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Nicht nur Abfall landet im Landkreis in der Biotonne. Es werden gute Lebensmittel weggeworfen.

Mit Apps und Facebook-Gruppen

Nichts für die Tonne: Aktivisten gegen Essensverschwendung im Landkreis

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Im Landkreis werden jeden Tag Unmengen Lebensmittel weggeworfen – das muss nicht sein. Mit Facebook-Gruppen, Apps und der Tafel retten Landkreisbewohner Essen. 

Landkreis – 82 Kilogramm. So viel schmeißen im Schnitt Deutsche pro Person und Jahr an genießbaren Lebensmitteln in die Biotonne. Sagt zumindest der Vorsitzende der Tafel in Deutschland, Jochen Brühl. Auch in Supermärkten und Restaurants landen viele gute Lebensmittel im Müll. Aktivisten aus dem Landkreis kämpfen gegen die Lebensmittelverschwendung. Ob Tafel, Apps und soziale Medien oder der Griff in Abfallcontainer der Supermärkte und Discounter – Lebensmittelrettung ist im Trend.

„Lebensmittelverschwendung beginnt bei der Ernte“

Die Lebensmittelverschwendung beginne bei der Ernte, sagt Olaf Rautenberg, Vorsitzender beim Bund Naturschutz Ebersberg. Tomaten, Kartoffeln, Gelbe Rüben oder Obst, das Flecken hat oder nicht der Größennorm entspricht, lande in der Abfalltonne. „Da ist der erste große Schwund“, sagt Rautenberg. In Supermärkten und beim Verbraucher gehe die Verschwendung weiter.

0,8 Prozent der Waren würden aussortiert

„Es ist ein Irrglaube, dass Supermärkte viel Lebensmittel wegschmeißen“, hält Arthur Sattler dagegen. Er ist Inhaber der Rewe-Märkte in Ebersberg und Kirchseeon. Sattler müsse die Lebensmittel für die Supermärkte selbst bezahlen, das Wegwerfen sei deshalb schon rein kaufmännisch schlecht. Deshalb werde sein Warenbestand scharf kalkuliert, nur 0,8 Prozent seiner Waren würden aussortiert. Was noch genießbar ist, gehe an die Tafeln.

300 bis 500 Kilo Nahrungsmittel Woche für Woche

Hans Rombeck arbeitet für die Tafel in Grafing. Semmeln, Zucchini, Joghurt – Rombeck nimmt, was ihm die Lebensmittelhändler geben. Und das ist viel. Sehr viel. 300 bis 500 Kilo Nahrungsmittel holen er und seine Kollegen Woche für Woche ab. Nur von Grafinger Supermärkten und Discountern. Immer dienstags ist Abholung, dann ordnen die Ehrenamtlichen von der Tafel etwa ein Viertel an ungenießbaren Lebensmitteln aus. Mittwochs ist schließlich Ausgabe. Beim Abholen der Lebensmittel gibt’s gewisse Regelmäßigkeiten: „Wenn’s heiß ist, kaufen die Leute weniger.“ Dann bleibe mehr für die Hilfsorganisation. Oder nach Ostern, sagt Rombeck und freut sich über die Schokoosterhasen, die er bald abholen könne.

Die Lebensmittelhändler machen vieles, damit keine großen Mengen an Nahrungsmitteln im Müll landen. Rabatte auf Waren etwa, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben oder engere Warenbestandskalkulationen. Einige Tafeln im Landkreis bekommen deshalb immer weniger Lebensmittel von Supermärkten und Discountern. Einerseits gut, weil das heißt, dass Händler weniger Essen wegschmeißen. Auf der anderen Seite bleibt auch weniger für die Hilfsorganisationen übrig. Fluch und Segen.

1336 Tonnen beseitigte allein der Abfallentsorger Berndt aus Oberding

Trotzdem landet im Landkreis viel im Müll: 1336 Tonnen beseitigte allein der Abfallentsorger Berndt aus Oberding (Kreis Erding) für Supermärkte und Restaurants im vergangenen Jahr. 986 Tonnen fallen dabei auf Speisereste, „vornehmlich aus der Gastronomie“, teilt das Abfallunternehmen mit. Die Firma Berndt ist einer von mehreren Müllentsorgern im Kreis.

Landkreisbewohner selbst verursachen Massen an Biomüll: 10 112 Tonnen Kompostabfälle landeten 2018 in den Biotonnen der Landkreisbürger, so das Landratsamt. Mit dabei sind auch 100 Tonnen Störstoffe plus Gartenabfälle und Taschentücher. Wie viel Lebensmittel private Haushalte hierzulande tatsächlich wegschmeißen, ist also schwer zu sagen.

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Facebook-Gruppe und App

Nicht nur die Tafeln kümmern sich um Verwertbares. Es gibt auch andere Möglichkeiten: Mit der Facebook-Gruppe „Foodsharing LKR Ebersberg“ etwa. 232 Mitglieder zählt die Gruppe. Das Motto: Lebensmittel teilen statt wegwerfen. Mitglieder bieten hier an, was sie nicht mehr brauchen. Gemahlene Mandeln, Schokolade und Zwetschgen finden so neue Besitzer. Mit der App „Too good to go“, zu deutsch „zu gut, zum weggeben“, können Restaurants, Bäcker und Hotels ihre überschüssige Ware zu einem vergünstigten Preis an Selbstabholer abgeben. Auf der Karte in der App findet sich nur ein Treffer im Landkreis: „Die S Bar“ in Vaterstetten. Dort gibt’s freitags übrig gebliebene Bowls, das sind Salate meist mit Gemüse und Obst.

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21-Jähriger „containert“ Lebensmittel

Einen anderen Weg geht ein 21-Jähriger aus dem nord-westlichen Landkreis. Er „containert“, nimmt weggeworfene Lebensmittel aus Abfallcontainern von Edeka und Aldi. Weil das illegal ist, soll sein Name nicht in der Zeitung stehen. Den jungen Mann stört, dass so viel Lebensmittel weggeworfen werden. „Gemüse, Obst, Joghurt – alles noch gut.“ Eine große Container-Szene gebe es im Kreis allerdings nicht.

Welcher Weg zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung der Beste ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Nur das zu kaufen, was man wirklich essen kann, wäre ein guter Anfang.

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