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Das Arbeitszeitgesetz bringt Wirte und Bedienungen gleichermaßen in Schwierigkeiten -  oft zum Nachteil der Gäste.

Arbeitszeitgesetz bringt Wirte und Bedienungen in Bedrängnis

Essen weg - der Zoll kommt!

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„Politiker wissen nicht, was ihre Beschlüsse in der Praxis bedeuten.“ Das glaubt Adi Warta, Wirt der Ausflugsgaststätte St. Hubertus im Ebersberger Forst.

Landkreis - Seit der Einführung der sogenannten „Dokumentationspflicht“ vor zwei Jahren haben die Betreiber von Gasthäusern auch im Landkreis Ebersberg ihre Öffnungszeiten verkürzt oder sogar einen zweiten Ruhetag eingeführt. Warum?

 Hintergrund ist das Arbeitszeitgesetz. Warta hat den À-la-carte-Service eingestellt. „Wir haben den Biergarten bei schönem Wetter Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonn- und Feiertags ab Mittag geöffnet.“ Außerdem veranstaltet er Feiern zu jedem Anlass und Schmankerlabende. „Die Hälfte aller Mitgliedsbetriebe im Gaststättenverband ist betroffen“, sagt Warta. Was hat es mit dieser „Dokumentationspflicht“ auf sich? 

Die Arbeitszeitregelung besagt, dass ein Arbeitnehmer nicht länger als zehn Stunden am Tag beschäftigt sein darf. Das Problem dabei: Im Service oder als Aushilfen arbeiten Menschen, die meist schon einen Acht-Stunden-Arbeitstag hinter sich haben, wenn sie ihren Dienst in der Gastronomie beginnen. Die Helfer könne er dann nach zwei Stunden wieder heimschicken, so Warta. Abgesehen davon, das das die Betroffenen selbst für unvorteilhaft halten würden, „arbeiten die gerne bei mir, weil sie das Geld brauchen, ich sie anständig behandle und auch anständig bezahle“. Der Wirt vom Forsthaus muss aber eine Dokumentation führen über die gesamte, tägliche Arbeitszeit seiner Aushilfen – auch über die in ihrem Hauptjob. „Und das muss ich zwei Jahre aufheben, immer mit 5000 Euro Bußgeld im Genick“, wenn er das nicht mache, ärgert sich Warta.

 „Das Arbeitszeitgesetz entspricht nicht der Lebenswirklichkeit“, sagt der Hotel- und Gaststättenverband zu den aktuellen Auswirkungen auch der sogenannten „Dokumentationspflicht“. Der Verband weist darauf hin, dass eine EU-Richtlinie bereits vorsehe, von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umzustellen. Die Chancen, aufgrund der bevorstehenden Bundestagswahlen etwas verändern zu können, seien gut. 

„Da sind alle Wirtschaften betroffen, nicht nur die bayerischen“, sagt Warta. Der Hotel- und Gaststättenverband hat eine Kampagne gestartet mit dem Titel: „So möchte ich arbeiten“. Betroffen sind auch die Hotels im Landkreis. „Wir fangen unter der Woche um 6.30 Uhr an“, berichtet Elisabeth Schwaiger, Tochter des Glonner Hotelbesitzers Franz Schwaiger. „Besonders für die letzten beiden Stunden am Tag brauchen wir dann zusätzliches Personal. Und das verursacht zusätzliche Kosten“, sagt sie. 

Dass das Arbeitszeitgesetz streng kontrolliert wird durch Beamte des Zoll, weiß Frank Zückert, Chef des Grafinger Kastenwirt. „Die waren vor zwei Monaten mit zwölf Mann bei mir. Es war alles in Ordnung.“ Aber für die Zeit der Kontrolle sei der ganze Betrieb lahmgelegt worden. „Wir mussten die Essen abstellen und alles liegen und stehen lassen.“ Sogar die Ausgänge des Betriebs seien alle abgesperrt worden. Zückerts Bedienungen sind zum Großteil Hausfrauen und Studenten, da stelle sich das Arbeitszeitproblem nicht. Aushilfen, die einen Hauptjob haben, beschäftigt Zückert „am Wochenende und an Feiertagen“. 

An der Kampagne des Gaststättenverbandes beteiligen sich inzwischen 30 bayerische Arbeitgeberverbände.

Eine Stellungnahme der beiden Bundestagsabgeordneten Andreas Lenz (CSU) und Ewald Schurer (SPD) finden Sie in der Printausgabe der Ebersberger Zeitung vom 15./16. Juli.

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