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Verkehrserziehung auf dem Übungsplatz in Grafing in Vor-Corona-Zeiten-

Polizist: Eltern sind „gefordert“

Fahrradunterricht durch die Polizei fällt im Landkreis Ebersberg teils aus: Kinder bleiben auf der Strecke

  • Michael Seeholzer
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Schulklassen fallen beim Verkehrsunterricht wegen der Coronakrise hinten runter. Der Unterricht ist wichtig: Kinder sind danach weniger in Unfälle verwickelt. 

Landkreis – Was ist höher zu bewerten: Kinder vor gefährlichen Situationen im für sie noch ungewohnten Straßenverkehr zu bewahren, oder sie lieber keinem Infektionsrisiko auszusetzen? Das Kultusministerium hat sich in Abstimmung mit dem bayerischen Innenminister für Letzteres entschieden. Und das hat weitreichende Auswirkungen auf die Verkehrserziehung. Teilweise fallen die Fahrradprüfungen für den aktuellen Jahrgang ganz aus oder konnten nur rudimentär durchgeführt werden

Der Verkehrsunterricht durch die Polizei, da sind sich alle Fachleute einig, hat in der Vergangenheit schon so manches Kinderleben gerettet. Die Kreisverkehrswacht Ebersberg wies wiederholt darauf hin, dass durch eine fundierte Ausbildung der Kinder die Unfallrate spürbar gesenkt werden konnte. Das ist auch die Meinung des Polizeipräsidiums München. 

Kinder nach Unterricht weniger in schwere Unfälle verwickelt

Kinder seien nach diesem Unterricht signifikant weniger in schwere Unfälle verwickelt. Davon wird der aktuelle Schülerjahrgang leider nicht in gewohntem Maß profitieren, wie Verkehrserzieher und Hauptkommissar Theodor Hartl von der Polizeiinspektion Poing bestätigt. Gar keinen Fahrradunterricht erhalten heuer demnach sechs Klassen aus Markt Schwaben, drei aus Pliening, und je zwei Klassen aus Anzing und Forstinning. Auch in Vaterstetten und Zorneding mussten Abstriche gemacht werden.

„Die Kinder freuen sich auf den Verkehrsunterricht, weil das für sie eine Abwechslung vom Schulalltag ist“, so Hartl. Wer bei bestandener Prüfung alles richtig und besonders gut gemacht hat, bekommt einen Ehrenwimpel. „Das hat einen hohen Stellenwert bei den Kindern“, weiß Hartl aus seiner Praxis. 

Nicht wenige Schüler im Landkreis Ebersberg können sich auch nach Jahrzehnten noch an den Namen des Polizisten erinnern, der ihnen diese Auszeichnung überreichte. Erwünschter Nebeneffekt der Sicherheitsbemühungen: Die Kinder machen gute Erfahrungen mit der Polizei. 

Auch das fällt heuer teilweise aus, weil nur der Herbstblock uneingeschränkt durchgeführt werden konnte, wie Hartl bestätigt.

Kinder lernen: Wenn du den Lastwagenfahrer siehst, kann er dich auch sehen

Die Polizei versuche, so gut es eben gehe, einen Ausgleich zu schaffen. Unter Einhaltung der Hygieneregeln werde zumindest der Unterricht zum Thema „Toter Winkel“ aufrechterhalten. „Das geht. Dazu legen wir eine Folie auf den Boden“. Die Kinder lernen: Wenn du den Lastwagenfahrer siehst, kann er dich auch sehen. „Die Schüler dürfen aber nicht ins Fahrzeug“, nennt Hartl eine weitere Einschränkung, die der Corona-Pandemie geschuldet ist. „Das fällt alles weg. Der Aufwand wäre viel zu groß.“

Hartl sieht in so einer Situation die „Eltern gefordert“. Die Verkehrswacht biete online Informationen für die Erziehungsberechtigten an, die den Fahrradunterricht nach dieser Anleitung selbst durchführen könnten. „Aber das ersetzt natürlich nicht den Praxisteil.“ Auch der ADFC nimmt die Eltern in dieser Situation in die Pflicht, dem eigenen Nachwuchs verkehrsgerechtes Verhalten beizubringen. Viele lassen ihre Kinder zudem nicht ohne fundierte Fahrradausbildung samt Prüfung selbst zur Schule fahren.

Normal: Etwa 750 Schüler durchlaufen jährlich die Fahrradausbildung

Im Bereich der Polizeiinspektion Poing durchlaufen normalerweise etwa 750 Schüler jährlich die Fahrradausbildung, und auch in Ebersberg sind es knapp 800, berichtet Verkehrserzieher Martin Schedo. Bis zu 400 Kinder, so schätzt er, werden dabei heuer leer ausgehen, der neue Grafinger Übungsplatz bleibt verwaist.

Auch Schedo will nach den Pfingstferien den Kindern in der Schule zumindest das Thema „Toter Winkel“ nahebringen – unter Einhaltung aller Vorschriften. Auch einen kleinen Videofilm will er dazu zeigen. „Ich werde jede Klasse zweimal besuchen, weil der Unterricht geteilt wurde“, verspricht er.

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