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Kein Einzelfall: Die schwarzfleckige Fassade eines Mehrparteienhauses in Grafing. 

Mehr als nur Schönheitsfehler

Schimmel an Hauswänden: Energiewende mit schwarzen Flecken

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Es ist eine allgegenwärtige Erscheinung und im schlimmsten Fall mehr als nur ein ästhetisches Problem: Veralgte und schwarzfleckige Fassaden an zahlreichen Häusern.

Landkreis – Das Jahr 2020 wurde von der Energieagentur Ebersberg zum „Jahr der Wärmewende“ erklärt. Die Auftaktveranstaltung dazu fand am Dienstag im Moosacher Pfarrheim statt und das nicht zufällig. Denn die kleine Gemeinde hat Großes vorgemacht: Eine Heizzentrale samt Nahwärmenetz, das sich aus regenerativen Energien speist. Der Weg dahin war steinig und mit viel Überzeugungsarbeit verbunden, um die Anschlussnehmer zusammenzubringen, die so ein Netz wirtschaftlich machen. Am Ende aber stand der Erfolg wie übrigens auch bei einigen Nahwärmeprojekten in Glonn, um nur ein Beispiel zu nennen.

Hoher Energieverlust bei Häusern

Aber Energieerzeugung ist das eine, Energieverlust das andere. Und der ist bei Gebäuden oft besonders hoch – laut Fachleuten etwa 20 bis 40 Prozent. Abhilfe würde eine sinnvolle Isolierung schaffen, bei der in der Vergangenheit aber offensichtlich Fehler gemacht wurden, wie sie auf jedem Neuland passieren. „Auf keinen Fall mehr Styropor“ nennt Philipp Rinne, Energieberater bei der Ebersberger Agentur ein Stichwort zum Isolierungsmaterial.

„Wollen wir die Energiewende schaffen, müssen wir unseren Energieverbrauch senken. Unser Wärmeverbrauch bietet uns dafür das größte Potenzial“, argumentiert die Energieagentur Ebersberg München auf ihrer Internetseite. Für die Beheizung der Gebäude und Wohnungen im Landkreis Ebersberg würde mehr Energie verbraucht, als für jeden anderen Lebensbereich. Deshalb solle genau hier angesetzt werden.

Häuser haben „nassen Pullover“ an

Wer sich die Wohngebäude im Landkreis Ebersberg ansieht, wird die schwarzen Flecken an den Fassaden nicht übersehen. Sie entstehen so: Die Isolierung macht das Gebäudeäußere signifikant kälter. Die Folge davon ist, dass die bei geöffnetem Fenster mit der Innenluft entweichende Feuchtigkeit an der Fassade kondensiert, die deswegen nicht selten dauerhaft nass wird. Ein idealer Nährboden für einen ganzen Cocktail von Mikroben, Algen, Schimmel und andere Mikroorganismen, die der Wind auf das Gebäude verfrachtet. Im schlimmsten Fall wandert der Taupunkt, also die Schicht, an der die Feuchtigkeit genau kondensiert, in das Fassadeninnere. Das Gebäude hat damit sozusagen dauerhaft einen nassen Pullover übergezogen bekommen.

„Diese Startschwierigkeiten sind jetzt nicht mehr gegeben“, sagt Rinne zu diesem Problem. Bei den neuen Technologien „gibt es das Problem nicht mehr, die holen den Taupunkt wieder aus der Wand raus“. Dafür sei die Förderung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau erhöht worden.

Die schwarzen Flecken an der Fassade seien harmlos, sagt Rinne. „Wenn Sie das nicht stört, können Sie das lassen.“ Wen das doch stören sollte, der sieht sich als Eigentümer kürzeren Renovierungsintervallen gegenüber. Spätestens alle sieben bis zehn Jahre ist ein neuer Anstrich fällig. Denn der enthält wiederum biozide Mittel, die sich nach und nach auswaschen, was ebenfalls eine Umweltbelastung darstellt.

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Die kürzeren Renovierungsintervalle bringen die Amortisationskalkulation der Isolierungsarbeiten durcheinander – unabhängig vom CO2-Einsparungseffekt. Rinne bestätigt, dass Maßnahmen zur Fassadenisolierung „seit Jahren so dahindümpeln. Die Sanierungsrate ist insgesamt zu gering“.

Malermeister: Isolierung bei alten Gebäuden verkehrt

Der Grafinger Malermeister Michael Hirschläger hat die Entwicklung der zunehmenden Gebäudeisolierungen in seiner beruflich aktiven Zeit hautnah mitverfolgt. Inzwischen ist er in Rente, hat aber eine genaue Meinung dazu: „Bei Neubauten vollkommen ok, bei Altbauten verkehrt“, sagt er bündig und empfiehlt auf alle Fälle einen Anstrich mit einer speziellen Silikonharzfarbe. „Die ist fungizid eingestellt, da haben sie sogar das Pentagon damit gestrichen.“ Der besondere Clou an diesem Produkt: „Die ist von außen zu 100 Prozent schlagregendicht, von innen nach außen aber 100 Prozent atmungsaktiv.“

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Bei alten Häusern im Landkreis Ebersberg tritt das Problem bauartbedingt seltener auf. Die haben traditionell einen höheren Dachüberstand gegen den Schlagregen.

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