Täter vor dem Amtsgericht

Autobumser kassieren ab

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Landkreis - Sie fingierten Unfälle, kassierten dafür Geld und verschafften einer Autowerkstatt aus dem Landkreis München so lukrative Reparaturaufträge. Am Amtsgericht Ebersberg wurde gegen dreiste „Autobumser“ aus dem Kreis Ebersberg verhandelt.

Eine Verurteilung wegen Betruges, die Einstellung eines Verfahrens wegen Betruges gegen eine hohe Geldauflage, ein glatter Freispruch, ein Zeuge, der demnächst selbst vor Gericht stehen könnte und ein Gutachter, der nicht relevant zu Wort kam: Das sind die Zutaten einer Verhandlung, die in Form von zahlreichen Rechtsgesprächen von Richterin Vera Hörauf zum Großteil ohne die Öffentlichkeit geführt werden musste. Unter den Zeugen war der Besitzer der Werkstatt, der freimütig einräumte, dass die Leute zu ihm gekommen waren, weil sie Geld brauchten. Der Kfz-Meister räumte einen Teil der Taten bereits in vorangegangenen Verhandlungen ein. An einem geschrotteten Ferrari wollte er freilich nicht beteiligt gewesen sein.

Unter anderem hatte eine 39-jährige Putzfrau 400 Euro erhalten, weil sie bei dem fingierten Reparaturendeal mitmachte. Ihr Teil des Verfahrens war schnell erledigt, weil sich ihr Einspruch auf die Höhe des Strafbefehls beschränkte. Die Angeklagte wurde zu einer Geldauflage von 1350 Euro verurteilt und konnte erleichtert den Gerichtssaal als Erste verlassen.

Schwieriger gestaltete sich der Fall eines 46-Jährigen, der mit seinem Fünfer BMW angeblich „beim Driften“ auf dem Betriebsgelände der Autoreparaturwerkstätte im Landkreis München einen zufällig dort abgestellten Ferrari an die Wand schob. „Ich bin von der Bremse auf das Gaspedal abgerutscht“, lautete der Klassiker unter den Unfallbegründungen. Dass das Schadbild nicht zum bei der Versicherung geltend gemachten Unfallhergang passte, konnte der eigens einbestellte Gutachter vor Gericht nicht näher ausführen. Denn Hans-Jörg Weber, der Anwalt des Angeklagten, wies darauf hin, dass das Gutachten im Auftrag der geschädigten Versicherungsgruppe erfolgt sei, weshalb er den Sachverständigen leider ablehnen müsse. „Das hat nichts mit ihrer Person zu tun“, sagte der Verteidiger in ausgesucht freundlichem Ton. Unter dem Strich wurde das Verfahren gegen den 46-jährigen Beklagten gegen eine Geldauflage in Höhe von 6000 Euro eingestellt, was dieser ebenfalls mit Erleichterung quittierte.

Einen glatten Freispruch erhielt eine 56-Jährige Hausfrau, deren Mann wohl mutmaßlich ebenfalls in den Autobumser-Deal verwickelt war. Da er aber als Zeuge geladen war und sich selbst dabei nicht belasten musste, konnte er die Aussage verweigern. Damit abgeschlossen dürfte der Fall jedoch nicht sein. „Er hat ihr in den Ohren gelegen, dass sie das unterschreibt“, sagte die Verteidigerin der Frau und meinte damit die Schadensmeldung an die Versicherung.

Bei den „Unfällen“ ging es jeweils um erhebliche Reparaturbeträge, die sich auf eine Höhe von 16 000 bis über 40 000 Euro beliefen. Der Besitzer der Autowerkstatt rechnete dabei offensichtlich „großzügig“ ab. Das legt jedenfalls die Tatsache nahe, dass in einem Fall seine Geldforderung für eine fällige Reparatur bei 55 000 Euro lag, die Versicherung aber nur etwas über 40 000 Euro beglich. Zumindest einmal fand eine Absprache unter den Beteiligten in einer Vaterstettener Autowerkstatt statt. Der Zeuge, der vor Gericht zu dem Fall seiner inzwischen von ihm getrennt lebenden Ehefrau aussagen sollte, wurde vom Besitzer der Autowerkstatt schwer belastet, obwohl der Kfz-Meister meinte: „Ich will hier keinen reinreiten.“ Für den fingierten Unfall will er dem Zeugen, der wohl bald selbst mit einer Anklage rechnen muss, 1500 Euro in bar in die Hand gedrückt haben.

Alle Angeklagten leben augenscheinlich nicht in üppigen finanziellen Verhältnissen, was bei der Bemessung der Strafenhöhe durch Richterin Hörauf berücksichtigt wurde.

Rubriklistenbild: © dpa

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