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Borkenkäfer

Weil sich mancher nicht um seinen angegriffenen Bestand kümmert

Borkenkäfer sorgt für Stunk im Wald 

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Im Wald ist es wie im richtigen Leben: Man hat gute Nachbarn und auch schlechte. Die schlechten Nachbarn können in diesem Fall den guten sogar einen erheblichen Schaden zufügen. Es geht um die effektive Bekämpfung des Borkenkäfers, der heuer aufgrund der trockenen Witterung im Landkreis Ebersberg ideale Vermehrungsbedingungen vorfindet.

Landkreis– Es gibt viele Waldbesitzer, die mit erhöhter Aufmerksamkeit auf diese aktuelle Käferbedrohung reagieren, aber es gibt auch welche „denen ist es wurscht“, bedauert Michael Kammermeier, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (WBV). Die WBV hat reagiert und ihre Mitglieder jetzt dazu aufgefordert, solche Fälle zu melden. Und damit nicht der Eindruck entsteht, man würde einem Denunziantentum Vorschub leisten, fügt der WBV-Geschäftsführer hinzu: „Das ist Nachbarschaftshilfe. Viele sind froh, wenn sie aufmerksam gemacht werden, dass in ihren Flächen der Käfer drin ist.“

Wenn sich jemand nicht um seinen Wald kümmert, „stellt sich zu 80 bis 90 Prozent heraus, dass die Eigentümer nicht ortsansässig sind“, berichtet Kirsten Joas, Leiterin des Forstreviers Niederseeon. „Es gibt aber Fälle, da zieht sich der Zwist schon über Jahre hinweg. Das hängt mit Wald und Käfer jedoch nur peripher zusammen.“ Sie kenne sogar Streitigkeiten, die sich „über die Jahrhunderte hinweg“ erstrecken würden. Da sei der Wald aber eher ein Nebenkriegsschauplatz in der Auseinandersetzung zweier Familien.

Es geht auch anders: „Viele sind regelrecht dankbar, wenn sie einen Hinweis darauf bekommen, dass bei ihnen der Käfer drin ist“, bestätigen Kammermeier und Joas übereinstimmend. Sie habe 1000 Hektar Wald zu betreuen, da könne sie überhaupt nicht überall sein, so die Revierleiterin. Wer anonym einen Hinweis gibt, beißt damit bei Joas aber auf Granit. „Das mache ich seit vielen Jahren schon so, wenn jemand am Telefon seinen Namen nicht sagt, und das funktioniert gut“, berichtet sie. Insgesamt gebe es sehr wenige Waldbesitzer, die „sehenden Auges“ den Nachbarn durch ihre Nachlässigkeit einen Schaden zufügen würden. Wenn Joas aber Hinweisen nachgeht, „erleichtert das meine Arbeit.“ Auch könnten Hinweise vertraulich behandelt werden, wenn man den Hinweisgeber namentlich kennt.

Oft sind die betroffenen Waldbesitzer aufgrund von Krankheit oder Alter nicht mehr in der Lage, sich richtig um ihre Flächen zu kümmern. In diesem Fall helfe die Waldbesitzervereinigung, so Kammermeier. „Es ist nicht so schwer, die Käferbäume raus zu bekommen.“

Wer allerdings standhaft nachlässig ist, bekommt Post vom Amt für Landwirtschaft und Forsten. „Die haben eine Flurkarte, in der die Eigentümer hinterlegt sind“, informiert der WBV-Geschäftsführer. Wenn auf ein erstes Schreiben keine Reaktion erfolgt, gebe es ein zweites Mahnschreiben mit Fristsetzung und Androhung der Ersatzvornahme. „In den Nachbarlandkreisen ist das schon öfter durchgesetzt worden“, weiß Kammermeier. Ein Problem gibt es allerdings dabei: Bis es so weit kommt, vergehen weitere wertvolle Wochen, in denen der Käfer sein Werk weiter vollenden kann. „Dann wird der Schaden beim Nachbarn viel höher“, warnt der WBV-Geschäftsführer.

„Da heißt es dranbleiben und nicht verzweifeln oder aufgeben. Auch weiterhin gilt: Schnelles erkennen, aufarbeiten und abfahren vor allem zu Anfang der Massenvermehrung kann später im Jahr den ganz schlimmen Befall eindämmen“, fordert die Waldbesitzervereinigung ihre Mitglieder auf, wachsam zu bleiben. Und dabei sollten sie auch einen wachen Blick auf die unmittelbare Nachbarschaft haben.

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