Eine Robinie am Schlossplatz in Ebersberg. Die Art gedeiht auch als widerstandsfähiger Straßenbaum. 
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Eine Robinie am Schlossplatz in Ebersberg. Die Art gedeiht auch als widerstandsfähiger Straßenbaum. 

Waldbauern sind auf der Suche nach Alternativen zur Fichte

Neue Bäume braucht das Land - Kommt jetzt die Robinie?

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Die Robinie ist zum Baum des Jahres 2020 erklärt worden. Das Ungewöhnliche daran: Der Baum ist eigentlich ein Neophyt, die Art wurde bei uns eingebürgert.

Landkreis – Die Robinie ist eine zugewanderte Art, die es in unseren Breitengraden erst seit etwa 300 Jahren gibt. Aber der drohende Klimawandel macht auch in der heimischen Waldwirtschaft offen für neue Ideen und einige Imker im Landkreis Ebersberg wären dem blühenden und gegen Trockenheit resistenten Laubbaum ebenfalls nicht abgeneigt.

Wahl ist nicht unumstritten

Üblicherweise werden bedrohte einheimische Arten bei der Wahl zur Pflanze des Jahres berücksichtigt, weshalb der Baum des Jahres in Form der Robinie in der Öffentlichkeit nicht unumstritten ist. Noch kommt er nicht in größerer Anzahl im Landkreis vor. Johann Taschner, der Leiter der unteren Naturschutzbehörde weiß, dass der Laubbaum bei uns in Gärten steht „oder auf Gemeindeflächen“. Auch als Straßenbaum kommt die Robinie in Frage, weil sie noch widerstandsfähiger ist als zum Beispiel der Berg- oder Spitzahorn. „Im Handel ist das Robinienholz sehr gefragt“, weiß Taschner.

„Die Fichte wird bei uns sterben“

Kerstin Mertens, die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst ist überzeugt: „Die Fichte wird bei uns sterben.“ Umso mehr müsse man „dankbar sein für jeden Baum, der diese Temperaturen aushält“, meint sie mit Blick auf die Klimaerwärmung. „Wir brauchen die Bäume zur Produktion von Sauerstoff und zur Bindung von CO2 aus der Luft.“ Im Ebersberger Forst habe man heuer noch Glück gehabt, weil im Mai und Juni stärkere Niederschläge gefallen seien.

Langfristig zunehmende Trockenheit

Langfristig wird die zunehmende Trockenheit, so wie sie sich jetzt abzeichnet, die Waldbauern dazu animieren, sich nach Alternativen umzusehen. In diesem Zusammenhang bestätigt auch Alexander Graßl, der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Wasserburg, dass es Experimente gebe, die Libanon-Zeder einzubürgern – „mit gesichertem Saatgut.“ Die Robinie sei als Nutzholzlieferant „schon interessant“. In geschlossenen Beständen kann die Art Wuchshöhen zwischen 20 und 30 Metern erreichen.

Auch Douglasien werden angepflanzt

Als Waldbauern in der Vergangenheit damit begonnen haben, sich der Pflanzung von Douglasien zuzuwenden, gab es Widerstände aus dem Naturschutzbereich. Die gingen so weit, dass angepflanzte Bäumchen in Deutschland mutwillig von Aktivisten wieder ausgerissen und durch Buchenpflänzchen ersetzt wurden. Die Douglasie sei aber „trockenresistent und war früher bei uns heimisch“, informiert Graßl. Außerdem gebe es alte Douglasienbestände in Wasserburg.

Was die Robinie betreffe, habe er „keine Meinung“, sagt Olaf Rautenberg, der Vorsitzende des Bund Naturschutz im Landkreis Ebersberg. Auch die Tomate sei ja ursprünglich keine heimische Pflanze gewesen und trotzdem würde niemand auf die Idee kommen, sie als Neophyt zu bezeichnen, so Rautenberg sinngemäß. Er ist jedoch der Ansicht: „Wir haben genügend einheimische Baumarten.“ Die gewöhnliche Sonnenblume, ein Gewächs, mit dem sich die Partei der Grünen gern zeigt, gehört übrigens streng genommen ebenfalls zu den Neophyten – ebenso wie die Kastanie.

Holz ist witterungsbeständig und hart

Das Holz der Robinie ist witterungsbeständig und hart. Es findet Verwendung zur Herstellung von Gartenmöbeln, für Pfähle und als Baumaterial, weiß Graßl. Taschner hat bei einer Radtour in den neuen Bundesländern eigener Auskunft nach ganze Robinienwälder gesehen, die dort angepflanzt worden seien. „Mich haben schon Imker gefragt, ob ich Bestände bei uns weiß, weil sie da ihre Bienenhäuser aufstellen wollten.“ „Die Frage ist doch, wenn ein Baum schon 300 Jahre bei uns vorkommt, ist er dann noch ein Neophyt?“ Taschner ist überzeugt davon: „Im Rahmen des Klimawandels wird sich in dieser Hinsicht noch Einiges bei uns tun.“

Geheimnis unter der Erde

„Robinien besiedeln sehr schnell selbst die unwirtlichsten Lebensräume. Das Geheimnis ihres Erfolges steckt unter der Erde: Sogenannte Knöllchen-Bakterien, die an der Wurzel leben, fixieren Luftstickstoff und dieser reichert sich im Boden an“, informiert der Naturschutzbund Deutschland auf seiner Internetseite.

Die Baum-des-Jahres-Stiftung ist sich bewusst, dass ihre Wahl heuer Diskussionen auslöst. Noch beträgt der Anteil an Robinien in Deutschland nur etwa 0,1 Prozent. Doch dort, wo diese Art bisher Fuß fassen konnte, hat sie sich etabliert und zeigt sich insgesamt ziemlich unverwüstlich.

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