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Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind, finden in Frauenhäusern Zuflucht. Der Landkreis Ebersberg verfügt bisher nicht über ein eigenes Frauenhaus, soll aber eines bekommen. 

Landkreis Ebersberg bekommt eigenes Frauenhaus

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Nach jahrelangen Debatten und zig Anträgen von SPD und Grünen ist  jetzt die Entscheidung gefallen: Der Landkreis Ebersberg bekommt ein Frauenhaus.

Landkreis – Der Landkreis Ebersberg bekommt wohl ein eigenes Frauenhaus für Opfer von Gewalt, zu denen auch Kinder gehören. Das Signal aus dem Kreisausschuss war deutlich. Landrat Robert Niedergesäß (CSU) sprach von einem „Quantensprung“. Jahrelang war über das Thema gestritten worden. Vorstöße von SPD und Grünen hatten keine Mehrheit gefunden. Diesmal war es anders. Der aktuelle Vorstoß kam von den Grünen.

Bisher mit Erding verbandelt

Bisher hat der Landkreis keine eigene Einrichtung, ist aber im Verbund mit dem Landkreis Erding und beteiligt sich an dem Frauenhaus im Nachbarlandkreis finanziell. Nach den geltenden Richtlinien ist ein Frauenhausplatz pro 10 327 Einwohnerinnen zwischen 18 und 80 Jahren vorzuhalten. Nach dem Einwohnerstand zum Jahresende 2018 wäre der Bedarf für den Landkreis Ebersberg 5,25 Plätze, für den Landkreis Erding 5,06 Plätze. Heißt zusammen rund zehn Plätze. Vorhanden sind für beide Landkreise jedoch nur fünf Plätze. Frauen aus Ebersberg fanden in den vergangenen Jahre jedoch nicht nur Plätze in Erding, sondern beispielsweise auch in München.

Dunkelziffer

„Was wir nicht wissen, ist die Dunkelziffer. Wie viele wurden abgewiesen, obwohl sie einen Platz gebraucht hätten“, sagte Marion Wolinski (Landratsamt, Abteilung Soziales). Im Frauenhaus kommen auch Betroffene von außerhalb unter. Eine Einrichtung in Ebersberg wäre nicht  für Betroffene aus dem Landkreis reserviert.

Grüne kämpfen seit 20 Jahren dafür

„Mir ist das Thema sehr wichtig, mindestens seit 20 Jahren. Wir haben das immer wieder eingebracht, es wurde immer wieder abgelehnt“, sagte Waltraud Gruber (Grüne). Der Zeitpunkt sei jetzt da. Vertreterinnen aus den Fraktionen des Kreistags seien sich einig gewesen, „dass wir das Frauenhaus brauchen“. Gruber verwies auf das bereits verabschiedete „Gesamtkonzept für Hilfe bei häuslicher und sexualisierter Gewalt“. Dabei wurde grundsätzlich sowohl die Erweiterung der Plätze sowie kurz- bis mittelfristig die Schaffung von eigenen Frauenhausplätzen festgehalten. Gruber drängte darauf, dazu auch den derzeit noch laufenden Vertrag mit dem Nachbarlandkreis zu kündigen. „Wir wollen ein Frauenhaus unabhängig von Erding.“

CSU will zweigleisig fahren

Das ging einer Reihe von Kreisräten jedoch zu weit. Thomas Huber (CSU) räumte ein: „Dass wir einen Bedarf haben, ist unbestritten. Wir werden uns nicht mehr davor drücken können, eigene Strukturen zu schaffen.“ Man sollte jedoch „zweigleisig fahren“. Heißt: Bestehendes nicht aufgeben, aber gleichzeitig Neues schaffen. 

Alexander Müller (FDP) gab zu bedenken, es könne auch sein, dass man sowohl ein eigenes Frauenhaus als auch einen Verbund mit Erding brauche. Landrat Niedergesäß betonte, es sei schwierig, eine geeignete Immobilie zu finden. Heißt: Möglicherweise stehe man dann ohne Lösung da. Auch Wollinski wollte sich noch ein „Hintertürchen“ offen halten. Klar ist: Der Vertrag mit Erding läuft noch zwei Jahre und muss eingehalten werden. Eine Kündigung ist sechs Monate vor Ablauf möglich.

Lesen Sie auch: Voll ausgelastetes Frauenhaus: Druck auf Ebersberg wächst

Albert Hingerl (SPD) riet zu einem Kompromiss. Er betonte, der aktuelle Antrag der Grünen habe für „Beschleunigung“ gesorgt. Schließlich schlug Reinhard Oellerer (Grüne) vor, in den Beschluss eine Formulierung aufzunehmen: Bis zum März 2022 sollen im Landkreis eigene Strukturen aufgebaut werden. Der Beschluss fiel einstimmig.

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