Blick in den Brunnen tief im Unterholz, der zurzeit Historiker, Archäologen und Geologen rätseln lässt.
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Blick in den Brunnen tief im Unterholz, der zurzeit Historiker, Archäologen und Geologen rätseln lässt.

Rätsel um das Loch im Wald

Mysteriöser Brunnen tief im Forst: Reaktionen aus ganz Deutschland - und eine eindringliche Warnung

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Der geheimnisvolle, jahrhundertealte Schacht tief im Ebersberger Forst interessiert Menschen aus ganz Deutschland. Das freut die Forscher, birgt aber auch Gefahren.

  • Tief im Ebersberger Forst hat ein Jäger einen jahrhundertealten Brunnenschacht entdeckt.
  • Das Geheimnis um das Loch im Wald stößt auf gewaltiges Interesse aus ganz Deutschland.
  • Die Forscher freuen sich, warnen aber dringend vor lebensgefährlichen Erkundungstouren.

Landkreis Das Rätsel um den jahrhundertealten Brunnen im Ebersberger Forst fasziniert weit über den Landkreis Ebersberg hinaus. Ein Facebook-Beitrag der Ebersberger Zeitung zu dem Thema erreichte über das Wochenende rund zweieinhalb Millionen Menschen. Hunderte Nutzer spekulieren darunter wie das mysteriöse Loch in den Wald kam. Unter den Verdächtigen: Außerirdische, die Nazis, der Geist der Weißen Frau von der Hubertuskapelle.

Die Forscher sind aus dem Häuschen.

Kreisheimatpfleger Thomas Warg

Doch es gibt auch viele, die sich ernsthafte Gedanken zu dem außergewöhnlichen Fund machen. Bei Kreisheimatpfleger Thomas Warg, der sich federführend um die Erforschung des Brunnens kümmert, gehen E-Mails aus ganz Deutschland ein. Wie die eines Historikers aus Lippstadt in Westfalen, der seine Erfahrungen bei der Untersuchung und Datierung ähnlicher Bauwerke teilt. Oder die eines Landwirts aus dem Chiemgau, auf dessen Grund sich ein baulich ähnlicher Brunnen befindet – der aus der Römerzeit datieren könnte. Oder die eines Diplomgeologen, der eine Kamerabefahrung anbietet. Warg sagt: „Die Forscher sind aus dem Häuschen.“

In dem jahrhundertealten Schacht droht der Erstickungstod

Der Kreisheimatpfleger warnt Neugierige dringend davor, sich auf eigene Faust mit Taschenlampe und Kletterausrüstung in den Forst zu ziehen und nach dem Brunnen zu suchen. Selbst geschickte Kletterer könnten sich so in Lebensgefahr bringen. Es sei denkbar , dass Gase in dem Schacht waberten, an denen unvorsichtige Erkunder unbemerkt ersticken könnten – ganz zu schweigen von der Absturzgefahr.

Die Staatsforsten wollen keine Erkundung auf eigene Faust tolerieren

Staatsforsten-Betriebsleiter Heinz Utschig bringt zudem die rechtliche Komponente ins Spiel: Wer im Forst auf Schatzsuche oder Ausgrabungstour gehe, brauche die Erlaubnis des Grundeigentümers – der Staatsforsten. Zumal ohnehin schon viel los sei im Forst, und nicht toleriert werde, dass Autos kreuz und quer auf den Geräumten herumfahren. Die Revierförster seien gewarnt und behielten die Umgebung des Brunnens im Auge. „Wir greifen durch“, sagt Utschig. Ob die Staatsforsten einen finanziellen Beitrag zur Untersuchung des Schachts leisten, lässt er offen. Demnächst werde sich ein interessierter Geologe in seiner Freizeit den Fundort anschauen.

Die Forscher arbeiten ehrenamtlich

Überhaupt ist die Erforschung des Brunnens derzeit von ehrenamtlicher Arbeit abhängig. „Ein Kreisheimatpfleger hat kein Budget“, sagt Thomas Warg. Alle, die in der eilig gegründeten Arbeitsgruppe mithelfen, tun das ohne Bezahlung. Warg gibt zu, dass er voll vom Brunnenfieber infiziert ist. Der Historiker unternimmt nun das, was er am besten kann: Quellenforschung. Wenn er nicht gerade Zuschriften beantwortet, wühlt er sich durch die Annalen des Klosters Ebersberg. Einer der rund 50 Pröpste und Äbte zwischen dem 10. und 16. Jahrhundert könnte ja der Brunnengräber sein. Die Größe der Steine in der Schachtwand, so Warg, deute jedenfalls daraufhin, dass sie eiszeitlichen Ursprungs sind und von südlich des Forstes stammen, möglicherweise aus dem Gebiet der Schafweide.

Brunnen im Ebersberger Forst Vielleicht kann die Feuerwehr bei der Erkundung helfen

Klar sei aber auch: „Da muss einer runter“, sagt Warg. „Brunnen haben wir in unserer Forschung bisher sträflich vernachlässigt.“ Damit sich das ändert, hat der Heimatpfleger nun sogar Kontakt zur Ebersberger Feuerwehr aufgenommen, die möglicherweise mit ihrer Ausrüstung helfen könnte. Auch ohne Budget soll das Loch im Ebersberger Forst kein ewiges Mysterium bleiben. Warg verspricht: „Wir sind dran!“

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