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Leidender Baum in der Sieghartsstraße in Ebersberg: Der Klima-Stress hat einen großen Anteil an der Misere.

Klimawandel, Trockenstress, Grabungen: Den Stadtbäumen geht es schlecht

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Nicht alle sind so prominent wie die Linde im Aßlinger Pfarrgarten. Die Bevölkerung hängt aber trotzdem an ihnen. Kaum einer hat jedoch gemerkt, dass es den Stadtbäumen immer schlechter geht. Sie leiden – vor allem unter Trockenstress.

Landkreis – Bäume im Ort? Das findet die Bürger gut. Wer sich mit der Öffentlichkeit anlegen will, der braucht nur ansatzweise ins Gespräch zu bringen, dass die grünen Einzelgänger verschwinden sollen.

Bürgerprotest kommt schnell

Beispiel: Als es um die Umgestaltung des Ebersberger Marktplatzes ging, war auch die mögliche Beseitigung der Bäume an der Mariensäule ein Thema, samt Umzug des Denkmals auf den Schlossplatz. Bisher kaum mehr als ein Gedankenspiel, das aber sofort die Bürger auf den Plan rief, die sich schon im Vorfeld mit missbilligenden Leserbriefen zu Wort meldeten nach dem Motto: Finger weg von den Bäumen am Marienplatz! Günter Fries zum Beispiel warnte bei einer Bürgerversammlung vor einem leeren und schattenlosen Marktplatz, dabei waren es nur Entwürfe, die damals vorgestellt worden waren.

Emotionales Thema

Wann immer in einem Ort ein Baum zusammengeschnitten werden soll, wird es kompliziert. Das war auch bei der Sommerlinde in Tegernau nicht anders. Dort wurde sogar im Rahmen eines Ortstermines um deren Fortbestand gerungen, aber diesmal anders herum: Die untere Naturschutzbehörde hielt den Baum für unbedingt erhaltungswürdig, die Anlieger verwiesen auf herabfallende Äste und eine nahe Bushaltestelle. Bäume in Siedlungen emotionalisieren – so oder so.

Anfälliger für Schädlinge

Dass es den Linden, Ahornen und Co. schlecht geht, ist nicht allein ein Phänomen der Städte. Das könne man inzwischen sogar in den kleinen Landgemeinden beobachten, bestätigt Norbert Probul von der Kreisbehörde. „Der klimatische Stress hat dabei einen großen Anteil“, berichtet der Fachmann und verweist auf die deswegen steigende Anfälligkeit für Schädlinge und Pilze, die „eine große Rolle“ spiele. Vor allem auch die hohe Abstrahlungswärme mache den Bäumen zu schaffen.

Ein großer Laubbaum kann am Tag bis zu 400 Liter Wasser verdunsten, eine 100-jährige Buche bindet jährlich eine Tonne Staub, ist in der Fachliteratur nachzulesen. Bäume leisten also auch in der Stadt einen wesentlichen Beitrag zu einem angenehmen Mikroklima, nicht nur als begehrte Schattenspender am Marktplatz in Ebersberg. Ihr Problem aber ist, dass mit zunehmender Bau- und Grabungstätigkeit immer wieder in deren Wurzelbereich eingegriffen wird.

Glasfaserarbeiten verletzen Wurzelwerk

Besonders auf dem Land sind die Aktivitäten derzeit wegen der Installation der Glasfaserleitungen intensiv. Da lasse es sich manchmal kaum mehr vermeiden, dass das Wurzelwerk verletzt werde, bedauert Probul. Die Bäume nehmen das nicht sofort krumm, haben in dieser Hinsicht aber ein langes Gedächtnis. „Das kann sich erst im Laufe von zehn Jahren auswirken“, hat Probul festgestellt. „Besonders bei Neuanpflanzungen solle man sich deshalb genau überlegen, wie viel Platz man dem Baum geben sollte“, sagt er. Als Faustregel gilt für Fachleute, dass der Kronentraufbereich frei bleiben sollte. Das ist der Bereich, der der Ausdehnung des Baumes über der Erde entspricht, wenn er wächst. „Baumscheiben aus Beton sind dabei keine Lösung“, informiert Probul. Der Wurzelbereich sei dabei zu starken Temperaturschwankungen ausgesetzt, was ihn schwäche.

Stadtbäume habe es deshalb besonders schwer, weil in Siedlungen die Temperatur tendenziell höher ist. Deshalb verdunsten Ahorne, Linden, Eichen und Kastanien hier mehr Wasser, obwohl ihnen die Zufuhr des Regenwassers oft durch Asphaltfläche auf kleine handtuchgroße Flecken reduziert wird, die kaum Niederschlag aufnehmen. Dass das für manchen Baum ein Teufelskreis ist, lässt sich an den Ahornen in der Eichthalstraße in Ebersberg gut ablesen. Sie haben bereits Mitte August fast keine Blätter mehr. Straßenbäume müssen dabei zusätzlich eine Salzfracht bewältigen, mit der sie im Winter beaufschlagt werden. An den Fahrbahnen werden Bäume deshalb oft nicht alt.

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Damit junge Bäume wenigstens gut anwachsen, bekommen sie in Grafing eine „Starthilfe“ durch den Bauhof. „Neuanpflanzungen werden am Anfang von uns gegossen“, berichtet Leiter Marinus Greithanner. Dafür habe man ein Wasserfass mit zwei Kubikmetern Inhalt. Das sei ausreichend und funktioniere bisher sehr gut, so Greithanner.

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