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Ein starkes Team: Der Erdinger Taxiunternehmer Dino Oruc (rechts) und der gehandicapte Emir Bilalic sind mit ihrer kleinen Taxi- und Mietwagen-Flotte auch im Landkreis Ebersberg im Einsatz.

Arbeiten mit Behinderung 

Geht nicht, gibt’s nicht

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Landkreis - Menschen mit Behinderungen haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis Ebersberg – trotz aller Anstrengungen und Beteuerungen der Politik. Dabei gibt es gute Beispiele für Integration. Wir greifen gerne eines auf.

„Bei der Agentur für Arbeit Ebersberg sind aktuell 116 Menschen mit Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet. Viele von ihnen sind gut ausgebildet, verfügen über einen Berufsabschluss und fundierte Berufserfahrung“, erläutert Karin Weber, Chefin der Agentur für Arbeit. „Gerade hinsichtlich des vermehrten Bedarfs an qualifizierten Fachkräften kann ich deshalb Betrieben im Landkreis nur raten, bei der Personalsuche Menschen mit Handicap im Besonderen eine Chance zu geben – es lohnt sich.“

Dass das nicht nur eine leere Floskel ist, beweist Dino Oruc, Taxiunternehmer aus dem Landkreis Erding, der seinen Service auch im Landkreis Ebersberg anbietet. Der Erdinger Taxiunternehmer hat sich dazu entschieden, Emir Bilalic trotz einer körperlichen Einschränkung eine berufliche Perspektive in seinem Familienbetrieb zu geben. Seit September ist der 36-Jährige als Fahrer beim „Taxi- und Mietwagenunternehmen Dino Oruc“ angestellt und übernimmt dort nicht nur Fahrten im Großraum Erding und Ebersberg, sondern wurde von Anfang an in alle Geschäftsbereiche – von der Buchhaltung bis hin zu Terminvereinbarungen – eingebunden. Mit der Zusammenarbeit haben sie einen Schritt gewagt, den keiner der beiden Männer bereut hat – ganz im Gegenteil: „Wir haben beide nur gewonnen.“

Emir Bilalic war bis zu einem Unfall als Lkw-Fahrer tätig. Die bleibenden Folgen machten den Weg zurück ins Arbeitsleben für ihn zermürbend. „Ich habe unzählige Bewerbungen geschrieben und wurde auch zu Vorstellungsrunden eingeladen – allerdings nur, wenn ich den Punkt ,Behinderung‘ in den Unterlagen ausgelassen hatte.“ Eine Festanstellung war aber aussichtslos. Für Dino Oruc war das Handicap von Emir Bilalic, der eine Hand nur noch eingeschränkt benutzen kann, nach anfänglichem Zögern aber kein Hinderungsgrund. Oruc: „Natürlich war dieser Schritt von mir sehr gut überlegt. Als Kleinunternehmer musste ich einiges beachten und genau planen. Und dann galt es auch, einen ,Arbeitsplatz‘ zu organisieren.“

„Unsere Wagen haben Automatikgetriebe, somit bin ich beim Fahren gar nicht eingeschränkt“, berichtet Bilalic. „Schwierigkeiten habe ich beim Tragen von schwerem Gepäck. Doch „dank der Solidarität unter den Taxifahrern“ auch im Landkreis Ebersberg packten schon mal die Kollegen am Taxistand mit an.

Bilalic ist mit seiner neuen Situation zufrieden und hat einen Rat für die Arbeitgeber im Landkreis Ebersberg: „Ich wünsche mir, dass sie offener werden und im Einstellungsprozess ihren Fokus nicht so stark auf die Behinderung und die damit vermeintlich einhergehenden Einschränkungen richten. Personalentscheider sollten sich selbst davon überzeugen, was der Bewerber drauf hat. Probearbeiten wäre gut.“

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