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Sonja und Julia Türmer. Sie wollen am Freitag so weit es geht reisen, egal wo hin. Nachverfolgen und sie sponsoren kann man sie im Netz unter break-out.org/team/481.

U-Boot, Esel, Zug

Warum diese beiden Ebersberger ohne Geld Hunderte Kilometer reisen wollen

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Kein Geld, kein Ziel! Das Prinzip ist einfach. In München geht es los. Sonja und Julia Türmer aus Ebersberg wollen in 36 Stunden ohne Geld so weit es geht reisen. 

Ebersberg/München – Brot, viel Brot muss in den Rucksack. Und viel Wasser. Ob und wo es in den kommenden 36 Stunden am Freitag etwas zu essen und zu trinken gibt, wissen Sonja (20) und Julia (23) Türmer nicht. Wohin sie reisen, wissen sie auch nicht. Was die Schwestern wissen? „Wir wollen weg! So weit wie möglich.“

Es wird ernst für die Schülerin und die Studentin aus Ebersberg: Freitag, München, Geschwister-Scholl-Platz, neun Uhr früh. Startschuss für eine Reise ohne Ziel. Für eine Reise, bei der in diesem Fall wirklich der Weg das Ziel ist. Bedingung: Komme so weit es geht. In 36 Stunden. Ohne Geld. Trampen, Fliegen, auf Eseln reiten in U-Booten fahren. Alles ist möglich. Nur kein eigens Geld dürfen sie zum Reisen verwenden. „Oder fremdes annehmen“, sagt Sonja Türmer. „Wenn uns jemand direkt eine Fahrkarte kauft, ist das aber in Ordnung.“ Der Reisewettbewerb ist ein Projekt von Münchner Studenten.„BreakOut“ heißt er und unterstützt mit dem durch Sponsoren eingenommenen Geld gemeinnützige Projekte. Es gibt zweier Teams, so wie das von Sonja und Julia Türmer: „BisEinerWeint“ heißt die Geschwistermannschaft, die vor ihrer Reise ins Ungewisse zu Besuch in unserer Redaktion war.

2017 reiste ein Team im Cockpit

Für Julia ist es die erste Reise für den guten Zweck. Sonja hat sich bereits im vergangenen Jahr dazu hinreisen lassen, gemeinsam mit einem gleichaltrigen Freund. „Aus Abenteuerlust“, erzählt sie. Und, weil man ärmeren Menschen damit helfen könne. Und das auf spannende Art und Weise. Denn die Reisen der Teams, 2017 waren es 138, werden auf der Homepage von „Breakout“ dokumentiert. Jeder sieht, wo wer gerade ist und was er macht. Zähneputzen auf Raststätten, Reisen in Cockpits von Flugzeugen – kein Witz, 2017 so passiert, kostenlos.

Hier können Sie Sonja und Julia (Team „BisEinerWeint“) unterstützen und damit für einen guten Zweck spenden

Das durch Sponsoren eingenommene Geld wandert eins zu eins an Hilfsorganisationen. 2017 ging es an ein Schulprojekt in Tansania und in den Bau von Wassertanks. 97 556 Euro kamen zusammen. Sonja Türmer schaffte es im vergangenen Jahr gleich auf Platz eins, was die Weite der Reise angeht: 1700 Kilometer legte sie gemeinsam mit ihrem Partner von München in eineinhalb Tagen zurück. „Völlig überraschend“, wie sie erzählt, denn „wir sind planlos und nicht gut vorbereitet ins Rennen gegangen“. Bis auf Pfannkuchen mit Nutella hatten die beiden Weltenbummler nichts zu essen dabei. Zwar hatten sie Geld in der Tasche, nur kamen sie nicht oft dazu, etwas in Supermärkten zu kaufen (das wäre erlaubt). Weil sie ständig reisten.

Problem: Die Pfannkuchen mit Nutella sind weg

Es ging mit der U-Bahn von der Universität an den Hauptbahnhof in München – das Ticket kaufte ihnen ein älterer Mann – und weiter mit dem ICE nach Berlin und Hamburg. Sie schafften es, die obersten Zugbegleiter dazu zu bringen, umsonst mitzufahren: Man müsse lange und gut erklären, worum es bei dem Projekt geht und dass es für einen guten Zweck ist. „Außerdem hatten wir orangefarbene T-Shirts mit dem Breakout-Logo an“, sagt Sonja Türmer und lacht. Immerhin etwas.

Die Bahn machte mit. Von Hamburg ging es per Anhalter Richtung Nordsee, die Pfannkuchen waren längst verputzt, der Magen knurrte, Müdigkeit machte sich breit. „Wir wollten nirgends länger bleiben oder zelten“, erzählt Sonja Türmer, „sondern haben lieber in Zügen und Trucks geschlafen.“

Reisen für den Verein „EinDollarBrille“

Sie überredeten Mitarbeiter eines Fährunternehmens und setzten nach Dänemark über. Mit einem Trucker-Fahrer weiter nach Oslo bis nach 36 Stunden die Stadt Trondheim in Norwegen erreicht war. „Dort haben wir eine Bekannte meines Teamkollegen erreichen können, bei der wir im Studentenheim auf dem Boden in der Küche geschlafen haben“, erzählt die 20-Jährige. Zurück ging es für sie übrigens mit dem Flugzeug – das bezahlte sie aus eigener Tasche.

850 Euro konnte Sonja Türmer mit ihrem Partner 2017 durch Sponsoren einnehmen und an das Afrikaprojekt spenden. Sponsoren können Firmen sein, aber auch Bekannte oder die Familie. Einige geben pro gereisten Kilometer zehn Cent, andere bezahlen den Teams Geld, wenn sie gestellte Aufgaben auf der Reise erfüllen und diese mit Fotos oder Videos dokumentieren.

In diesem Jahr soll der Verein„EinDollarBrille“ mit dem Geld des Reisewettbewerbs unterstützt werden. Damit wird Menschen mit eingeschränkter Sehkraft überall auf der Welt geholfen, die sich eine Brille oder einen Optiker nicht leisten können. „Ich bin schon aufgeregt“, sagt Sonja Türmer, „obwohl wir uns besser vorbereiten können, als letztes Jahr.“ Sponsoren fehlten jedoch noch ein paar, sagt sie. Schwester Julia sagt: „Ich bin gespannt, vor allem, auf die erste Stunde am Freitag. Dann entscheidet sich, wo hin es geht, ob nach Osten, Westen, Süden oder Norden.“ Wichtig sei, viel Brot einzupacken.

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