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Ertränken: Nur so lässt sich die Brandgefahr bei verunfallten Elektroautos bannen. 

Feuerwehren fehlt Erfahrung

E-Autos: Nach Unfall ins Abklingbecken

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Wenn E-Autos brennen, wird‘s prekär.  Das Löschen dauert länger als bei Benzinern oder Dieseln. Die Feuerwehren im Landkreis haben noch keine Erfahrung mit brennenden Elektrofahrzeugen.

Landkreis – Es gibt derzeit keinen triftigen Grund anzunehmen, dass Elektroautos öfter brennen als etwa Benziner oder Dieselfahrzeugmodelle. Wenn sie aber tatsächlich in Flammen aufgehen, sorgt das für Aufsehen – oft sogar international. Das Löschen dauert länger und erfordert unter Umständen ungleich viel Mehraufwand. Für den Ebersberger Kreisbrandrat Andreas Heiß stehen ein paar ungeklärte Fragen im Raum.

Warnung vor voreiligen Schlüssen

Als die Bilder eines sich selbst abfackelnden Elektroautos der Marke Tesla im Netz kursierten, ging die Aktie des Unternehmens spontan um vier Prozent ins Minus. Wenn hingegen ein Benziner in Rauch aufgeht, wird schnell zur Tagesordnung übergegangen. Auch Heiß warnt vor voreiligen Schlüssen.

„Ich weiß nicht, woher die Zahl kommt, dass man zum Löschen eines brennenden Elektrofahrzeugs 11 000 Liter Wasser braucht.“ Eigene Erfahrung hat der Kreisbrandrat in dieser Hinsicht aber nicht, wie er selbst einräumt. Zwar habe es im Landkreis schon einen Unfall mit Beteiligung eines Elektroautos gegeben, der Wagen habe aber kein Feuer gefangen.

Dürftige Datenlage

Das Beispiel macht deutlich, dass die Datenlage bisher dürftig ist und wohl auch noch länger so spärlich bleiben wird. Denn, wie Albert Reiter, Leiter der Zulassungsstelle im Landratsamt, auf Anfrage der Ebersberger Zeitung mitteilt, nehmen im Landkreis mit Stichtag 22. Oktober gerade einmal 439 Fahrzeuge mit reinem Elektrobetrieb am Straßenverkehr teil. Bei den Elektro-Hybriden sind es ein bisschen mehr, nämlich 1072. Wie wenige das aber eigentlich sind, illustriert ein Blick auf eine andere Zahl. Insgesamt sind nämlich im Landkreis über 100 000 Fahrzeuge zugelassen.

Die Feuerwehren haben sich mit der Elektrifizierung des Individualverkehrs und den daraus resultierenden neuen Herausforderungen für die Einsatzkräfte bereits zweimal im Rahmen von Kommandantentagungen auseinandergesetzt, berichtet der Kreisbrandrat. Unter anderem sei dabei ein Referent des Autoherstellers BMW zu Wort gekommen.

Es ging auch darum, wo bei einem E-Fahrzeug zur Bergung von eingeklemmten Insassen das Schneidwerkzeug angesetzt werden kann und wo nicht, weil sonst stromführende Kabel betroffen wären – Stichwort Kurzschluss. „Wenn Lithium-Batterien brennen, pfeifen die wie China-Böller“, weiß Heiß. Sie brennen explosionsartig ab.

Abklingbecken

Im Nachbarlandkreis Erding hat die Feuerwehr darum gebeten, Mittel für den Kauf eines Abrollbehälters bereitzustellen. In dieses mit Wasser gefüllte „Abklingbecken“ könnte ein brennendes Elektrofahrzeug getaucht werden, um es sicher abzulöschen.

Die Skepsis des Ebersberger Kreisbrandrates ist aber bei der Frage der sicheren Aufbewahrung des Wracks deutlich herauszuhören: „Es stellt sich die Frage, ob das überhaupt Aufgabe der Feuerwehr ist“ oder vielmehr diejenige eines Unternehmens, das sich vertraglich zum Abtransport des Havaristen verpflichtet hat „und Geld dafür bekommt“. Bei einem Unfall mit Verbrennungsmotoren würde nach einem abgelöschten Brand höchstens noch Ölbinder zum Einsatz kommen „und dann ist es gut“. Alles andere sei Sache der Abschleppfirma. 

Brand auch noch Tage nach Unfall möglich

In jedem Fall müsse die Feuerwehr aber davor warnen, verunfallte Elektrofahrzeuge in Hallen abzustellen, weil auch Tage nach einem Zusammenstoß noch ein spontaner Fahrzeugbrand auftreten kann. Und vor dem Hintergrund ungeklärter Kompetenzen und Verantwortlichkeiten warnt Heiß davor, „dass sich das so entwickelt, wie bei den Photovoltaikanlagen“, denen nachgesagt wurde, sie würden in speziellen Fällen Löscharbeiten unmöglich machen. „Das wird hochgepusht.“

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Dass Elektrofahrzeuge nach einem Unfall zur Sicherheit in ein Tauchbad gestellt werden, hält der Kreisbrandrat für unpraktikabel. „Was machst du da, wenn du einen Elektrobus hast?“, fragt er.

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