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Blühendes Nelkenleimkraut an der Wasserburger Straße in Grafing.

Kommunen legen Wildblumenflächen an

Bunte Vielfalt statt Einheitsrasen im Landkreis Ebersberg

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Landkreis - Was blüht denn da am Fahrbahnrand? In Grafing entlang der Wasserburger Straße zum Beispiel ist es Nelkenleimkraut. Schön anzusehen – schöner jedenfalls als Einheitsrasen.

In immer mehr Gemeinden des Landkreises Ebersberg werden solche wilden Blühflächen angelegt. In Vaterstetten zieren diese Pflanzen heuer erstmals die Verkehrsinseln im Gewerbegebiet in Parsdorf. Allerdings sind offensichtlich nicht alle davon restlos begeistert. Denn die Gärtner einiger Gewerbebetriebe hielten die Pflanzen offensichtlich für Unkraut und haben sie einfach abgemäht. Deswegen gab es vereinzelt sogar Proteste von Bürgern, die sich per E-Mail an die Gemeinde gewandt haben. Dabei traf die Verwaltung gar keine Schuld.

Eine der ersten Kommunen, die solche Flächen auf magerem Boden angelegt haben, ist die Stadt Ebersberg. „Wir haben 2012 damit begonnen“, bestätigt Erik Ipsen, Geschäftsleiter der Stadt. „Das ist am Anfang etwas mehr Aufwand, danach aber nicht mehr“, informiert er. Auch würde die Pflege der neuen Areale weniger Kosten verursachen. Das regelmäßige Rasenmähen durch Bauhofmitarbeiter entfällt. Die Anregung zur Anlage einer straßenbegleitenden Naturfläche kam von Käthe Moder vom Agenda Arbeitskreis Natur.

Ebersberg holte sich damals für das neue Projekt den Naturgartenplaner Reinhard Witt ins Boot. „Zuerst muss der Boden etwa 20 Zentimeter tief ausgekoffert werden“, schildert er die vorbereitenden Arbeiten. Der Rasen wurde entfernt. Anschließend wurde Kies eingebracht. Zum Schluss kam die Blumenmischung in den Boden. „Das ist aber keine, die man im Baumarkt in Tüten kaufen kann“, sagt Witt. Die Wildblumenmixtur stamme von speziellen Züchtern, die die Samen der einheimischen Wildpflanzen selbst produzieren würden. „Nur einmal im Jahr wird das gemäht“, sagt Ipsen – und zwar im Herbst.

In Grafing waren an der Pflanzaktion „viele Bürger beteiligt“, freut sich Rathauschefin Angelika Obermayr (Grüne). Denn im ersten Jahr muss als Starthilfe für die neue Bepflanzung Unkraut gezupft werden – unter der Anleitung des Naturplaners Witt. Inzwischen betreut er solche Blühflächen auch in anderen Kommunen des Landkreises Ebersberg, unter anderem in Pöring, Aßling und Kirchseeon.

Die Wildblumen sind nicht nur schön anzuschauen. Witt berichtet, dass damit sogar seltene Tierarten in die Stadt zurückgekehrt sind, die dort schon verschwunden waren. „Ich sehe in Ebersberg plötzlich wieder viele Distelfinken. Die kommen, weil sie hier Samen finden.“ Denn die Wildpflanzen würden im Herbst absamen und von diesen Körner ernähren sich die Distelfinken. „Auch Bläuling und Schwalbenschwanz wurden wieder gesehen“, freut sich Witt über die Rückkehr von Schmetterlingsarten. Honigbienen und vor allem auch Wildbienen würden auf diesen Magerböden viel Nahrung finden. „Mehr sogar als in der ausgeräumten Landschaft“, weiß Witt.

Wichtig ist, dass der Boden entsprechend vorbereitet wird – sonst ist das Projekt zum Scheitern verurteilt. Obermayr berichtet von einem missglückten Versuch in Straußdorf. „Das ist nichts geworden“, erinnert sie sich.

In der Wasserburger Straße hat es umso besser geklappt. Der dortige Streifen zwischen Fahrbahn und Gehsteig steht derzeit in voller Blüte und leuchtet kräftig lila. Auch am Marktplatz in Grafing wurde die Verkehrsinsel vor der Raiffeisenbank naturnah gestaltet. Die Wildblumen ersetzen dort die Stiefmütterchen, die bisher vom Bauhof alljährlich mit großem Aufwand eingesetzt wurden.

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