In diesen Orten klagen Menschen über den Brummton. Von Süden nach Norden verläuft die Transalpine Ölleitung (rot), an der eine Pumpstation (blau) hängt. Manche verdächtigen diese ebenso wie das Entsorgungszentrum an der Schafweide (blau) als Verursacher des Geräusches. Grafik: MM-Repro/Diaz

Dauer-Gebrumme: Keiner will schuld sein

Steinhöring - Leise, tief, dumpf: Das nervige Brummen in Steinhöring will nicht verstummen. Im Gegenteil: Der Kreis der Betroffenen wird immer größer. Jetzt geht auch Landrat Robert Niedergesäß auf Ursachenforschung. Genauso wie die Ebersberger Zeitung.

Das Brummen von Steinhöring, es ist immer noch da. Tag und Nacht, penetrant, nervtötend, einfach zum Verrücktwerden, berichten Betroffene. Die Ursache hat man nicht gefunden, noch nicht. In einem EZ-Bericht über das Gebrumme verdächtigte ein Experte große Pumpen, etwa für Luft- oder Grundwasserwärme. Auch ein Gasmotor käme in Frage, hieß es. Mehrere Leser meldeten sich daraufhin - ihr Verdacht: Schuld am Brummton sei entweder das Entsorgungszentrum an der Schafweide, betrieben vom Landkreis, oder die beiden Pipelines, die unterm Gemeindegebiet verlaufen samt Pumpstation - die Transalpine Ölleitung (kurz TAL) und die OMV-Pipeline für Treibstoff.

„Ich höre das zum ersten Mal!“ Dirk Strack, technischer Leiter der TAL, gibt sich überrascht, als er vom Brumm-Problem erfährt. Nur Mitte der 1980er Jahre, als die Pumpstation, die wenige hundert Meter von den betroffenen Wohnhäusern entfernt steht, gebaut wurde, habe es ähnliche Probleme gegeben. „Ein Landwirt hatte über Schallbelästigungen geschimpft. Man hat die Anlage eingehaust, dann war es gut.“ Weder an dieser, noch an anderer Stelle habe es seitdem Lärm-Beschwerden gegeben - und die TAL ist lang: Sie führt von Triest nach Karlsruhe, das sind 465 Kilometer.

„Ich glaube nicht, dass wir schuld sind“, sagt Strack. Zum einen hätte das Unternehmen im Abschnitt Steinhöring in den vergangenen Jahren baulich nichts verändert, was den Beginn des Brummens vor etwa drei Jahren erklären würde - Und: „Seit zwei Jahren laufen die Pumpen sogar weniger, keinesfalls 24 Stunden!“ Zum anderen seien die Pipelines weit unter der Erde, etwa zwei Meter, da spüre man allerhöchstens Vibrationen „wenn man direkt drauf steht“, sagt der Ingenieur. In jedem Fall aber habe die TAL großes Interesse daran, das Problem aufzuklären.

Auch die OMV will bei der Aufklärung mithelfen. Das zumindest erklärt Pressesprecher Thomas Bauer. Vor zwei Wochen sei das Unternehmen von der Gemeinde Steinhöring „über entsprechende Meldungen der Bewohner“ informiert worden, derartige Beschwerden habe es vorher noch nie gegeben. Das Tanklager Steinhöring sei daraufhin überprüft worden, das habe aber „keine Hinweise ergeben“. Man stehe weiterhin in Kontakt mit der Gemeinde.

Weiter ist man laut Landratsamt bereits am Entsorgungszentrum an der Schafweide, das etwa vier Kilometer von den Wohnhäusern der Betroffenen entfernt ist. Bereits im Juli 2011 hätten Umweltschutzingenieure des Landratsamtes Messungen an der Mülldeponie durchgeführt, informiert Sprecherin Evelyn Schwaiger. „Man hatte einen Gasmotor und die Abluftanlage einer Abfallbehandlungsanlage in Verdacht“, berichtet sie.

Obwohl die Messwerte - sowohl die an der Anlage, als auch die in den Häusern der Betroffenen - unterhalb des Handlungsbedarfs gewesen wären, habe man Maßnahmen ergriffen: „Der Gasmotor wurde ausgetauscht, ein Schalldämpfer angebracht, das Auslaufrohr in eine günstigere Position gebracht und ein Hohlraum am Container mit Sand und Kies gefüllt“, berichtet Schwaiger. Abhilfe habe das aber nicht gebracht.

Alle Hoffnung ruht jetzt auf Landrat Robert Niedergesäß. Er hat Wind vom Problem mit dem geheimnisvollen Gebrumme bekommen, er will helfen. Bald soll es einen „Runden Tisch“ mit allen Betroffenen geben.

Carolin Nuscheler

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