Die Gärtnerei- oder Gartenstraße findet sich in einer ganzen Reihe von Kommunen im Landkreis Ebersberg.
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Die Gärtnerei- oder Gartenstraße findet sich in einer ganzen Reihe von Kommunen im Landkreis Ebersberg.

Manche gibt es im Landkreis besonders häufig – von anderen will keiner mehr etwas wissen

Straßennamen erzählen ein Stück Ortsgeschichte

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Sie dienen der Orientierung, gehören zu uns wie der Familienstand und ihre Umbenennungen sind höchst selten. Außerdem werden meist keine lebenden Personen berücksichtigt.

Landkreis– Die Straßennamen sind uns so selbstverständlich, dass die Schilder keiner mehr bewusst wahrnimmt, außer der Postbote vielleicht, wenn er ein Päckchen oder einen Brief bei uns abliefert. Dabei sind Straßennamen auch ein Stück Ortsgeschichte. Und manche sind im Landkreis Ebersberg besonders häufig.

Fast überall gibt es eine Hauptstraße

Ist der Ort auch noch so klein, so hat er doch eine Hauptstraße. Frauenneuharting hat so eine, Emmering ebenfalls, aber auch Steinhöring, Grafing oder Poing. Dieser Straßenname rangiert in der Häufigkeit ganz oben, und zwar nicht nur regional, sondern deutschlandweit. Die Hauptstraße ist mit Abstand die geläufigste Straßenbezeichnung in der Bundesrepublik, gefolgt von der Schulstraße oder -gasse, die es in Markt Schwaben, in Anzing, in Poing, in Pliening, in der Kreisstadt und in Aßling ebenfalls gibt.

Die Schlesierstraße erinnert an die Heimatvertreibung nach dem II. Weltkrieg.

Die Häufigkeit dieser Straßenbezeichnung erklärt sich dadurch, dass früher auch in den kleinsten Orten Wert auf ein eigenes Schulgebäude gelegt wurde oft in Zeiten, in denen alle Altersstufen noch in einer Klasse unterrichtet wurden. Viele Schulen wurden aufgelöst, die Gebäude einem anderen Zweck zugeführt, der Name aber blieb und überlebte bis in unsere Tage.

Gartenstraße als Name sehr beliebt

Weil im Landkreis Ebersberg die eigene Versorgung mit selbst produzierten Lebensmitteln einen hohen Stellenwert hatte, gibt es auch viele Gartenstraßen oder Gartenwege, wie etwa in Aßling, Grafing, Kirchseeon Moosach oder in Ebersberg die Gärtnereistraße. Ähnlich wie bei den Schulen überdauerte auch die recht oft vorkommende Bahnhofstraße den eigentlichen Bahnhof am Ort. Das ist zum Beispiel in Glonn so oder in Moosach. Die frühere Bahnlinie dorthin ist nur noch als Damm in der Landschaft zu erkennen.

Unter den 20 häufigsten Straßennamen in Deutschland gibt es den Birkenweg, die Schiller- oder Goethestraße, die Jahnstraße wie in Grafing oder den Ahorn- oder Eichenweg. Eine Ausnahme bildet der Landkreis insofern, als hier viele Straßenzüge an die Vertreibung erinnern. Die Sudetenstraße kommt in Ebersberg vor, ebenso in Glonn als Sudetenlandstraße und in Grafing gibt es gleich beide, nämlich Sudeten- und Schlesierstraße wie auch in Forstinning den Schlesierweg.

Straßennamen spiegeln den Zeitgeist wider

Die Vergabe von Straßennamen ist manchmal unübersehbar mit dem Zeitgeist verbunden, an den erinnert zu werden nicht immer eine angenehme Sache ist. Vor genau 15 Jahren hat beispielsweise der Kulturausschuss der Stadt Ebersberg die Umbenennung der Hindenburgallee in Pfarrer-Grabmeier-Allee beschlossen. Die Änderung fiel damals umso leichter, als der Reminiszenz an den Reichskanzler in der Kreisstadt der örtliche Bezug fehlte.

Initiative kommt oft aus der Bevölkerung

Und ist der Ort auch noch so klein, gibt es doch meistens eine Hauptstraße - wie hier in Jakobneuharting.

Die Straße war schon einmal umbenannt worden, nämlich von „Zum Doktorbankerl“ in Hindenburgallee. Das war im Jahr 1933. Die Ebersberger Bahnhofstraße war in Adolf-Hitler-Straße umgetauft worden, wurde aber im Jahr 1945 wieder in Bahnhofstraße umbenannt. Die Umbenennung in Pfarrer-Grabmeier-Allee bestätigte der Ebersberger Stadtrat mit 23:0 Stimmen im Dezember 2005.

Die Initiative dazu war aus der Bevölkerung gekommen. Pfarrer Johann Grabmeier war Ehrenbürger der Stadt Ebersberg. Manchmal bleibt es aber dabei: Die Ebersberger Heldenallee wurde als historisches Dokument begriffen und nicht in „Allee der Gefallenen“ umbenannt.

Einer entsprechenden Forderung begegnete der frühere Bürgermeister Walter Brilmayer mit einem kategorischen „Nein“. Der Vorschlag zur Namensänderung war von einem Baldhamer Bürger gekommen.

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