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Ein Stück Urwald nahe Hubertus im Ebersberger Forst. Dieser wird unter dem Klimawandel erheblich leiden.

Düstere Prognosen wegen des Klimawandels

Klimaexperte: Der Ebersberger Forst wird brennen

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Dramatische Auswirkungen des Klimawandels für Land-, Forst- und Wasserwirtschaft im Landkreis Ebersberg sieht der Grafinger Meteorologe Björn Walz.

Ebersberg– „Irgendwann wird auch der Ebersberger Forst brennen – dann können wir ja noch einmal über die Windräder reden.“ Das sagt Björn Walz auf der Ebersberger Alm. Immer wieder lässt der Grafinger Meteorologe und Geograph an diesem Abend Sarkasmus durchblicken. Er ist auf Einladung des Ebersberger CSU-Ortsverbands und des Arbeitskreises Umwelt (AKU) des CSU-Kreisverbands gekommen, um über die „verdrängte Herausforderung“ Klimawandel zu sprechen. Der Saal ist voll.

„Es tut mir leid, ich verbreite schlechte Stimmung“: Björn Walz bei seinem Vortrag in Ebersberg

Für die CSU-Anhänger unter den Gästen ist es ein eher ungemütlicher Abend, denn Walz hält ihnen den Spiegel vor. Er selbst sei viele Jahre Mitglied der Partei gewesen, dann aber gegangen, weil die Gefahren, die mit dem Klimawandel einhergehen, lange Zeit nicht gesehen worden seien. Und: Der Klima-Kompromiss, den die Bundesregierung nun durchgewunken habe, sei „ein Witz“, weil die Maßnahmen nicht weit genug gingen, um das Schlimmste zu verhindern.

Das Schlimmste – das benennt der Experte für Naturgefahren und Klimaentwicklung bei der Münchner Rück ganz konkret auch für den Landkreis Ebersberg.

100 Sommertage im Jahr

„Wenn wir nicht endlich handeln“, werde die Jahresdurchschnittstemperatur bis zum Jahr 2100 von 7,5 auf 11,5 Grad steigen. Dann gebe es 100 Sommertage im Jahr mit Temperaturen von über 25 Grad (2018: 86), und 25 heiße Tage mit Temperaturen von über 30 Grad (2018: 25). Die Zahl der so genannten „Eistage“ mit Temperaturen von unter null Grad würde sich auf unter zehn verringern (2017/18: 26; 1985: 47), die Zahl der Schneetage (mindestens 10 cm) auf unter fünf (2017/18: 18; 1985: 66). 

Dramatische Auswirkungen auf Landwirtschaft

Das, so Walz, werde dramatische Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben, weil sich die Vegetationsperiode weiter verlängere. Feldfrüchte müssten angepasst werden, Winterweizen oder Kartoffeln bekämen Probleme – an trockenen Standorten (Schotterebene) müsste bewässert werden. Landwirte müssten mit Einbußen durch die Trockenheit rechnen, gleichzeitig würden Starkregen- und Hagelereignisse zunehmen. Walz: „Die gute Nachricht: Weinbau wird dann auch im Landkreis Ebersberg möglich sein.

Große Waldbrandgefahr

Auch für die Forstwirtschaft prognostiziert der Experte, der seit 20 Jahren eine wöchentliche Wetterkolumne für die EZ schreibt, enorme negative Veränderungen. Mit der Klimaerwärmung steige die Waldbrandgefahr dramatisch an. Es sei zu überlegen, Schneisen in den Ebersberger Forst zu schlagen, um Flächenbrände zu vermeiden. Insgesamt nehme der Hitzestress für die Bäume zu. „Der Flachwurzler Fichte wird sterben. Wir müssen uns einen anderen Brotbaum suchen.“ Der Waldumbau, so Walz, müsse jetzt angepackt werden.

Kopfschütteln über Vaterstettener Entscheidung

Immer wieder blinkt sein Unverständnis für das zögerliche Handeln der Politik, auch der Kommunalpolitik auf. Die jüngste Entscheidung in Vaterstetten, wo ein SPD-Antrag zur Errichtung von Windrädern entlang der Autobahn von der Gemeinderatsmehrheit abgelehnt wurde, quittiert er mit einem Kopfschütteln. „Wenn wir als reichster Landkreis mit den Veränderungen nicht anfangen, wer dann?“, fragt er in die Runde.

Walz hat sein persönliches Leben längst umgestellt, um weniger Kohlendioxid zu produzieren. Er ruft die Menschen im Saal dazu auf, seinem Beispiel zu folgen – und das weitgehend „ohne Komfortverzicht“. Für einen einzigen Flug nach Thailand könne eine vierköpfige Familie 166 mal mit dem Auto an den Gardasee fahren. Er appellierte an die Politik auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Er, Walz, würde zum Beispiel die Parkplätze in den Innenstädten so sehr verkleinern, dass SUVs hier nicht mehr parken könnten. Zudem gelte es, sich endlich von der unsäglichen 10H-Regel zu verabschieden, die, einst von Ministerpräsident Seehofer eingeführt, Windräder verhindere.

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