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Polizeihauptmeister Bernhard Schweida erklärt den Kindern richtiges Verhalten im Straßenverkehr. 

Auf dem Grafinger Verkehrsübungsplatz lernen Schulkinder auch, dass Polizisten Respektspersonen sind 

„Jetzt ist das schöne Radl vom Emil platt“

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Hier schaut’s aus wie im richtigen Leben. Kreisel, Zebrastreifen, Ampeln, Linksabbiegespuren und Vorfahrtsschilder, aber alles in Miniatur. Dazwischen zwei Polizisten, eine Lehrerin und zwei Dutzend Viertklässler.

Landkreis – Die Kinder kommen aus Kirchseeon, sind total aufgeregt und blinzeln in die Sonne. Heute steht Verkehrserziehung auf dem Stundenplan. Die Kinder wurden mit dem Bus zum Übungsplatz nach Grafing gebracht und sollen das Überleben lernen.

Im vergangenen Jahr haben sich sieben Schulwegunfälle im Landkreis Ebersberg ereignet. Alle an unbelotsten Stellen. Es gibt manchmal zu wenige Schulweghelfer – trotz aller Anstrengungen. Das heißt im Umkehrschluss: Die Kinder müssen selbst etwas zu ihrer Sicherheit im Straßenverkehr beitragen. Und das können sie, wenn sie bei Oberkommissar Martin Schedo und Polizeihauptmeister Bernhard Schweida im Unterricht waren. Die beiden sind die Verkehrserzieher der Polizeiinspektion Ebersberg – Schweida seit drei, Schedo seit acht Jahren. Die Beamten stellen sozusagen den ersten Kontakt dar, den die Kinder mit der Polizei haben – „und der ist positiv“, sagt Schedo.

Emil muss alles vorführen

Heute hat es Emil erwischt. Der Viertklässler muss vorführen, was dann seine Schulkameraden nachmachen sollen. Emil erledigt seine Sache gut. „Dafür hat er einen Applaus verdient“, sagt Schweida und die Kinder klatschen. „Sie sind total aufgeregt“, berichtet Lehrerin Daniela Kozlik. Im Unterricht wurde der praktische Vormittag ausgiebig vorbereitet. Sogar eine theoretische Prüfung müssen die Schüler absolvieren, wie beim richtigen Führerschein. „Der Testbogen sieht auch so ähnlich aus“, sagt Kozlik.

Die Schüler haben knallgelbe Warnwesten an mit Nummern drauf. So können die Polizisten sie anhand einer Kladde mit ihrem Namen ansprechen. Die beiden Beamten nehmen die Kinder als Individuum an. Das ist pädagogisch sinnvoll und wird von der Schar sichtlich honoriert. „Sie sollen auch lernen, dass ein Polizist eine Respektsperson ist“, sagt die Lehrerin.

Der Umgangston ist locker

Das sichere und routinierte Auftreten der beiden Männer sorgt für Disziplin, obwohl der Umgangston locker ist. „Jetzt ist das schöne Radl vom Emil platt“, quittiert Schweida einen Fehler des Buben an der Kreuzung. Er ist mit einem imaginären Laster kollidiert. Macht nichts. Wenn die Buben und Mädchen schon alles könnten, müssten sie nicht am Verkehrsunterricht teilnehmen. Solche Fälle in der Realität zu vermeiden, dafür sind sie schließlich hier.

Der neue Ebersberger Inspektionsleiter, Ulrich Milius, respektiert die Arbeit der Verkehrserzieher, schildert Schedo. Der Unterricht mit den Kindern macht ihm Spaß, besonders dann, wenn er ihnen später im richtigen Straßenverkehr wieder begegnet, und die Schüler „alles richtig machen. Das freut einen“, sagt Schedo und lächelt.

Ungefähr 700 bis 800 Schulkinder durchlaufen jährlich diese Ausbildung, die am Ende mit einer Prüfung ihren Abschluss findet. Da sind die Kinder dann noch aufgeregter. Wer’s besonders gut macht, bekommt einen Ehrenwimpel. Aber auch so können sich die Schüler oft nach vielen Jahren an die Namen ihrer Verkehrserzieher erinnern, sagt Schedo und schildert das Beispiel, als er zur Volksfestzeit zu einer Schlägerei in der Ebersberger Einkaufspassage alarmiert werden musste. Dort angekommen, wurde er von einem der Kontrahenten schon von Weitem lautstark begrüßt: „Hallo Herr Schedo“, meinte der junge Mann. Der Polizist antwortete: „Woher kennen Sie mich?“ Daraufhin meinte der Angesprochene: „Na, ich hab’ doch bei ihnen den Radlführerschein gemacht.“ Inzwischen sind das so viele, dass manchmal die Kinder derjenigen zum Unterricht kommen, die selbst schon unter Schedo die sichere Teilnahme am Straßenverkehr übten.

Runde im Kirchseeoner Straßenverkehr

Wenn die Kinder alles geschafft haben, also Theorie und Praxis, geht es in Kirchseeon zur Anwendung des Erlernten unter realen Bedingungen. Die Schüler fahren unter Aufsicht eine richtige Runde im Kirchseeoner Straßenverkehr. Ein letztes Mal sind aus Sicherheitsgründen die Eltern dabei, dann können die Kleinen in die Realität entlassen werden, aus der sie hoffentlich unbeschadet hervorgehen. Die Übungsräder stiftet die Kreisverkehrswacht Ebersberg, der Jahresetat ist gering. „300 Euro im Jahr“, rechnet Schedo kurz nach, als ein Bub mit einem alten Rad mit einem Logo der Marke Shell an ihm vorbeifährt. „Das hat schon 40 Jahre auf dem Buckel“, sagt Schedo. Dass es immer noch einwandfrei funktioniert, dafür sorgt ein technisch begabter Grafinger Rentner, der die Räder in Schuss hält.

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