Nicht mehr von Pontius zu Pilatus

Bessere Beratung: Landkreis Ebersberg will Pflegestützpunkt einrichten

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Eine neue kostenlose und unabhängige Beratung zum Thema Pflege soll es künftig im Landkreis Ebersberg geben. Sie hat der zuständige Ausschuss des Kreistags auf den Weg gebracht.

Landkreis – Landrat Robert Niedergesäß (CSU) betonte, wenn Menschen plötzlich in die Situation kämen, jemanden zu pflegen, bräuchten sie eine Anlaufstelle, wo sie neutral beraten werden. „Sie brauchen einen Lotsen.“ Die meisten Fehler würden zu Beginn der Pflege gemacht, so der Landrat. Der Landkreis wolle die Einrichtung eines Pflegestützpunktes „forcieren und fördern“.

Hintergrund: Nach gesetzlichen Vorgaben können Landkreise und kreisfreie Städte Pflegestützpunkte einrichten. Eine Debatte zum Thema gibt es schon länger. Das bayerische Gesundheitsministerium beabsichtigt nun, das Initiativrecht bis 2019 umzusetzen und erarbeitet derzeit ein Konzept landesrechtlicher Vorschriften. CSU und FDP haben jetzt im Landkreis einen Antrag gestellt, schon bevor diese Vorschriften vorliegen, mit der Erarbeitung eines Modells zu beginnen und damit die Zeit bis zu dieser Entscheidung zu nutzen.

Die SPD hatte jedoch Befürchtungen. Der Antrag von CSU und FDP lasse vermuten, dass bestehende Beratungsangebote im Landkreis keine Zukunft hätten und ein Pflegestützpunkt favorisiert werde, heißt es bei den Genossen. Es sei wichtig, dass Vorhandenes ausgebaut werde, um flächendeckend vor Ort mit kurzen Wegen Beratung anbieten zu können.

Es gehe nicht darum, etwas Neues zu schaffen und alles andere abzuschaffen, so die Reaktion von Landrat Niedergesäß. Und CSU-Kreisrätin Marina Matjanovski betonte, bestehende Beratungsstellen sollen „nicht über den Tisch gezogen werden“.

Das Projekt werde „uns aber am Ende des Tages etwas kosten“, räume der Landrat ein. Es gehe um Personal und um Räume. Es gehe aber auch darum, die Bürger in einer schwierigen Situation nicht alleine zu lassen. Sie sollten nicht „von Pontius zu Pilatus“ rennen müssen. „Ich halte das für immens wichtig, dass wir das machen.“ CSU-Kreisrat Rolf Jorga ergänzte, man solle jetzt anfangen. „Die Sache schmort schon seit Jahren.“

Auch Wilfried Seidelmann (Freie Wähler) sprach sich für das Projekt einer zentralen Anlaufstelle aus. Er erfahre oft in der Praxis, „dass die Informationen divergieren“, erklärte der Mediziner.

Reinhard Oellerer (Grüne) wollte noch wissen, wie viele Stellen denn zusätzlich für den Service eingerichtet werden sollen. „Das seien noch ungelegte Eier“, so der Landrat.

Der Antrag fand schließlich in einer veränderten Form eine deutliche Mehrheit. Die Verwaltung wurde beauftragt, nach Vorliegen der landesrechtlichen Vorschriften in Zusammenarbeit mit der „Gesundheitsregion plus“, dem Träger der Fachstellen für pflegende Angehörige, dem Bezirk Oberbayern sowie allen im System aktiven Akteuren ein Modell für die Errichtung eines Pflegestützpunkts im Landkreis Ebersberg zu erarbeiten. Hierzu sollen auch die Erfahrungen der bereits bestehenden Pflegestützpunkte in Bayern einbezogen werden.

Das erarbeitete Modell soll dann dem Ausschuss zur weiteren Beratung vorgelegt werden.

Rubriklistenbild: © dpa / Friso Gentsch

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