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Die Familie Hellmich lässt sich die Freude über die Geburt von Theresa nicht nehmen.

Anonyme Beleidigung

Wegen 4. Kind: Ebersberger Familie erhält Schmähbrief

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Ebersberg - Die Geburt eines Kindes ist ein freudiges Ereignis. Die Verwandschaft gratuliert,  die Nachbarn und die Freunde. So ist es auch bei der Familie Hellmich aus Ebersberg. Theresa ist ihr viertes Kind. Und dann lag plötzlich ein böser, anonymer Brief im Briefkasten.

Die Eltern, Annemarie und Florian Hellmich, waren sich einig: „So lassen wir das nicht stehen.“ Der Briefeschreiber war zwar ein anonymer, die Hellmichs aber gingen mit diesem Brief an die Öffentlichkeit, zu schlimm empfanden sie dessen Inhalt, in dem Sätze stehen wie: „Die BRD ist vollkommen überbevölkert. 40 Millionen würden reichen.“ Außerdem: „Dummheit, Rücksichtslosigkeit, Primitivheit – sie hätten spätestens nach dem 3. Kind kastriert gehört.“ Beigelegt wurden dem von Unflat strotzenden Schreiben eine Menge Zeitungsartikel, in denen der Anonymus einen Beweis für seine wirren Behauptungen zu finden glaubt. In denen die Rede ist vom Müllproblem der Menschheit, von Arbeitslosigkeit und davon, dass der Papst Franziskus die Menschen aufruft, „nicht ein Kind nach dem anderen zu bekommen“.

Die Familie Hellmich kontert. Über die EZ wenden sie sich in einem öffentlichen Schreiben an den Unbekannten: „Viele haben uns zur Geburt unseres vierten Kindes herzlich gratuliert und sich für uns gefreut.“ Es sei wirklich schön, dass es tatsächlich noch Familien gebe, die sich auch und gerade in der heutigen Zeit noch trauten, einem Kind das Leben zu schenken. „Wir wissen sehr wohl, was es mit Verhüterli auf sich hat und wie man sie benutzt. Auch eine von ihnen vorgeschlagene Zwangs-Kastration nach dem 3. Kind kam nicht in Frage. Sonst könnten wir uns heute nicht am Lächeln unserer kleinen Tochter erfreuen“, sagen die glücklichen Eltern.

Dass der Schreiber nicht den Mut hatte, seinen Namen unter sein Schreiben an die beiden zu setzen, bedauern Annemarie und Florian Hellmich. „Anonym, mit Schreibmaschine. Schade eigentlich. Gerne hätten Sie uns auch persönlich ansprechen können. Sie wissen anscheinend ja eh, wo wir wohnen.“ Woher der Unbekannte die Adresse hat, wissen die Hellmichs nicht. „Im Telefonbuch steht sie jedenfalls nicht.“

Warum schreibt jemand so einen Brief? „Wahrscheinlich haben Sie keine Kinder und können somit unser Glück nicht nachvollziehen. Außerdem hoffen wir, dass keines unserer Kinder irgendwann einmal für ihre Rente aufkommen muss. Mögen Sie trotzdem glücklich werden mit ihrer seltsamen Einstellung zum Leben“, sagen die Eltern. Das Ehepaar ist sich einig darin, die richtige Einstellung zum Leben gefunden zu haben, auch zum neuen Leben. „Wir würden keines unserer Kinder zurückgeben und allen Mut machen, sich bewusst für Kinder zu entscheiden. Sie bereichern unser aller Leben“, schreiben Annemarie und Florian Hellmich in ihrer Antwort und unterzeichnen mit: „Eine überglückliche, 6-köpfige Familie aus Ebersberg“.

Ein Blick in die Statistik zeigt übrigens, dass im Landkreis im bundesweiten Vergleich mit etwa 1165 Babys jährlich unterdurchschnittlich viele Neugeborene registriert werden. Es gibt auch in einer wohlhabenden Region, zu der der Landkreis zweifellos gehört, immer weniger Paare, die sich einen Kinderwunsch erfüllen. Damit hat der anonyme Briefeschreiber schon einmal sachlich nicht Recht – unabhängig davon, wie kritikwürdig sein Verhalten ist.

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