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Er dürfte mit den längsten Stammbaum im Landkreis Ebersberg haben: Max Emanuel Graf von Rechberg, Besitzer von Schloss Elkofen und seit vielen Jahren in der Grafinger Kommunalpolitik aktiv. 

Ahnenforschung im Landkreis Ebersberg

Stammbaum mit Suchtfaktor

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Woher stammen wir eigentlich? Diese Frage interessiert im Landkreis Ebersberg immer mehr Bürger. Sie begeben sich auf Ahnensuche.

Landkreis – Großvater kennt man ja. Dem ist man in den meisten Fällen persönlich begegnet. Vielleicht auch noch dem Urgroßvater oder der Uroma – die man wenigstens von Bildern in Erinnerung hat. Aber dann? 

„Es besteht ein steigendes Interesse an der eigenen Geschichte“, stellt Winfried Müller zu diesem Trend fest. Er ist Bezirksleiter des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde und in dieser Organisation unter anderem auch für den Landkreis Ebersberg zuständig. „Die Mitgliederzahlen steigen“, berichtet er. Woher kommt’s?

„Die Leute finden alte Fotos und Briefe ihrer Angehörigen und entdecken, dass damit ganz spannende Geschichten verbunden sind“, erläutert Müller. Der Bayerische Landesverein für Familienkunde hat alleine in Oberbayern 500 Mitglieder. „Aber wir sind nicht die einzige Organisation dieser Art. In Deutschland gibt es etwa 20 solcher Vereine.“ Die Kontakte des Münchener Zusammenschlusses in die Stadt Grafing sind offensichtlich gut. Der Grafinger Historiker Peter Weilnböck hält in München am 21. September, um 18 Uhr, in einem Raum über dem Deutschen Museum einen Vortrag über das Schicksal eines Grafinger „Zuagroasten“ im Jahr 1711. Der hieß Peter Hueber, war aus Pang und hatte die Witwe des Grafingers Georg Reiter geheiratet. Die Hochzeit muss opulent gewesen sein, denn es gab 600 Liter Bier. Der anschließende Streit um die Biersteuer eskalierte derart, dass Hueber in einem Wirtshaus das Kruzifix von der Wand riss, Jesus als „Knödelfresser“ bezeichnete und das Kreuz so auf den Wirtshaustisch knallte, dass der Korpus in Trümmer zerbrach. Für diese Gotteslästerung wurde er zum Tode verurteilt und in Markt Schwaben drei Monate später mit dem Schwert hingerichtet. „Da habe ich Monate lang gebraucht, um das zu recherchieren“, berichtet Weilböck. Aber die Geschichte hatte den 63-Jährigen einfach nicht mehr losgelassen.

Mit den längsten Stammbaum im Landkreis dürfte Max Graf von Rechberg haben. Auf einem Bild davon, das in Schloss Elkofen die Blicke der Besucher bei Schlossführungen des Grafen auf sich zieht, endet der Stammbaum im Jahr 1699, „weil er im Jahr 1700 gemalt wurde“. Natürlich hatte die Familie auch danach noch Nachkommen, deren sichtbarer Beweis ja der Graf selbst ist. Moderne Technik hat Ahnenforschung inzwischen erleichtert. „Ich kann mit heutigen Computerprogrammen, die mittlerweile Tausende von Personen der Geschichte in den Datenbanken halten, unsere Familie bis zu Karl dem Großen zurück aufführen. Die Computerwelt hat heute vieles ermöglicht, was unsere Großeltern noch nicht mal ahnen konnten“, sagt der Graf. Ob solche Stammbäume jedoch heute außer Historikern irgendjemand interessieren, „wage ich zu bezweifeln. Sie sind aber heute verifizierbar und ganz einfach machbar.“ Der in Öl gemalte Stammbaum im Schloss sei nicht besonders gut recherchiert. Das war halt so gut, wie man es wusste und konnte, die seitlich aufgeführte Geschichte über das Entstehen der Rechbergs ist eine völlig verdrehte Form der tatsächlichen Geschichte und eher hanebüchen als historisch.“

Dass gerade Adelsfamilien sich bei der Ahnensuche leichter tun, erklärt Weilnböck mit den zahlreichen Urkunden, die von diesen Familien vorhanden sind. „Manche können ihre Vorfahren sogar bis zu Salomon zurückverfolgen“, sagt er augenzwinkernd. Es sei aber inzwischen keine Ausnahme, dass auch „Landbewohner ihre Vorfahren bis zurück ins 14. Jahrhundert recherchieren können.“ „Die Archivlandschaft ist inzwischen ganz gut“, bestätigt Müller. Die Bibliothek seines Vereines umfasse derzeit 12 000 Bände. Damit dieses Wissen richtig angewendet werden kann, „veranstalten wir Einführungsvorträge, unter anderem bei der Volkshochschule.“

Am Anfang der Recherchen steht meistens ein Bild oder eine Urkunde eines Vorfahren, die das Interesse der privaten Stammbaumforscher wecken. Dann könne man sich gerne an seinen Verein wenden, bietet Müller Hilfe an. „Wir zeigen Möglichkeiten auf, die man hat, um zu recherchieren.“ Aber Vorsicht: Ahnenforschung oder die Beschäftigung mit der näheren Heimatgeschichte birgt einen hohen Suchtfaktor. „Manches liest sich fast wie ein Krimi, sagt Weilnböck.

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