+
Ende Februar hatte Iris Drokan (rechts) ihren Laden „Klein, aber oho“ eröffnet, kurze Zeit später musste sie wegen Corona wieder schließen. Jetzt näht sie zusammen mit Moni Poller Schutzmasken.

15 Frauen nähen

Corona-Krise: Masken nähen statt Dirndlgwand

  • schließen

Hilferuf aus München: Das Klinikum Dritter Orden benötigt dringend Atemschutzmasken. 15 Frauen aus dem Ebersberger Landkreis helfen kurzerhand.

Landkreis – „Die haben mich echt zum Weinen gebracht“, sagt Iris Drokan aus Neustockach (Gemeinde Hohenlinden) gerührt. Die spontane Hilfsbereitschaft auf ihren Aufruf, dringend benötigte Atemschutzmasken zu nähen, hat sie tatsächlich aus der Fassung gebracht. Dabei ist die 37-Jährige gerade selbst in einer schwierigen Situation. Am 28. Februar hatte sie ihr Stoffgeschäft eröffnet – und musste es aufgrund der Ausgangsbeschränkungen auch gleich wieder schließen. Jetzt werden eben Masken produziert für den Dritten Orden in München.

Drokan erzählt, wie es dazu kam: „Ich habe in der Nacht eine Nachricht gelesen, dass der Dritte Orden in München dringend Atemschutzmasken braucht, weil sie keine mehr haben.“ Das sei ein Hilferuf gewesen. „Ich konnte danach nicht mehr schlafen“, erzählt die 37-Jährige. „Am nächsten Tag habe ich dort angerufen. Die Pflegedienstleitung hat sofort zurückgerufen“, berichtet die Hohenlindenerin.

Atemschutzmasken mussten her

Der Hilfsplan war geboren. Atemschutzmasken mussten her. Drokan stellte einen Aufruf ins soziale Netzwerk: „Viele Kliniken brauchen händeringend Mundschutz. Wir haben beschlossen zu nähen, bis die Nadeln glühen und wollen die genähten Masken an das Kinderklinikum Dritter Orden München spenden“, schreibt die 37-Jährige.

In Holzen bei Aßling las Manuela Grasberger (51) diesen Aufruf. Sie betreibt ihr „Nähkastl“ seit 1998, schneidert eigentlich Dirndl, macht Änderungen und gibt auch erfolgreich Dirndlnähkurse. „Fünf fertige Dirndl hängen momentan bei mir, aber ich lasse derzeit niemand rein“, bittet sie um Verständnis. „Die Leute müssen halt warten.“

+++

Ebersberg-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Ebersberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus dem Landkreis Ebersberg - inklusive aller Entwicklungen rund um die Kommunalwahlen auf Gemeinde- und Kreisebene. Melden Sie sich hier an.

+++

15 Frauen meldeten sich auf den Aufruf von Manuela Grasberger aus Aßling, gemeinsam Masken zu nähen.

15 Frauen meldeten sich zum Mitmachen

Nicht warten wollte Grasberger allerdings, als sie von der Aktion aus Neustockach erfuhr. Auf ihren eigenen, spontanen Aufruf hin melden sich 15 Frauen, die ebenfalls mithelfen wollen. „Die kommen aus dem Landkreis Rosenheim, aus dem Landkreis Ebersberg und dem Landkreis Mühldorf“, berichtet die Aßlingerin. Auch Tochter Annalena (20) hilft mit.

Momentan habe sie zwar noch genügend Arbeit, sagt Grasberger. Sie müsse noch fünf Trachten für den Trachtenverein nähen. Aber jetzt sei die Hilfsaktion wichtig. „Wenn was ansteht, hilft man gerne“, sagt sie. Auch Draht hat sie vorrätig. Der müsse in die Masken hineingearbeitet werden, damit die Nase des Trägers ausgeformt werden könne.

In Neustockach wird Drokans ganze Familie mit eingespannt, alle helfen gerne und freiwillig. Auch Moni Poller (38) hilft mit. Dabei ist die Situation der frisch gebackenen Geschäftsfrau Iris Drokan selbst im Moment alles andere als einfach. „Meine ganzen finanziellen Mittel stecken da drin“, sagt sie zu ihrem Geschäft. Aber die Idee, anderen zu helfen, überwog alles. „Ich habe mir gedacht, wir hätten eigentlich das Material und könnten Masken nähen, die nicht kaputtgehen.“ Sie können nach dem Tragen nämlich heiß gewaschen und wieder verwendet werden. „Wir warten derzeit jeden Moment auf eine Moltonlieferung aus der Klinik“, berichtet die 37-Jährige. Der spezielle Stoff werde in die Atemschutzmasken mit eingearbeitet, als Einlage.

So funktioniert‘s

So funktioniert es genau: Im Geschäft von Drokan werden die Stoffe passend zugeschnitten und in Säcke verpackt. Drokans Nachbar, Heinrich Konstant, hat sich ehrenamtlich als Fahrer zur Verfügung gestellt. Er fährt die Ware aus, zu den Adressen, die ihm gegeben werden. Dort klingelt er, stellt den Sack vor die Türe und lässt die „Rohstoffe“ da. „Es gibt keinen Kontakt“, berichtet Drokan.

Wenn Manu Grasberger und ihre Helferinnen die Sachen zusammengenäht haben, holt Konstant die fertige Ware wieder ab. „Eine Nachbarin von uns aus Hohenlinden“, so berichtet die Neustockacherin, „arbeitet im Dritten Orden und nimmt die Masken dann mit nach München.“ Damit ist der Zweck der Aktion erfüllt.

Die Gruppe um Manuela Grasberger kennt sich aus Drindlschneiderkursen, die die Aßlingerin seit fünf Jahren anbietet. Alle können gut nähen – aber Atemschutzmasken anfertigen? Auch daran wurde gedacht. „Jede bekommt ein Youtube-Video als Anleitung“, sagt die 51-Jährige im Gespräch mit der Ebersberger Zeitung. „Man hat so viele Stoffe zu Hause, die man nicht mehr hernimmt“, berichtet sie. Da könne man ebenso gute Masken daraus nähen. Sie selbst mache es auch so, berichtet sie über ihren eigenen Fundus.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Zweites Ettal“? - Missbrauchsverdacht im katholischen Piusheim
Prostitution im katholischen Jugendheim? Ein Gerichtsprozess hat heftige Vorwürfe gegen ein früheres Erziehungsheim  in Piusheim (Baiern) ans Tageslicht gebracht. 
„Zweites Ettal“? - Missbrauchsverdacht im katholischen Piusheim
Kitas in Corona-Zeiten: Notbetreuung und Aufräumen
In Kindertagesstätten wird derzeit auf Anweisung der Staatsregierung nur Notbetrieb gefahren. Hinter den Kulissen aber arbeitet das pädagogische Personal aber weiter.
Kitas in Corona-Zeiten: Notbetreuung und Aufräumen
Zum Ratsch und Bier getroffen: 150 Euro Bußgeld
In einer Unterführung haben sich fünf Erwachsene zum Ratschen und Biertrinken getroffen. Ein Passant hat dies der Polizei gemeldet. Die Folge: 150 Euro für jeden der …
Zum Ratsch und Bier getroffen: 150 Euro Bußgeld
Niklas aus Bruck
Sonja und Stefan Baumgärtner aus Pienzenau in der Gemeinde Bruck freuen sich über ihr viertes Kind. Niklas kam am 5. Februar in der Kreisklinik Ebersberg auf die Welt. …
Niklas aus Bruck

Kommentare