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„Es gibt Zonen, wo Feuerwerk definitiv nichts zu suchen hat“, sagt Andreas Büttner, der am Samstag ein Silvestervorschießen in Ebersberg veranstaltet. 

„Es wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen“

Feuerwerk-Diskussionen: Jetzt spricht ein Pyrotechniker

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Die Diskussionen um Feuerwerke reißen im Zusammenhang mit der Klimawandel-Debatte nicht ab. Hier die Sicht eines Pyrotechnikers.

Landkreis – Die einen können sich kindlich an dem schönen Farbenspiel erfreuen, die anderen regt der Krach tierisch auf, besonders auch dann, wenn er Haustiere verängstigt. Zum Feuerwerk hat jeder eine eigene Meinung. Natürlich hat auch der Pyrotechniker Andreas Büttner aus Grafing seine eigene. Er sagt: „Es geht nur miteinander, nicht gegeneinander.“

Dass Büttner (50) am Samstag, 14. Dezember, ab 18 Uhr (Einlass ab 17 Uhr) wieder sein Silvestervorschießen veranstaltet, und die Stadt Ebersberg dafür den Volksfestplatz zur Verfügung stellt, stieß auf heftige Kritik bei den Grünen. Feinstaublawine, Panikattacken bei Haustieren und Verletzungsgefahr waren dabei Argumente. Büttner kann das nicht nachvollziehen und zwar aus mehreren Gründen. „Man schießt mit Kanonen auf Spatzen“, sagt er. „Wir reden hier von 30 Minuten bis einer Stunde – gerechnet auf das ganze Jahr.“

Büttner nennt das Beispiel eines großen Feuerwerks im Großraum von München, bei dem eine Feinstaubmessung gemacht worden sei. „Da habe ich selbst mitgeholfen.“ Nach einem Spitzenwert, gemessen zwischen Mitternacht und 1 Uhr seien die Werte schnell wieder abgesunken. „Zwischen 3 und 4 Uhr war nichts mehr messbar.“ 7000 Zuschauer seien damals gezählt worden.

Ohne Plastik und Metallhülsen

Büttner verwendet Feuerwerk ohne Plastik und Metallhülsen. „Was da runterkommt ist nur Papier“ – und eventuell der Holzleitstab. Eine Umfrage des Grafinger Pyrotechnikers unter den Gemeinden hat ergeben, dass es vor allem der in der Silvesternacht von Privatfeuerwerkern hinterlassene Müll ist, der den Bauhöfen viel Arbeit macht. Büttner appelliert an die Bürger, die Reste der Jahreswechselfeiern wieder wegzuräumen und spricht sich auch für Verbotszonen aus, „wo Feuerwerk definitiv nichts zu suchen hat“ – schon aus Sicherheitsgründen. Bei seinen eigenen Veranstaltungen sei der Sicherheitsabstand immer größer als gesetzlich vorgeschrieben. „Wenn da jemand verletzt würde, würde sich das sehr schnell herumsprechen.“

Viele Anfragen von Gemeinden

Eine Reihe von Gemeinden haben bei dem Grafinger schon nachgefragt, ob die Möglichkeit eines zentralen Feuerwerks bestünde. Büttner sieht das skeptisch. „Die Kommune würde das Feuerwerk mit Steuergeld der Bürger bezahlen, auch mit dem Geld derjenigen, die strikt gegen eine solche Veranstaltung sind.“ Außerdem würde dann wohl trotzdem privat Böller abgebrannt. Der Pyrotechniker verweist darauf, dass es sogar ein lautloses Feuerwerk gebe, „eine Flammenschau zur Musik“.

Das Silvestervorschießen, so argumentiert Büttner weiter, diene auch der Sicherheit. Im Supermarkt würden die Kunden oft die Katze im Sack kaufen. „Das wird dann oft zu laut oder zu breit“, warnt er. Deshalb sei eine fachliche Beratung so wichtig. Dass dafür nur drei gesetzlich vorgeschriebene Verkaufstage zur Verfügung stehen, bedauert er. „Ein größeres Zeitfenster wäre sicherer.“ Zudem müsste ein Zentrales Feuerwerk ohnehin im Außenbereich abgebrannt werden. „Am Marktplatz geht das nicht.“

Grüne attackierten Brilmayer

Ebersbergs Bürgermeister Walter Brilmayer wurde kritisiert dafür, dass die Stadt Ebersberg den Volksfestplatz für Büttners Veranstaltung freigegeben hat. Die Kritik, so Büttner, treffe nicht ganz den Richtigen. Denn bei der Genehmigung seines Vorschießens rede die Regierung von Oberbayern, die untere Naturschutzbehörde und das Landratsamt ein entscheidendes Wort mit. 

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Und dem Argument der verängstigten Tiere hält der Grafinger Pyrotechniker eigene Erfahrungen entgegen. Einmal habe in der Nähe eines Gestüts ein Feuerwerk stattgefunden. „Die Pferde hatten dort einen Millionenwert.“ Zur Zeit, als das Feuerwerk abgebrannt wurde, war Licht im Stall und Musik an. Auch ein Stallbursche war da. „Passiert ist nichts.“ 

„Die meisten Leute haben Verständnis“

Büttner ist bemüht, Beschwerden im persönlichen Gespräch auszuräumen. Polizei und Feuerwehr hätten dazu seine Telefonnummer, die sie gerne weitergeben könnten an Bürger, die ihren Ärger loswerden wollen. „Die allermeisten Leute haben aber Verständnis.“ Der Reinerlös des Getränke- und Speisenverkaufs in der Volksfesthalle am Samstag, 14. Dezember, wird der Feuerwehr Oberndorf gespendet.

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