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Das Bundesfinanzministerium plädiert dafür, Vereinen die Gemeinnützigkeit abzuerkennen, wenn sie keine Frauen aufnehmen. Davon wären auch Vereine im Landkreis Ebersberg betroffen.

Vorstoß des Bundesfinanzministeriums ärgert die Ehrenamtlichen im Landkreis Ebersberg

Viele Vereine in Sorge um ihre Gemeinnützigkeit

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Dieser Vorstoß des Vizebundeskanzlers und Bundesfinanzministers Olaf Scholz (SPD) löst im Kreis Ebersberg Kopfschütteln aus. Viele Vereine banken um die Gemeinnützigkeit.

Landkreis – Scholz will Vereinen, die keine Frauen aufnehmen, die Gemeinnützigkeit aberkennen. Was ist dann mit Vereinen, die den Frauen vorbehalten sind, wie etwa den Dirndlvereinen?

Betroffen ist auch der Männerverein Tuntenhausen

Prominenter Vertreter einer gendergetrennten Vereinigung ist der Männerverein Tuntenhausen. Der hat auch im Landkreis Ebersberg viele Mitglieder, in Glonn gibt es sogar einen eigenen Unterortsverein. In der Satzung heißt es: „Mitglied des Vereins kann jeder katholische Mann werden, der sich zu den Zielen des Vereins bekennt und nach den Grundsätzen der christlichen Weltanschauung lebt.“ Von Frauen steht da nichts. Die Mitgliedschaft ist nicht teuer, derzeit beträgt sie drei Euro im Jahr. Und nachdem sich in Tuntenhausen regelmäßig auch Politprominenz einstellt wie etwa der der ehemalige bayerische Wissenschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident Hans Zehetmayer (CSU, darf man gespannt sein auf deren Reaktionen.

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„Man bekommt permanent Knüppel zwischen die Beine geworfen“

„Man braucht sich in Deutschland nicht wundern, wenn keine Sau mehr Lust hat, sich zu engagieren“, sagt Gabor Fischer, der Vorsitzende des Männergesangsvereins Kirchseeon. Für ihn kommen die Nachrichten aus dem Finanzministerium zur Unzeit. „Neun Monate lang habe ich gebraucht, um alle Unterlagen zusammenzubringen.“ Sein Verein sollte ab 1. Januar die Gemeinnützigkeit erhalten. „Laut Satzung pflegen wir den Männergesang“, sagt Fischer und weist darauf hin, dass „es uns schon seit 100 Jahren gibt“. Damit sei man einer der ältesten Vereine dieser Art im Landkreis. „Wenn man permanent Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt, ist das kein Wunder, dass es immer weniger Ehrenamtliche gibt.“ Es sei ohnehin schwer genug, jemand für die Arbeit in einem Gesangsverein zu finden, „bei dem Überangebot an Hobbys im Landkreis“.

Auch Burschenvereine müssten Satzung ändern

Auch bei vielen Burschenvereinen wird die Satzung geändert werden müssen, sollte aus dem Vorhaben des Finanzministeriums endgültig Realität werden und die Vereine nicht ihre Gemeinnützigkeit verlieren wollen. Dann könnten die betroffenen Vereinigungen nämlich keine Spendenquittungen mehr ausstellen, was sie mit Sicherheit finanziell treffen würde. In vielen Satzungen befindet sich ein solcher oder ähnlicher Passus: „Als aktives Mitglied kann jeder Bursche, der einen unbescholtenen Ruf besitzt, aufgenommen werden.“ Bei den „Wuid’n Bix’n“ etwa, dem Plieninger Dirndlverein, der 2001 gegründet wurde, ist es genau anders herum: „Mitglied kann jede „Bix“ ab 16 Jahren werden, die im Umkreis von Pliening wohnt und ledig ist“, wird auf deren Internetseite informiert.

Witwen bezahlen die Mitgliedsbeiträger ihrer verstorbenen Männer weiter

„Das kann uns auch treffen“, meint Gertraud Sichler, die Dekanatsvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands. Zwar dürfen da auch Männer Mitglied werden, aber nur passiv, teilt die Geschäftsstelle in München mit. Ähnlich ist es übrigens beim Kirchseeoner Männergesangsverein. „Wir sind froh, wenn ein Mitglied stirbt, dass dann seine Witwe die Mitgliedschaft weiter bezahlt“, so Fischer.

Seinen Anfang nahm die aktuelle Entwicklung schon im Jahr 2017. Damals war der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags zu dem Schluss gekommen, dass eine Freimaurerloge, die nur Männer aufnehme, nicht gemeinnützig sein könne. Der Bundesfinanzhof hatte das in einem Urteil bestätigt.

Dass das aber Konsequenzen haben könnte für andere Vereine, das war damals schon klar. Jetzt ist es offensichtlich so weit.

Ebenfalls interessant: Bei der Organisation stehen die Ehrenamtlichen häufig jetzt schon einer Vielzahl gesetzlich verordneter bürokratischer Anforderungen gegenüber, die für eine rechtssichere Durchführung der Veranstaltung leider erfüllt werden müssen.

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