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Tiefgaragen machen das Wohnen noch teurer.

Überlegungen zum Wohnungsbau im Landkreis Ebersberg

Tiefgaragen – teuerund preistreibend

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Der Landkreis Ebersberg muss neue Wege gehen, will er preiswerten Wohnraum schaffen. Tiefgaragen könnten dabei der Vergangenheit angehörden.

Landkreis – Früher bestand Einigkeit: Das Erdgeschoss und die oberen Etagen gehören den Menschen, die Autos müssen in den Untergrund verschwinden. Folge: Die Tiefgaragen gehören zu jedem neuen Wohngebiet, wie die Fensterfront zum Wohnzimmer. Aber: Die Tiefbauten machen das Bauen wesentlich teurer und das wiederum hat Einfluss auf die Höhe der Mieten – auch beim Sozialwohnungsbau.

Eine, die sich mit diesem Thema intensiv befasst, ist Brigitte Keller, die kaufmännische Vorsitzende der Wohnbaugesellschaft Ebersberg. Für Keller bewirkt der in Mode gekommene Tiefgaragenbau vor allen Dingen eines: Eine Preisexplosion. Ihren Lösungsansatz formuliert sie so: „Wir müssen nicht in den Boden, sondern in den Himmel schauen.“ Eine Möglichkeit dazu wären Parkhäuser, weil die wesentlich billiger herzustellen seien.

Ein Tiefgaragenplatz kostet 35.000 Euro

Die Kosten für den Bau eines Tiefgaragenplatzes beziffern Fachleute auf etwa 35 000 Euro. Je nach Abhängigkeit von der Wohnungsgröße kann deshalb bei der Vermietung folgender Extremfall eintreten: „Bis zur Hälfte der Miete fällt alleine für den Tiefgaragenplatz an“, argumentiert Keller. „Es kommt künftig nicht nur darauf an, dass wir bauen, sondern dass wir günstigen Wohnraum schaffen.“ Die Wohnbaugesellschafts-Vorsitzende hat ein weiteres Argument: „Wir können in der Region derzeit nicht in den Boden bauen, weil alle verfügbaren Tiefbaufirmen in München an der zweiten Stammstrecke buddeln.“

Der Landkreis wächst im Schnitt im Jahr um etwa 2000 Bürger. Landrat Robert Niedergesäß zeigt sich optimistisch und stützt sich dabei auf eine Untersuchung von Christian Breu vom Planungsverband. Mit Nachverdichtung sei dieses Wachstum von allen Gemeinden abdeckbar, argumentiert der Landrat. „Wir brauchen keine großen Neubaugebiete.“ Freilich räumt auch Niedergesäß ein, dass in der von ihm zitierten Untersuchung „sehr konservativ“ gerechnet wurde.“

Gemeindlicher Wohnungsbau

Wenn im Landkreis weiter gebaut wird, sagt das aber noch nichts darüber aus, zu welchem Preis und auch die Höhe der Mieten kann dadurch nicht immer signifikant beeinflusst werden. Keller hat dazu eine Idee: „Wenn ein Viertel des Bestandes in kommunaler Hand wäre, könnte man den Wohnungsmarkt durchaus steuern“, glaubt sie.

Den gemeindlichen Wohnungsbau zu fördern, ist das erklärte Ziel der Wohnbaugesellschaft Ebersberg, die vom Landkreis zusammen mit der Stadt Grafing gegründet wurde. Für den Kreis sei das eine freiwillige Aufgabe, sagt Keller. Grundlage der Zusammenarbeit ist, dass die jeweils beitretende Kommune ein Grundstück zur Verfügung stellt, das sie dazu nicht einmal verkaufen muss. „Es bleibt in deren Eigentum“, sagt Keller. „Noch niederschwelliger geht es nicht.“ Die Kommunen würden den Grund lediglich für 25 Jahre zur Verfügung stellen, damit günstiger Wohnraum entstehen könne. „Es kommt dann darauf an, dort maximale Wohnfläche zu schaffen“, so Keller. Auch über die Wohnflächen müsse nachgedacht werden. Es sei die Frage, ob jeder Zwei-Personen-Haushalt unbedingt 70 Quadratmeter Wohnraum brauche, oder ob es auch „ein bisschen kleiner“ gehe. Es müssten jedenfalls Anstrengungen unternommen werden, dass „mehr Wohneigentum in kommunaler Hand entsteht“.

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Tiefgaragenplätze sind reparaturanfällig und nicht nur aus diesem Grund sogar für Bauherren oft unattraktiv. Fachleute gehen davon aus, dass sich ein unterirdischer Stellplatz erst in 35 Jahren amortisiert. Und das auch nur dann, wenn es keinen größeren Wassereintritt gibt, was durchaus nicht die Ausnahme darstellt.

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Keller sagt, dass auch in anderen Kommunen bereits eine Bevorratungspolitik betrieben wird und nennt Ulm und Wien, wo das „schon immer so gemacht“ worden sei. Die Wiener Gemeindebauten sind sprichwörtlich.

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