Eine Fernwärmeleitung wie diese könnte von Vaterstetten aus den halben Landkreis Ebersberg mit nachhaltiger Heizkraft versorgen. Fünf Anliegerkommunen könnten Teil des Projekts werden.
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Eine Fernwärmeleitung wie diese könnte von Vaterstetten aus den halben Landkreis Ebersberg mit nachhaltiger Heizkraft versorgen. Fünf Anliegerkommunen könnten Teil des Projekts werden.

Geothermie-Projekt als Meilenstein der Energiewende im Landkreis Ebersberg

Wärme für 70.000 Menschen: Pipeline von Vaterstetten bis Ebersberg

  • Robert Langer
    vonRobert Langer
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  • Josef Ametsbichler
    Josef Ametsbichler
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Fünf Kommunen, rund 20 Kilometer Pipeline: Der Landkreis Ebersberg plant ein Geothermie-Großprojekt, das in Sachen Energiewende einen Meilenstein setzen soll. Hier erste Informationen.

  • Der Landkreis plant ein Megaprojekt für die Energiewende.
  • Es geht um die Versorgung von 70.000 Menschen mit Fernwärme.
  • Der Landrat ist Fan der Idee.

Landkreis – Von Vaterstetten aus soll Fernwärme per Rohrleitung bis nach Ebersberg fließen – und auf dem Weg auch Zorneding, Kirchseeon und Grafing versorgen. Dieses Ziel gab Landrat Robert Niedergesäß (CSU) am Dienstag, 8. Dezember, bekannt.

Noch steht das Projekt ganz am Anfang. Weder ist klar, wo genau die Fernwärmeleitung verlaufen soll noch was die Sache kostet. Die fünf Anrainerkommunen und das möglicherweise ebenso interessierte Grasbrunn im Nachbarlandkreis München könnten sich aber die Kosten teilen und so die Belastung für die einzelnen Kämmereien reduzieren. Niedergesäß hofft außerdem auf Fördermöglichkeiten aus dem bayerischen „Masterplan Geothermie“, den Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) im vergangenen Jahr ausgerufen hat.

Bohrung in Vaterstetten

Die Bohrung solle in Vaterstetten verortet sein, weil es dort das heißeste Wasser in der Gegend gibt – mit rund 95 bis 99 Grad sei es ausreichend warm für Fernwärme, nicht aber für Strom, betonte Niedergesäß. Der Wärmeverlust auf der langen Leitung sei den Experten zufolge vernachlässigbar.

Landrat: Wäre großer Fortschritt

Der Landrat outete sich als Fan der Idee, auch die fünf Bürgermeister hätten interessiert und aufgeschlossen reagiert. „Für die Energiewende im Landkreis wäre das ein großer Fortschritt“, sagt Niedergesäß, deshalb wolle sich auch der Landkreis sowie die Energieagentur Ebersberg-München einbringen. Im Einzugsbereich des angedachten Netzes leben rund 70 000 Menschen – also quasi der halbe Landkreis. Technisch sei die Sache realisierbar. „Da hat sich auf dem Markt was getan“, sagt der Landrat. Ob das Projekt Realität werde, müsse sich erst noch zeigen. „Es ist eine neue Chance“, sagt der Landrat.

Gemeinderat Vaterstetten tagt zum Thema

Um die Erdwärme geht es am Donnerstag, 10. Dezember, auch im Gemeinderat Vaterstetten. Ein Grundsatzbeschluss steht auf der Tagesordnung. Die Debatte begann vor mehr als 20 Jahren. Zwischenzeitlich war das Projekt auf Eis gelegt. Die Autoren einer neuen Studie empfehlen nun „den Bau einer geothermischen Erzeugungsanlage weiter zu forcieren“. Vorgeschlagen wird ein Standort nördlich von Vaterstetten an der A99 südlich der Autobahnraststätte.

Bergbaurechtliche Erlaubnis

Ein Standort an der Rastanlage war bereits früher im Gespräch, ebenso wie im Bereich Möschenfeld und südlich der B 304. 1997 hatte eine Studie ergeben, dass die geologischen Voraussetzungen für die Nutzung der Erdwärme im Gemeindegebiet Vaterstetten gut seien. Richtig los ging es dann aber erst einige Jahre später. Die notwendige bergbaurechtliche Erlaubnis des sogenannten Claims Grasbrunn-Vaterstetten wurde im Sommer 2006 erteilt. Seit Juli 2010 war auch die Gemeinde Zorneding im Boot. Langfristiges Ziel damals: Die Gas- und Ölversorgung weitestgehend durch die Geothermie-Nahwärme zu ersetzen.

Eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2009 kam zu dem Ergebnis, dass eine geothermische Nutzung der Wärme in Kombination mit einem Wärmenetz in Vaterstetten möglich und wirtschaftlich sei. Die Euphorie hielt jedoch nicht lange an. Das Projekt der Gemeinden Vaterstetten, Zorneding und Grasbrunn stand 2014 vor dem Aus. Eingebunden werden sollte ein Investor. Doch dem war es nicht gelungen, einen Versicherer für das Vorhaben zu finden. Zwei Jahre später gab es Hinweise, dass sich die Voraussetzungen wieder geändert haben könnten. Der Investor wollte weiter machen. Im Rathaus Vaterstetten war man allerdings zunächst skeptisch.

Doch die örtlichen Befürworter der Erdwärme ließen nicht locker. Im September 2019 hieß es dann, der Einsatz der Geothermie solle noch einmal untersucht werden.

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