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An der Kreisklinik in Ebersberg soll es künftig keine stationäre psychosomatische Behandlung mehr geben.

Wegen Schließung der stationären Psychosomatik

Protestschreiben an den Ebersberger Landrat

Die Entscheidung, dass die Ebersberger Kreisklinik psychisch kranke Menschen künftig nicht mehr stationär behandeln wird, schlägt immer höhere Wellen. Jetzt protestieren Mediziner.

Ebersberg In einem Schreiben an Landrat Robert Niedergesäß (CSU), der als Aufsichtsratsvorsitzender die neue Marschrichtung gutheißt, zeigt sich die Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Medizin und ärztliche Psychotherapie (DGPM) bestürzt. Sie protestetiert „in aller Form“ gegen den Beschluss.

Die DGPM führt aus, dass die Integration von psychosomatischen Abteilungen in Allgemeinkrankenhäuser für viele Patienten „ein großes Hoffnungszeichen“ gewesen sei. Deshalb sei die Entscheidung, die Ebersberger Station zu schließen, „rückwärtsgerichtet und nicht nachvollziehbar“. Weiter betont die DGPM, dass die „ohnehin häufig diskriminierten Patienten“ nur in speziellen psychosomatischen Abteilungen eine ausreichende Betreuung erhalten könnten.

Die Gesellschaft behauptet, dass die Aussagen des Geschäftsführers der Klinik, Stefan Huber, nicht den Tatsachen entsprächen. Dieser war der Auffassung, dass es in erster Linie Aufgabe von psychiatrischen Bezirkskliniken sei, psychosomatische Patienten zu behandeln. Laut DGPM ist es aber Fakt, dass in Bayern die Hälfte aller psychosomatischen Betten in Universitätskliniken, Fachkrankenhäusern oder Allgemeinkrankenhäusern zu finden sei und nicht in besagten Bezirkskliniken wie denen in Gabersee oder Haar. Ein weiterer Aspekt, den die DGPM gegen die Schließung anführt, ist die im Vergleich höhere Akzeptanz von Allgemeinkrankenhäusern mit psychosomatischen Abteilungen gegenüber Bezirkskliniken.

„Moderne Krankenhauspolitik muss die Bedürfnisse aller Patientengruppen im Auge behalten und darf nicht manche Patientengruppen, wie psychosomatisch Kranke, hiervon ausschließen“, schreiben Götz Berberich, Vorsitzender der DGPM, und fünf Kollegen. Die Zusammenarbeit von ambulanter, teilstationärer und stationärer Behandlung am selben Ort und mit den gleichen Therapeuten sei nicht nur für die Patienten vorteilhaft, sondern habe auch Vorbildcharakter für andere Kliniken und medizinische Bereiche. Auch deshalb sieht die Gesellschaft einen Rückschritt in der Schließung der psychosomatischen Abteilung. Schließlich fordert die Gesellschaft den Landrat auf, die Entscheidung nochmals zu überdenken.

Kilian Betzl

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