+
Georg Kasberger (Leiter des Forstamts) und Astrid Fischer (Revierförsterin) wollen den Wald fit machen: Bäume der Zukunft sind ihrer Meinung nach Tannen, Douglasien und Buchen. Der Trend geht zum Mischwald.

Ein Computer-Programm soll helfen

So sieht der Wald der Zukunft aus

  • schließen

Die Tanne wird die neue Fichte, sagen das Forstamt – und ein spezielles Computerprogramm. Wieso die Klimaerwärmung unseren heimischen Wald gewaltig verändern wird. Ein Besuch. 

Landkreis – Damit hat die Tanne sicher nicht gerechnet. Georg Kasberger, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg (AELF), steht neben dem jungen Bäumchen und streichelt die grünen Nadeln ganz behutsam. Anders ergeht es der etwa gleich großen ein Meter hohen Fichte direkt daneben. Kasberger würde die am liebsten... . Tut er natürlich nicht. Sie bekommt dafür eine verbale Ohrfeige von dem Behördenchef. Die Zukunft der Fichte ist nicht rosig. Sie soll und wird mehr und mehr aus dem heimischen Wald verschwinden.

Helfen soll ein spezielles Computerprogramm

Kasberger steigt gemeinsam mit Astrid Fischer durch den städtischen Wald nördlich von Ebersberg, nicht weit weg vom Aussichtsturm. Zwölf Hektar groß. Fischer ist Revierförsterin. Sie berät die etwa 1500 privaten Waldbesitzer im Kreis. Es herbstet in Ebersberg. Der Waldboden ist moosbewachsen, Fichten wohin das Auge reicht. Noch. Kasberger und Fischer haben eine Mission. Sie sind mitverantwortlich für die Zukunft des privaten und kommunalen Waldes im Landkreis Ebersberg. Und der soll in Zukunft mehr Tannen bekommen. Helfen soll dabei ein spezielles Computerprogramm: das bayerische Standortinformationssystem.

Die Ebersberger Zeitung/der Münchner Merkur hat im Sommer ausführlich über die heimische Fichte berichtet. Deshalb wollen Kasberger und Fischer zeigen, auf was es in Zukunft ankommt. Und das aus gutem Grund: Klar ist für die Forstexperten, dass die Fichte weniger werden wird. Klar ist auch, dass es einen Nadelbaum im Landkreis braucht, einen Wirtschaftsbaum für die Holzindustrie. „Die Tanne wird das Bauholz der Zukunft. Die Fichte wird nur mehr im geringen Anteil in einem Mischwald vorkommen“, sagt Kasberger.

Im Jahr 2100 schaut es bitter aus

Das Standortinformationssystem zeigt zum Jahr 2000 kein Risiko für die Fichte im Gebiet nördlich von Ebersberg.

Mit ihrem Laptop steht Fischer im Stadtwald von Ebersberg und deutet auf eine kräftig grüne Fläche auf dem Bildschirm. Das Programm prognostiziert eine Risikobewertung einer jeden im Kreis vorkommenden Baumart. Parameter wie Klimaentwicklung, Bodenbeschaffenheit und Baumart werden dabei miteinbezogen. Beispiel Fichte: Leuchtet sie zum Stand vom Jahr 2000 noch größtenteils im Landkreis grün, werden zahlreiche Gebiete 2100 schon orange oder rot. Das bedeutet, das Risiko für die Fichte, in den kommenden Jahren nicht zu überleben, wird immer höher. 

Ganz anders die Prognose für 2100: Im Nordosten besteht für die Fichte ein sehr hohes Risiko zu existieren.

Besonders schlechte Karten hat der Baum beispielsweise im Anzinger Forst. Dort leuchtet die Karte von Fischer rot. Der kiesige Boden kann wenig Wasser speichern. Das sich ändernde Klima werde in Zukunft heißere und trockenere Sommer bringen, erklärt Kasberger. Für die Fichte ist das schlecht. Denn damit habe auch der Borkenkäfer leichteres Spiel. Doch die Staatsforsten, die den Anzinger Forst bewirtschaften, bereiten sich vor und setzen auf zukunftsträchtigere Bäume wie Buchen oder eben Tannen.

Die Verliererin der Klimaerwärmung

Der Bereich im Stadtwald bei Ebersberg ist auf der digitalen Karte orange gefärbt. Wegen des Lehmbodens ist ein Mischwald mit weniger Fichten zukünftig möglich. Bei der Umsetzung will Fischer Waldbesitzern helfen.

Eigentlich ist die Fichte ein Gebirgsbaum, der in tieferen Ebenen nichts verloren hat. Weil er robust ist und schnell wächst, kultivierte der Mensch die Fichte, um Bauholz zu bekommen. Doch die Fichte ist die Verliererin der Klimaerwärmung, erzählen Fischer und Kasberger. Pauschal könne aber nicht gesagt werden, dass die Fichte durch das Klima überall verschwindet. Es hänge von der Lage und den Böden ab.

Im Kreis sollen dennoch Tannen die Zukunft sein. Gegenüber der Fichte haben sie eine höhere Trockenresistenz. Fischer schaut die junge Tanne vor sich an: „Waldpflege heißt, dass wir junge Fichten holzen müssen, damit Tannen nachwachsen.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mats aus Kirchseeon
Ganz herzhaft gähnt Mats in die Kamera. Der Bub ist noch ganz müde. Mats ist das erste Kind von Julia Pieterwas und Nicholas Cornish aus Kirchseeon und hat am 16. Juli …
Mats aus Kirchseeon
Schreiner-Nachwuchs in Top-Form
Johannes Wieser hat‘s geschafft. Der Barschrank des frisch gebackenen Schreinergesellen wurde Sieger im Wettbewerb „Die gute Form“ im Landkreis Ebersberg.
Schreiner-Nachwuchs in Top-Form
Vaterstettener CSU: Neues Gewerbegebiet ein Sechser im Lotto
Die Ansiedlung von BMW und KraussMaffei  im neuen Gewerbegebiet in Parsdorf hat der Vaterstettener CSU-Fraktionsvorsitzender Michael Niebler  als „Meilenstein“ …
Vaterstettener CSU: Neues Gewerbegebiet ein Sechser im Lotto
Wenig Betrieb am Geister-Kreisel - wo sind die Arbeiter?
Es ist verdächtig ruhig auf dieser Baustelle in Schammach, wo ein Kreisel entstehen soll. Sind die Arbeiter nicht da, oder sind sie bloß unsichtbar? Sowohl als auch.
Wenig Betrieb am Geister-Kreisel - wo sind die Arbeiter?

Kommentare