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Ein E-Auto auf der Ebersberger Alm: Nur 260 Elektromobile sind im Landkreis zugelassen. 

Streitthema Auto

E-Mobilität: Energiewende im Landkreis Ebersberg gescheitert?

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Was eine Million Elektroautos mit Vorurteilen von Ebersbergern und Einfamilienhäusern zu tun hat.

Landkreis – Der ganze Fuhrpark des Landratsamts fährt mit Strom: Alle acht Fahrzeuge sind E-Autos oder zumindest Hybride. „Reine Verbrennungsmotoren gibt’s bei uns nicht mehr“, sagt Norbert Neugebauer, Büroleiter des Landrats.

Eine Million Elektroautos

Vorbildlich. Zumindest, wenn es nach der Bundesregierung geht. Eine Million Elektroautos wollte sie bis 2020 auf Deutschlands Straßen haben. Dieses Ziel werde Deutschland „nun nicht 2020 schaffen, aber 2022“, erklärte Kanzlerin Angela Merkel vergangenes Jahr. Wie sieht’s bei uns im Landkreis Ebersberg aus? Wie viele E-Pkw gibt es in der Region? Höchste Zeit für einen Zwischenstand.

260 E-Autos im Landkreis

Gerade mal 260 E-Autos sind bei der Zulassungsstelle in Ebersberg gemeldet, sagt das Landratsamt. Das sind 0,31 Prozent der 83 399 im Landkreis zugelassenen Pkw. Hybride gibt es 716. E-Mobilität? Kommt nicht vom Fleck.

In Deutschland gibt es 294 Landkreise. Für das Ziel der Bundesregierung von einer Million Elektroautos in Deutschland, müssten rein rechnerisch 3400 E-Mobile in jedem Landkreis zugelassen sein. Bis 2022.

Nun ist nicht jeder Landkreis gleich. Die Anzahl der Landkreisbewohner und das Einkommen variieren erheblich. Ebersberg ist überdurchschnittlich: Bevölkerungsreich und wohlhabend. Woran liegt es, dass es so wenig Elektroautos bei uns gibt?

„Es liegt an Ladezeiten“

„Ganz klar an den Ladezeiten“, sagt ein Verkaufsleiter bei VW aus dem Landkreis. Sein Name soll nicht in der Zeitung stehen, das Autohaus, für das er arbeitet, will sich neutral geben. „Erst wenn sich Elektroautos in zehn Minuten vollladen lassen, ist es für die Leute interessant.“ Seine Kunden verwickelt der Autoverkäufer immer in diese Geschichte: „Stellen Sie sich vor, Sie kommen abends nach Hause, mit 20 Kilometer Restreichweite. Sie stecken Ihr E-Auto an die Ladestation an, über Nacht soll es auftanken. Ihre Tochter ruft an, sie will vom Bahnhof abgeholt werden, weil der Zug ausgefallen ist. Sie aber können nicht weg. Ihr Auto ist zu wenig geladen“.

Klingt pathetisch. Im Kern aber ein berechtigter Einwand. Gäbe es mehr Ladestellen, sagt der Autoverkäufer, zum Beispiel auf Firmengelände, könnten die Autos während der Arbeit geladen werden. Sie wären immer aufgeladen. Das öffentliche und halb-öffentliche Lade-netz müsse noch besser ausgebaut werden, sagt er.

Ladeinfrastruktur ist schlecht erschlossen

Stimmt genau, sagt Felix Wiesenberg von der Energieagentur Ebersberg-München. Die Ladeinfrastruktur sei schlecht erschlossen. Es gebe aber auch viel Unklarheit über sie. Viele Landkreisbewohner hätten einfach noch Vorurteile gegenüber Elektroautos. Deshalb würden so wenige Menschen ein E-Auto kaufen.

Die Energieagentur ist eine Kompetenzstelle der Landkreise Ebersberg und München. Sie berät Bürger, Unternehmen und Kommunen bei allen Energiefragen.

66 öffentliche Zapfsäulen

Wie viele öffentliche Ladestationen es gibt, sei schwer zu sagen, sagt Wiesenberg. Eine Recherche auf „goingelectric.de“ ergibt 66 öffentliche Zapfsäulen für Strom im ganzen Landkreis, viele davon in Grafing und Ebersberg. Eine zentrale Karte, auf der alle Ladestationen verzeichnet sind, gibt es nicht, sagt Felix Wiesenberg. Das zeige auch, wie schlecht die Infrastruktur organisiert sei.

Fahrzeugpreise seien bei den meisten Interessenten kein Thema mehr, sagt Wiesenberg. Einen Kleinwagen gebe es schon für 20 000 Euro – minus Umweltbonus von 4000 Euro. Bei manchen Herstellern kämen noch erhebliche Abwrackprämien dazu. „Interessant ist der e.Go, er kostet ohne Umweltbonus16 000 Euro.“ Der elektrische Kleinwagen eines Aachener Start-Ups soll in diesem Jahr ausgeliefert werden, und 200 Kilometer Reichweite haben.

„300 Kilometer sind schon drin“

Apropos Reichweite: Die Autos kommen mit einer Ladung immer weiter, so Wiesenberg. „300 Kilometer sind schon drin.“

Schlecht seien die unterschiedlichen Ladebetriebssysteme, eine „Kinderkrankheit“ der E-Mobilität, sagt Wiesenberg. Es gibt Zapfsäulen, bei denen nur mit Chips gezahlt werden kann, bei anderen nur durchs Scannen eines QR-Codes. Nur wenige Ladestellen akzeptieren Girokarten.

90 Prozent der E-Autobesitzer laden ihre Fahrzeuge aber ohnehin zuhause, sagt Wiesenberg. Mit einer Ladestation, Wallbox genannt. Meist mit einem ganz normalen „Schuko“-Stecker. Eine Wallbox gebe es ohne Schnellladetechnik für unter 1000 Euro.

„Die Diskussion ist total verzerrt“

Willi Frisch denkt nicht, dass es an der Ladeinfrastruktur oder den Kosten liegt. Das Problem sitze in den Köpfen der Menschen, sagt er. „Die Diskussion um E-Autos ist total verzerrt.“

Frisch ist Sprecher der „Energiewende Vaterstetten“, ein Arbeitskreis mit dem Ziel einer unabhängigen Energieversorgung.

Die Betriebskosten eines E-Mobils seien deutlich geringer als die eines Verbrenners, sagt Frisch. Schließlich brauchen E-Autos kaum Inspektionen und kein Öl. Wie viel Geld für den Strom draufgeht, sei schwer zu sagen. „Weniger als für Benzin oder Diesel auf jeden Fall.“

Das Argument der fehlenden Ladeinfrastruktur zählt für ihn nicht, die meisten Landkreisbewohner würden nur in der Umgebung unterwegs sein. Für diese Distanzen reiche die Ladestation zuhause.

Nicht jeder besitzt eine eigene Garage, in der das Auto geladen werden kann. Es gibt auch viele Laternenparker. Der Großteil der Landkreisbewohner aber wohnt in Einfamilienhäuser. 2016 waren 73 Prozent aller Wohngebäude Einparteienhäuser. Auf vielen Grundstücken stehen Garagen oder Carports.

Nur für landkreisfremde E-Autofahrer, sei die hiesige, öffentliche Ladeinfrastruktur ein Problem, sagt Willi Frisch.

Lesen Sie auch: Neue Regeln treffen Ladesäulen für E-Autos!

3400 E-Autos. Gibt es genügend Strom?

3400 E-Autos, bis 2022. Könnte das Stromnetz so viele Autos überhaupt mit Strom beliefern? Ja, sagt Maximilian Zängl, Sprecher von Bayernwerk, einem Netzbetreiber aus Regensburg. Bayernwerk ist für Stromanschlüsse von Verbrauchern und die Instandhaltung des Stromnetzes im Ebersberger Landkreis zuständig. „Das Stromnetz hat genügend Kapazitäten, um auch mit einem starken Anstieg der E-Mobilität zurecht zu kommen“, sagt Zängl.

Ob das E-Auto der Königsweg zur nachhaltigen Mobilität ist, bleibt strittig. Bei einem Punkt sind sich die meisten aber einig: Es muss Ersatz für Erdöl her.

Oder E-Auto einfach selbst bauen! Ein Vaterstettener erklärt‘s!

Sinn macht es nur, wenn Strom grün ist

Sinn machen Elektroautos nur, wenn der Strom dafür grün ist. Im Idealfall stammt er aus der eigenen Photovoltaikanlage auf dem Dach, sagt Felix Wiesenberg von der Energieagentur. Oder mit regenerativer Energie aus Windkraft und Solaranlagen aus dem Landkreis.

Wichtig für die Öko-Bilanz sind auch die Akkus. Die meisten Hersteller würden acht Jahre Garantie geben, so Wiesenberg. Lässt die Speicherkapazität der Akkus irgendwann zu stark nach, werden sie weiterhin als Speicher genutzt, und dann recycelt. Sagt Wiesenberg.

Das Landratsamt hat die Energiewende in seinem Fuhrpark fast geschafft. Der Strom für die Fahrzeuge ist 100 Prozent Öko, sagt die Behörde. Bis das im ganzen Landkreis und im Rest von Deutschland so ist, ist es noch ein weiter Weg.

Auch spannend: Wenn Sie dieses Blinken an einem Taxi sehen, sollten Sie die Polizei rufen! 

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