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So geht’s nicht weiter: Adi Warta, der Wirt der Gaststätte Hubertus im Ebersberger Forst, beklagte das Sterben der Dorfgasthäuser, denen die Bürokratie den Garaus mache. Links der CSU-Landtagsabgeordnete Thomas Huber, ihm gegenüber die SPD-Landtagsabgeordnete Doris Rauscher.

Wirt des Forsthauses Hubertus nennt Gründe für das Sterben der bayerischen Dorfwirtshäuser

Keiner kennt den „Bier-Bazi“

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Eine Wutrede war es keine, die Adi Warta, der Wirt des Gasthauses Hubertus, am Donnerstagabend vor seinen Berufskollegen bei einem Treffen auf der Ebersberger Alm hielt. Eher schon hatte sein Vortrag Züge von Resignation. Es ging um das Sterben der Dorfwirtshäuser nicht nur im Landkreis Ebersberg und um die Frage, wer daran schuld sei.

Landkreis – Großen Anteil am Verschwinden der bayerischen Wirtshäuser, so Warta, habe die Bürokratie, und die sei inzwischen vollkommen ausgeartet. Vor allem sei damit auf Großgastronomie und industrielle Nahrungsmittelproduktion gezielt worden, getroffen hätte man die kleinen Wirtschaften.

In einem Europa der Regionen einen Fluss wie die Rhone mit einem kleinen bayerischen Gebirgsbach zu vergleichen, und beide denselben Bewirtschaftungsregeln zu unterwerfen, ist zwar leider gängige Praxis, aber doch ausgesprochen sinnfrei. Warta nannte in diesem Zusammenhang ein kurioses Beispiel aus seiner Berufspraxis: Inzwischen gebe es eine genau vorgeschriebene Rezeptur, damit sich eine beliebte Biergartenbrotzeit „bayerischer Obazda“ nennen darf. Sollte ein Wirt aber jetzt auf die Idee kommen, mit einer eigenen Mischung im Interesse seiner Gäste dem „Obazden“ einen besonderen Pfiff zu geben, darf der Käsemix nicht mehr so heißen, sondern müsse beispielsweise als „Bier-Bazi“ bezeichnet werden. „Nur den findet dann kein Gast mehr auf der Karte, weil ihn keiner kennt“, stellte Warta fest. „Lasst die Wirte doch einfach ihre Arbeit machen“, stöhnte er und die Reaktion seiner Kollegen machte deutlich, dass das keine Einzelmeinung ist. Der Wirt des Gasthauses Hubertus ist Mitglied im Kreisverband Ebersberg des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes im Landkreis Ebersberg und hat deswegen genügend Vergleich.

„Traditionsbetriebe in Familienhand machen zu, und was einmal zu ist, bleibt zu“, warnte er vor einem Fortschreiten des Wirtshaussterbens. „Jetzt geht es ans Eingemachte“, kritisierte er und monierte dabei, dass seine Branche sich inzwischen einer starken Konkurrenz aus der Vereinsgastronomie gegenübersehe. Freilich ist Warta dabei klar, dass er sich in dieser speziellen Frage auf dünnem Eis bewegt, weshalb er hinterherschickte: „Unsere Gesellschaft steht auf mehreren Pfeilern, einer der wichtigsten davon sind die Vereine.“ Das sei ein Problem für die politischen Entscheider, denn in eben diesen Vereinen seien viele Wähler versammelt. Aber: „Miteinander etwas zu machen wäre wünschenswert.“ Die Vereine sollten ebenfalls die Zusammenarbeit mit den bestehenden Wirtschaften suchen nach dem Motto: „Der Wirt braucht uns, aber wir brauchen den Wirt auch einmal.“

Lebensmittelskandale seien nie von einem kleinen Gastwirt verursacht worden, wohl aber von der Nahrungsmittelindustrie, für deren Fehler seine ganze Branche in Mithaftung genommen werde.

Die vom Gesetzgeber den Wirten auferlegte Dokumentationspflicht treibe die Gastwirte in einen verlängerten Arbeitstag und gelegentlich sogar in die Verzweiflung, etwa dann, wenn für die Aushilfen im Biergarten die Zeiten dokumentiert werden müssten, wie lange das Hilfspersonal und die Angestellten täglich bei ihrer Arbeit dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. „Lasst die Leute doch einfach arbeiten“, meinte Warta und fügte hinzu, dass die das auch deswegen täten, weil sie das Geld brauchen.

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