Mitten in Ebersberg: Wohnhaus steht in Flammen - Großeinsatz läuft

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Schon ein Joint genügt: Je früher der Einstieg in den Drogenkonsum ist, desto größer ist die Gefahr.

Ex-Kiffer aus dem Landkreis berichtet

„Bei uns gibt‘s Gras wie in Amsterdam“

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Cannabis. Der Stoff ist beliebt. Und er wird immer stärker. Immer wieder beschlagnahmen Polizisten kräftiges, oft hochgezüchtetes Marihuana und Haschisch im Landkreis Ebersberg. Die Polizei warnt: Der Stoff von heute hat mit dem Gras von früher nichts mehr zu tun. Er ist viel gefährlicher.

Landkreis – Timur und seine Freunde waren an einem nahe gelegenen See. Er hatte nur ein paar Mal am Joint gezogen. Plötzlich hörte er alles dumpf, er konnte nicht mehr, war total weggetreten. Es war anders als sonst, wenn er gekifft hatte. Das war vor zwei Jahren.

Timur sitzt an einem heißen Tag in einem Zimmer der Caritas in Grafing. Suchtberatung. Er heißt anders, möchte aber seinen Namen nicht öffentlich machen. Er muss hier sitzen, weil er seinen Führerschein zurückhaben will. Im vergangenen Jahr fand die Polizei bei einer Verkehrskontrolle Rückstände von Cannabis in seinem Blut. Seit anderthalb Jahren raucht er schon nichts mehr.

Fünf Jahre lang jeden Tag gekifft

Timur, 20, schwarze Haare, Pickel im Gesicht, rauchte mit 13 zum ersten Mal Marihuana. Fünf Jahre lang kiffte er jeden Tag, fünf Gramm pro Woche, vor und nach der Hauptschule. Das Gras, das er an jenem Abend rauchte, war anders. Stärker. „Es hatte mindestens 25 Prozent THC“, glaubt Timur, der sich zum Mechatroniker ausbilden lässt.

THC. Tetrahydrocannabinol. Die Substanz kommt in Hanfpflanzen vor und ist für den Rausch verantwortlich. Je mehr davon in Marihuana und Haschisch enthalten ist, desto stärker ist der Stoff. „Durchschnittlich ist in Cannabis etwas mehr als zehn Prozent THC enthalten“, sagt Josef Vogl, Rauschgiftermittler der Kripo Erding. Es gebe aber auch häufig Marihuana und Haschisch mit über 20 Prozent THC-Anteil.

Beschlagnahmter Stoff kommt ins Labor

Der Beamte ist für die Landkreise Freising, Erding und Ebersberg zuständig. Beschlagnahmen die Kriminalpolizisten Hanfpflanzen oder Cannabisprodukte von Dealern und Konsumenten, schicken sie es ans Labor. Enthält die sichergestellte Gesamtmenge mehr als 7,5 Gramm THC, ist der konfiszierte Stoff keine geringe Menge mehr. Dem Besitzer drohen dann mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe.

Fast 1300 Rauschgiftstraftaten 2018

1258 Rauschgiftstraftaten gab es 2018 in den drei Landkreisen. Bei über 65 Prozent handelte es sich um Cannabisprodukte. Wie im Fall eines 20-jährigen Landkreisbewohners: Am 23. Februar 2018 stürmten Ebersberger Polizisten seine Wohnung. Dabei fanden die Beamten 330 Gramm Marihuana. Wie sich in der Gerichtsverhandlung später herausstellte, war der Stoff sehr stark: 17,9 Prozent THC-Gehalt.

Indoor-Plantagen

Das hochgezüchtete Cannabis kommt aus professionellen Indoor-Plantagen, sagt Vogl. Samen, Licht, Wasserzufuhr – die Produzenten können das Pflanzenwachstum genau kontrollieren. Der Stoff von heute hat mit dem Gras von früher nichts mehr zu tun.

Vor 15 Jahren wurde der Stoff stärker

Das belegen die Zahlen von Michael Uhl. Er ist Sachgebietsleiter für Chemie im bayerischen Landeskriminalamt (LKA). „Vor 30 Jahren hatte Cannabis im Schnitt ein Prozent THC“, sagt er. Vor 15 Jahren sei der Stoff stärker geworden. Da habe man angefangen, Blütenstände und Blätter zu trennen. Dass das Cannabis aber immer stärker wird, stimmt nicht, sagt Uhl. Es stagniere seit Jahren bei elf bis zwölf Prozent. Zwei Drittel aller Proben hätten elf bis 18 Prozent THC-Anteil. Ausreißer nach oben gebe es aber immer häufiger.

Hochpotentes Cannabis nicht zu erkennen

Konsumenten erkennen dieses hochpotente Cannabis beim Kauf nicht, sagt Margit Schwarz vom Caritas Zentrum in Grafing. Vor allem Jugendliche hätten Probleme Marihuana und Haschisch einzuschätzen. Andere Kiffer würden gezielt starkes Gras rauchen, weil sie sich an das Cannabis gewöhnt haben.

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So war es auch bei Timur. Starkes Cannabis im Landkreis zu bekommen, war für ihn kein Problem. „Bei uns gibt’s Gras wie in Amsterdam“, sagt der 20-Jährige. Den starken Stoff zu erkennen, war schwierig. Gutes Marihuana würde im Licht schimmern. Wegen der Harztropfen. Manche Dealer besprühen aber die Blüten mit Haarspray oder mischen Glaspulver unter, sagt Timur. “

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Sorge haben die drei Experten von Kripo, LKA und Caritas auch wegen anderer Stoffe: synthetische Cannabinoide. Es sind in Labors hergestellte Pulver, die THC nachempfunden sind, sagt Josef Vogl von der Erdinger Kripo. „Sie sind 50 bis 100 Mal stärker als pflanzliches Cannabis.“

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