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Wenn Kinder zum Arzt müssen, müssen deren Eltern im Landkreis Ebersberg oft weitere Wege in Kauf nehmen.

Persönliches Gespräch mit Bundesgesundheitsminister bleibt folgenlos

Landkreis will weiteren Kinderarzt - und macht sich wenig Hoffnungen

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Im Landkreis Ebersberg gibt es zu wenige Kinderärzte. Das beklagen jedenfalls Betroffene und das sagt auch Landrat Robert Niedergesäß (CSU).

Kirchseeon/Landkreis – Eine Besserung ist bislang nicht in Sicht, und da half auch ein persönliches Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nicht.

Niedergesäß hat den Besuch von Spahn in Vaterstetten zum Jahresanfang noch gut in Erinnerung und auch die „kleine Runde im Anschluss“, wie er sagt. „Wir brauchen dringend einen weiteren Kinderarztsitz im Landkreis Ebersberg“, informierte er den Minister dabei nach eigener Auskunft. Die Hoffnung aber, dass ein persönliches Gespräch mit dem Entscheider einen entscheidenden Einfluss haben könnte, erfüllte sich bisher leider nicht. Inzwischen melden sich auch andere zu diesem Thema zu Wort.

Weite Wege im Krankheitsfall

„Kirchseeon wird nicht ausreichend auf Ebene der allgemeinen Fachärzte versorgt. Dies ist kein optimaler Zustand und führt zu einer angespannten Situation der Versorgung und in der Bevölkerung zu Unmut“, so Jan Paeplow, Vorstandsmitglied des CSU-Ortsverbandes Kirchseeon und Bürgermeisterkandidat für die Wahl in 2020. Die Versorgung von Fachärzten – auch von einem Kinderarzt – „ist faktisch im Ort nicht gegeben.“ Im Krankheitsfall müssten Fahrtwege nach Ebersberg, Rosenheim, München oder in die weitere Umgebung in Kauf genommen werden.

Aussichten sind nicht rosig

„Wir hätten auch gerne einen Kinderarztsitz an der Kreisklinik Ebersberg “, sagt Niedergesäß und beurteilt die Chancen für ein solches Anliegen gleich selbst so: „Wir können das fordern, die Aussichten sind aber nicht rosig.“ Niedergesäß wörtlich: Wenn die politischen Rahmenbedingungen in Berlin keinen zusätzlichen Kinderarztsitz hergeben, kann die Politik vor Ort nichts ausrichten.“

Jan PaeplowCSU-Bürgermeisterkandidat

Kirchseeon sei mittlerweile ein wachsender Ort mit über 10 000 Einwohnern, sagt Paeplow. „Wir müssen versuchen, für eine gesundheitliche Chancengleichheit zu kämpfen.“ Damit würde man auch, so das CSU-Ortsvorstandsmitglied, zu einer Entzerrung der Ballungszentren München und Rosenheim beitragen. Gemeinsam mit dem Kommunalbüro für ärztliche Versorgung sollten die Probleme diskutiert und Lösungsansätzen erarbeitet werden. Paeplow hofft, dass der Gemeinderat dem Antrag zustimmt.

Berufsverband stellt Forderungen

Wer glaubt, dass der Kinderärztemangel in Bayern sich auf das flache Land beschränkt, liegt falsch. Vor genau zwei Jahren sammelten Eltern im Münchner Norden 1000 Unterschriften, weil dort die Versorgung nicht mehr gewährleistet war. Dabei ist die Landeshauptstadt rein statistisch nicht unterversorgt. Die Statistik freilich kennt keine Einteilung in Stadtbezirke. Das ähnelt der Situation im Landkreis Ebersberg, wo ebenfalls weitere Wege zum nächsten Kinderarzt unternommen werden müssen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hat die Bundesregierung vor Jahresfrist dazu aufgefordert, dem drohenden Mangel an Fachmedizinern entgegenzuwirken. „Das ist ein Problem, das wir in unserer Zuständigkeit nicht lösen können“, bedauert Landrat Robert Niedergesäß.

Das Problem ist nicht neu. Vor sechs Jahren bereits wurde die Kinderärztliche Versorgung im Landkreis Ebersberg von unserer Zeitung aufgegriffen. Schon damals wurde deutlich, dass der Mangel keine Ebersberger Erscheinung alleine ist.

In einer Praxis im Norden des Landkreises wurde ein verstärktes Patientenaufkommen aus den Landkreisen München und Erding registriert. Das hatte bereits zu Überlegungen geführt, Kinder, die mehr als zehn Kilometer weit weg wohnen, nicht mehr aufzunehmen.

Lesen Sie dazu auch: Schatten der Familie: Wenn Eltern zuhauen...

Ebenfalls interessant: Ärzte sind in München „sehr ungleich“ verteilt – das will Stadt ändern

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