Tina Hiller neben Lourdesgrotte in Oberndorf
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Tina Hiller steht neben der Lourdesgrotte im Ebersberger Gemeindeteil Oberndorf, die in Vergessenheit geraten war und die sie nach eine überstandenen Operation herrichten ließ.

Tina Hiller aus Oberndorf übersteht Krankheit und löst ein Versprechen ein

Zeitbombe im Kopf: Nach schwerer Operation wusste diese Frau, was sie zu tun hat

Tina Hiller (61) aus Oberndorf hat eine schwere Operation gut überstanden. Zuvor hatte sie sich selbst ein Versprechen gegeben - eines, das mit dem Glauben der Frau zu tun hat. Sie half einer Lourdesgrotte in Oberndorf zu neuer Blüte.

Oberdorf - Es war ein Schock als Tina Hiller aus Oberndorf im Jahr 2013 bei einer Routine-Untersuchung erfuhr, dass sie ein Aneurysma im Kopf hat, eine lokale Aussackung eines Blutgefäßes. Eine solche krankhafte Gefäßerweiterung ist lebensbedrohlich. Hiller verdrängte die Diagnose zunächst, drei Jahre lang. Sie lebte ohne Beschwerden und Einschränkung. Doch die Zeitbombe im Kopf tickte weiter und wurde immer gefährlicher. Ein medizinischer Eingriff wurde schließlich unausweichlich.

Kopf der Frau musste geöffnet werden

In der Regel wird der mit einem endovaskulären Eingriff durchgeführt, dem so genannten Coiling, bei dem meist von der Leistenschlagader aus ein Mikrokatheter in das Aneurysma geführt wird, um die Aussackung „auszustopfen“. Bei der Oberndorferin war dies nicht möglich, ihr musste der Schädel geöffnet werden, um eine Gefäßklammer zu setzen.

Nach der Operation wollte Tina Hiller ihr Versprechen einlösen

Natürlich hatte die Frau Angst, große sogar. An einem Mittwoch wurde sie ins Krankenhaus gebracht. Das war im Jahr 2016. Die Hausfrau machte ein Versprechen: „Wenn ich das alles überstehe, dann werde ich ein Hofkreuz an unserem Haus anbringen.“ Am folgenden Sonntag wurde sie bereits wieder aus der Klinik entlassen. Sie hatte es überstanden und war gesund. Nun wollte sie ihr Versprechen einlösen.

„Da ein Hofkreuz aber zu sehr an Unfalltote am Straßenrand erinnert und mich eine befreundete Bäuerin auf die Idee brachte, stattdessen die verfallene und verwilderte Lourdesgrotte in Oberndorf zu renovieren, die man von meinem Küchenfenster aus sogar sieht, habe ich mich entschieden, genau das zu tun.“

Im Zentrum steht eine Madonnenfigur

Lourdesgrotten sind Mariengrotten, die als Nachbildung der Grotte von Massabielle bei Lourdes in Südfrankreich errichtet wurden. In deren Zentrum steht eine Madonnenfigur. Und in Oberndorf gibt es genau eine solche Grotte, die längst verschwunden schien. Über die Jahre war sie in Vergessenheit geraten, zugewachsen, dem Zahn der Zeit ausgesetzt, nicht mehr sichtbar. Keiner nahm mehr Notiz von der künstlich angelegten Felsenhöhle samt ihrer Maria. Brennnessel umwucherten den grauen Fels.

„Da ich sehr gläubig bin, auch wenn ich nicht in die Kirche gehe, weil mich nicht interessiert, was die Pfarrer erzählen, habe ich mich sehr über die Idee von Maria-Luise Soyer gefreut, statt eines Holzkreuzes die Grotte herrichten zu lassen und ging im Herbst ans Werk.“

Madonnenfigur im Zentrum der Grotte in Oberndorf.

Die Oberndorferin ließ die Lourdesgrotte renovieren, den Platz um sie herum bepflastern und pflanzte zwei Bäume rechts und links der Grotte. „Ich wollte mein Versprechen einlösen: wenn die Kopf-Operation gut geht, dann mache ich etwas.“ Ende Februar wurde das Kleinod sogar kirchlich eingeweiht. Keine Spur mehr von Unkraut. Schon von Weitem sticht die Lourdesgrotte am östlichen Ortsausgang von Oberndorf nun ins Auge. Sauber ist der Platz. „Wer die Grotte einst gebaut hat, das weiß ich nicht. Aber ich kenne sie seit meiner Kindheit. Sie ist bestimmt 100 Jahre alt. Wahrscheinlich ist sie irgendwann mal von einem Bauern errichtet worden. Seit der Flurbereinigung jedenfalls steht sie auf dem Grund eines anderen Landwirtes, der nichts zur Geschichte weiß.“ Der jedenfalls war sofort damit einverstanden, dass Hiller das Schmuckstück wieder ans Tageslicht holen wollte.

61-Jährige spricht von schönem Lichtblick

Inzwischen freut sich die 61-Jährige über den „schönen Lichtblick“ und erzählt, dass immer wieder Leute dorthin gehen, stehen bleiben, und über das kleine Juwel staunen. „Bei der Madonna liegen sogar Zettel mit Bittgesuchen oder Dankesworten. Die Grotte ist längst zu einem kleinen Wallfahrtsort geworden.“

Trotz ihres jahrelangen Tiefschlafs steht noch immer die einstige Marienfigur in der Felsnische. „Und zu der bete ich auch,“ verrät Hiller und berichtet begeistert davon, dass bei der freitäglichen Frühmesse hin und wieder auch der Pfarrer mit seinen Gläubigen dorthin geht, um einen Rosenkranz zu beten. Die Oberndorfer Lourdesgrotte zu restaurieren wäre sehr viel Arbeit gewesen. Wie viel das gekostet hat, will sie aber nicht verraten. Nur so viel: „Ein paar Tausender waren es schon.“ Neben der Mariengrotte ist auf einem Schild, der an einen Steinbrocken angebracht zu lesen: „Restauriert in Dankbarkeit von Familie Hiller.“  pke

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