als dieser im Auto gesessen habe, sei er „weggetaucht“. Zuhause angekommen sei sie hinter ihm her in den ersten Stock zu seinem Zimmer hinauf gegangen, „damit er nicht die Treppe runter fällt“. Und: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er lügt.“ Ihr Sohn würde nie etwas tun, was ein anderer nicht wolle, so die Mutter. Im Gegensatz dazu stehen jedoch Aussagen aus dem ersten Verhandlungstermin. Geschildert wurde von Zeugen, dass der Angeklagte zudringlich werden könne, wenn er getrunken habe.

Der Angeklagte, der ein Eisbärenkostüm trug, soll laut Staatsanwältin zunächst versucht haben, die junge Frau in einem Teufelskostüm zu küssen sowie ihm das Oberteilhochgeschoben und ein Foto von ihren Brüsten gemacht zu haben. Danach soll es zu sexuellen Handlungen gekommen sein.

Eisbären-Kostüm vor Gericht gezeigt

Später soll sich das Mädchen noch einmal mit dem Angeklagten draußen getroffen haben. Die 15-Jährige habe Angst gehabt, dass dieser das Foto veröffentlichen könnte. Im Anschluss sei es zu der Vergewaltigung gekommen. Zum Nachstellen der möglichen Tat musste der Angeklagte im Gerichtssaal nochmals das Eisbärenkostüm anziehen.

Zwischenzeitlich zog sich das Gericht mit der Staatsanwältin und den Rechtsanwälten zu einer Beratung zurück. Danach war klar, dass das Mächen trotz des bereits gezeigten Befragungsvideos vor Gericht aussagen soll.

Ein nächster Verhandlungstermin ist nun für Mitte April angesetzt.

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