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Für Jugendliche im Landkreis Ebersberg, die suchtgefährdet sind, wird eine neue Beratungsstelle ins Leben gerufen.

Weil der Bezirk hier nicht aktiv wird

Landkreis schafft neue Anlaufstelle für suchtgefährdete Jugendliche

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Frühzeitig eingreifen und Unterstützung anbieten will der Landkreis, wenn es um Jugendliche geht, die sich auf dem Weg in die Sucht befinden. Dazu wird ein neues Programm aufgelegt. Kosten: 70 000 Euro im Jahr.

Landkreis – Vorgesehen ist eine Stelle mit 30 Wochenstunden. Der Probebetrieb für das Angebot soll im kommenden Jahr starten und zunächst zwei Jahre laufen. Dann soll erneut überprüft werden. Träger ist die Caritas.

Initiative des Kreisjugendamts

Die Initiative ging vom Kreisjugendamt aus, wie Bernhard Wacht von der Behörde im zuständigen Ausschuss erklärte. Es gehe darum, dass es überhaupt nicht zur Sucht kommt. Der Bezirk Oberbayern übernimmt jedoch die Finanzierung der Beratungsangebote für suchtgefährdete und suchtkranke Menschen erst ab dem 18. Lebensjahr. Für Beratungen der unter 18-jährigen jungen Menschen, die mit „Substanzmitteln“ experimentieren oder Gefahr laufen, eine Abhängigkeit zu entwickeln, besteht seitens des Bezirks keinerlei Möglichkeit der finanziellen Förderung von Beratungsleistungen. Also muss der Landkreis einspringen.

Fachambulanz berät

Die Fachambulanz für Suchterkrankungen im Caritaszentrum Ebersberg mit Sitz in Grafing betreute und beriet in der Vergangenheit bereits Jugendliche, die zu riskantem Suchtmittelkonsum neigten oder beispielsweise durch exzessiven Medienkonsum oder Essstörungen auffielen.

Zahl der Fälle steigt stetig

In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Beratungen von Jugendlichen stetig angestiegen, so das Landratsamt. Was die Caritas leisten konnte, deckte in den meisten Fällen nicht den Hilfebedarf der betroffenen Jugendlichen ab. „Wir sind personell nicht dafür ausgestattet“, sagt Gabriele Althammer-Radan, Fachdienstleiterin bei der Caritas. „Wir kommen an unsre Kapazitätsgrenzen.“ Sie betont auch, dass mit Jugendlichen ganz anders umgegangen werden müsse als mit Erwachsenen. Bei jungen Menschen müsse man zunächst eine Vertrauensbasis aufbauen. Und die Jugendlichen müssten lernen, welche Konsequenzen ihr Verhalten haben könnte. Es gehe vor allem um diejenigen, „die an der Schwelle sind“, sagt Althammer-Radan.

Befristung auf zwei Jahre

Um diesen jugendhilferechtlichen Bedarf decken zu können, schlagen die Verwaltung im Landratsamt und die Fachambulanz für Suchterkrankungen im Caritaszentrum in Grafing vor, eine Jugendsuchtberatung zunächst mit einem Stellenumfang von 30 Wochenstunden und befristet für zwei Jahre einzurichten.

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In diesem Zeitraum sollen die Beratungszahlen und eingeleiteten Maßnahmen erhoben werden, um die Wirksamkeit und Effizienz der Jugendsuchtberatung darstellen zu können. „Das ist jetzt der erste Versuch“, erklärte Florian Robida vom Jugendamt.

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Kritische Anmerkungen kamen lediglich von Ernst Weinzierl, Geschäftsführer der „Brücke“ Ebersberg. Er hielt es für „relativ unwahrscheinlich“, dass ein Jugendlicher sich bei der Caritas meldet und und Hilfe fragt. Deshalb sollte man die Betreuung wohl besser an den Jugendzentren anbieten. Die Mehrheit sprach sich jedoch für die Beratungsstelle aus.

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