Ausbildungsplätze im Landkreis Ebersberg gibt es genug, es fehlen aber die Auszubildenden. Kommen jetzt finanzielle Anreize?
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Ausbildungsplätze im Landkreis Ebersberg gibt es genug, es fehlen aber die Auszubildenden. Kommen jetzt finanzielle Anreize?

Im Landkreis Ebersberg fehlen Lehrlinge

Corona: Es gibt Zuschüsse für Ausbildungsplätze

  • Robert Langer
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Finanzielle Anreize soll es für mittelständische Betriebe geben, die von der Corona-Krise hart betroffen sind und dennoch Ausbildungsplätze erhalten oder anbieten.

Landkreis – Es soll um Beträge zwischen 2000 und 3000 Euro gehen. Laut dem Landkreis-Bundestagsabgeordneten Andreas Lenz (CSU) soll das Thema am heutigen Mittwoch im Kabinett ein Punkt sein. Ziel sei die Verabschiedung des Gesetzes bis zur Sommerpause.

Ausbildung als Alternative zum Studium

Die Reaktion im Landkreis von Vertretern der Arbeitgeber aus Industrie, Handel und Handwerk sind grundsätzlich positiv, auch wenn rund um Ebersberg besondere Bedingungen herrschten: Es fehlt nämlich weniger an Ausbildungsplätzen als an Azubis. Deshalb tritt neben der Geldspritze ein weiteres Argument für den Programmvorschlag in den Vordergrund, nämlich die grundsätzliche Werbung für Ausbildung als Alternative zum Studium.

Vermieden werden soll durch die aktuelle Initiative, dass es durch die Corona-Krise zu Einschränkungen einerseits für die berufliche Entwicklung junger Menschen kommt und sich andererseits möglicherweise der Fachkräftemangel in verschiedenen Branchen noch verstärkt.

Nicht genug Bewerber für die Ausbildungsplätze

„Es gibt bestimmte Bereiche, die könnten von dem Programm profitieren“, so Sonja Ziegltrum-Teubner, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Ebersberg der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK). „Wir bilden grundsätzlich aus, weil wir die Leute brauchen“, erklärt sie. Das Problem im Landkreis Ebersberg sei jedoch, dass es nicht genug Bewerber für die Ausbildungsplätze gebe. Durch die aktuelle Initiative werde der Fokus aber wieder mehr auf das Thema Ausbildung gerichtet. „Wir reden darüber und das ist sehr wichtig.“ Ziegltrum-Teubner, Geschäftsführerin der Bayerischen Blumen Zentrale in Parsdorf (Gemeinde Vaterstetten), weist darauf hin, dass für viele Jugendliche eine Ausbildung in einem Betrieb ein guter Weg sein könnte. „Dabei erzielte Erfolge stärken das Selbstbewusstsein.“ Und die Tür zum Studium sei weiter offen. Hilfreich seien für die Entscheidung auch begleitende Angebote, wie das neu eingeführte 365-Euro Jahresticket für den MVV, mit dem Auszubildende günstiger als bisher sowohl zu ihrem Ausbildungsbetrieb als auch zur Berufsschule fahren könnten. „Das finde ich super“, freut sich Ziegltrum-Teubner.

Betriebe können die Förderung gut gebrauchen

„Wir haben bestimmt den einen oder anderen Betrieb, der wegen Corona an der Kante ist“, betont Kreishandwerksmeister Johann Schwaiger. Diese Betriebe könnten die Förderung für die Azubis gut gebrauchen. Schwaiger weist jedoch auf einen anderen Aspekt hin: Für die künftigen Azubis sei die Situation derzeit schwierig, da es leider Corona-bedingt keine Praktika gebe, um die Berufsfelder in unterschiedlichen Bereichen kennenzulernen. „Aber ohne mal reinzuschnuppern geht eigentlich gar nichts.“ Wichtig sei das Kennenlernen auch für den möglichen Ausbildungsbetrieb. „Es ist ein Risiko für beide Seiten.“ Einen akuten Zeitdruck gebe es allerdings nicht. Ausbildungsverträge könnten auch noch im Herbst beispielsweise bis in den November hinein abgeschlossen werden.

Aus den aktuellen Problemen lernen

Aus aktuellen Problemen in der Corona-Krise müsse man lernen, so Schwaiger. Betriebe sollten finanzielle Puffer bilden, um auch in schwierigen Zeiten überleben zu können. Die Kalkulation sollte nicht bis zum Letzten ausgereizt werden. „Längerfristig zu denken ist wichtig.“ Das gelte auch für Verträge mit Auszubildenden, die ja doch einige Zeit Gültigkeit hätten. Junge Berufsanwärter will Schwaiger in der Krise beruhigen. Falls der Ausbildungsbetrieb in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerate, im schlimmsten Fall sogar insolvent werde, bemühe sich die Kreishandwerkerschaft intensiv darum, für den Azubi eine Alternative in einer anderen Firma zu finden, damit dieser die Lehre fortzusetzen könne. „Und das macht die IHK genauso“, so der Kreishandwerksmeister.

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