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Blick in eines der Freizeitgrundstücke in Vorderegglburg. Weil ein Freizeitgärtner seinen Nachbarn beim Landratsamt anschwärzte, droht nun allen Parzellenineigentümern behördliches Ungemach.

Weil ein Nachbar zum Landratsamt ging

Vorderegglburger Kleingartenanlage in Gefahr

Der eine baut sich eine Laube, der nächste einen Geräteschuppen, dem Dritten wird das zu bunt: In der Ebersberger Kleingartenanlage Vorderegglburg sind die unzulässigen Bauten in den vergangenen Jahren immer weiter ausgeufert. So sehr, dass ein Freizeitgärtner nun seine Nachbarn beim Landratsamt anschwärzte.

Ebersberg – Ob sich da der Bock selbst zum Gärtner gemacht hat? Denn die Folge war sicher nicht sein Ziel: Die gesamte Kleingartenanlage ist gefährdet.

Idyllisch zwischen Wiesen und Feldern oberhalb des Naturjuwels Egglburger See liegen die 71 Parzellen der Kleingartenanlage Vorder-egglburg. Wer keinen eigenen Garten am Haus hat, kann hier auf den großzügigen 600- bis 1000-Quadratmeter-Grundstücken nach Herzenslust säen, pflanzen, hegen und ernten. Doch weil es unpraktisch ist, die dafür notwendigen Gerätschaften immer mit nach Hause zu karren, weil ein Zaun zum Nachbarn die eigenen Grenzen absteckt und weil sich die Natur komfortabler in einer Laube genießen lässt, blieb es nicht beim Pflanzen und Jäten. Dabei sind jegliche Bauten und das Anpflanzen nicht heimischer Gewächse in der Anlage unerlaubt. Gebaut wurde in den vor rund 50 Jahren stückweise entstandenen Parzellen schon immer und dies schon immer ohne Genehmigung. Aber seit der letzten Bestandsaufnahme im Jahr 1996 hätten keinerlei rechtswidrige Anlagen hinzukommen dürfen. Davon hatten die Behörden die Duldung der Gärten abhängig gemacht.

Doch nicht alle Eigentümer haben sich an diese Abmachung gehalten und weiter gebaut. Das hat so manchen Gartennachbarn geärgert, von denen sich einer ans Landratsamt gewendet hat. Dieses wiederum kündigte der Stadt Ebersberg nun an, dass entweder ein Bebauungsplan erstellt werden müsse, die Anlage also quasi im Nachhinein legalisiert werden müsse, oder alle Hütten, Zäune, Podeste und standortfremden Pflanzen restlos beseitigt werden müssen.

In ihrer jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses haben sich die Stadträte darauf geeinigt, den Kleingärtnern entgegenzukommen. „Die Beseitigung ist eine derartige Härte, die ich nach einer so jahrzehntelangen Duldung für nicht vertretbar halte“, sagte etwa 2. Bürgermeister Toni Ried von den Freien Wählern. Also ist die Stadt bereit, zunächst eine notwendige Flächennutzungsplanänderung einzuleiten, um anschließend einen Bebauungsplan für das Gebiet aufzustellen. Knackpunkt: Die Kosten für das gesamte Verfahren müssten die Kleingärtner selbst übernehmen. Die Eigentümer werden nun alle informiert und müssen sich einig werden, dass sie selbst zahlen. Sollte dies nicht gelingen, bleibt nur noch der Abriss. „Das ist ein Angebot, das wir als Stadt machen können“, sagte Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU), „wenn sie nicht wollen, dann beseitigt das Landratsamt die Anlagen. Warten wir halt ab, was passiert.“

Uta Künkler

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