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Der Weg des Mülls.

EZ-Serie

Unser Müll fährt quer durch Mitteleuropa

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Was passiert mit dem Müll, nachdem Landkreisbewohner ihn weggeworfen haben? Er legt hunderte Kilometer zurück. Quer durch Mitteleuropa. Hausmüll wird verbrannt. Aus der Schlacke werden später auch neue Straßen gebaut. 

Landkreis -  Plastikverpackungen, alte Zeitungen, Kosmetiktücher: Die Mülleimer der Landkreisbürger sind schnell voll. Macht aber nichts. Der Abfall kommt in die dafür vorgesehenen Tonnen, Säcke oder er wird zum nächsten Wertstoffhof oder der nahe gelegenen Wertstoffinsel gebracht. Klappe auf, reinschmeißen, Problem gelöst. Für Landkreiskommunen, Entsorgungsunternehmen, Transportfirmen und Verwerter geht jetzt die Arbeit los.

Geflecht von Firmen

Eines ist klar: Müllverwertung ist ein Geflecht aus Firmen und Subunternehmern. Der Abfall wird immer wieder weitergegeben und legt dabei hunderte von Kilometer zurück. Quer durch Mitteleuropa. In ihrer Recherchearbeit hat die EZ den Müll im Landkreis verfolgt. Von der Restmülltonne in Grafing bis zum Giftmülllager im thüringischen Bleicherode.

Restmüll

Der gesamte Restmüll im Landkreis kommt zum Entsorgungszentrum „An der Schafweide“ in Ebersberg. Dort wird der Abfall in Großcontainer umgeladen und zum Müllheizkraftwerk nach Burgkirchen (Kreis Altötting) transportiert. Im vergangenen Jahr waren es 13 688 Tonnen. Bei 400 Grad werden Christbaumschmuck, Zahnbürsten und Gummistiefel verbrannt. Dabei entsteht Fernwärme, Dampf und Strom für 50 000 Menschen. Beim Verbrennen des Mülls bleibt Schlacke übrig. Diese unbrennbaren Stoffe kommen zur Mineralstoff-Aufbereitung nach Kehlheim der Firma MAV. Der Aufbereiter zieht dort wenige Wertstoffe wie Eisen aus der Schlacke und verkauft sie an die metallverarbeitende Industrie. Aus dem mineralischen Anteil der Schlacke, etwa 90 Prozent der Ursprungsmenge, produziert die Firma nach eigenen Angaben Baustoffe für den Straßen-, Tief- und Deponiebau. Der Filterstaub, der beim Verbrennen in Burgkirchen überbleibt, wird im ehemaligen Salzbergwerk im thüringischen Bleicherode endgelagert. Im vergangenen Jahr fielen im Müllheizkraftwerk 6400 Tonnen an. Der Staub ist hochgiftig und unbenutzbar. Für immer.

Pappe-Papier-Kartonagen (PPK) 

Der Wertstoff wird von der Dachauer Firma ASD von den Wertstoffinseln und -höfen abgeholt und in Forstinning umgeladen. Dann wird der PPK-Abfall nach Dachau gebracht und sortiert. Nach Unternehmensangaben werden 100 Prozent recycelt. Kartonagen kommen in sogenannte Kartonagebuden zur Wiederverwertung. Grafische Papiere wie Prospekte und Zeitungen kommen zur Papierfabrik UPM nach Schongau, Augsburg oder Ettringen (Kreis Unterallgäu). Bei UPM wird das Altpapier nochmals sortiert, aufgelöst und zu Faserbrei verarbeitet. So entsteht später neues Papier.

Leichtverpackungen (LVP)

 LVP in Gelben Säcken sowie in Wertstoffinseln und -höfen werden nach Eitting (Kreis Erding) gebracht. Mithilfe von Magneten, Luftdruck und Infrarottechnik wird der Abfall in verschiedene Fraktionen getrennt. Plastikbecher, Folien, PET-Flaschen etwa. Diese Abfallhaufen werden zu großen Quaderballen verpresst und zu unzähligen sogenannten Verwertern transportiert. Sie versuchen, Materialien zurück in den Stoffkreislauf zu bringen. Plastikfolien etwa kommen in die Nähe von Linz, Getränkekartons nach Raubling (Kreis Rosenheim), Weißblech nach Italien. Yoghurtbecher kommen nach Kärnten, zur Firma Kruschitz. Die Becher werden dort zu PS-Granulat recycelt, das der Kunststoffindustrie wieder zugeführt wird. Der Abfall wird bis zu 350 Kilometern weit zu Firmen kutschiert, sagt ein Mitarbeiter der Sortierungsanlage in Eitting. Je nach Abfallfraktion entscheidet der gebotene Preis für den Wertstoff, nicht die Entfernung zum nächsten Verwerter. Nach Unternehmensangaben kommt der Abfall nicht ins außereuropäische Ausland.

Bio- und Gartenabfälle 

Seit 1991 werden Bio- und Gartenabfälle in 15 Kompostieranlagen im Landkreis verwertet. Im vergangenen Jahr wurden fast 30 000 Tonnen Bioabfall kompostiert. Dabei entstanden 4170 Tonnen Komposterde. 90 Prozent werden als Dünger in der Landwirtschaft ausgebracht und ersetzen mineralischen Dünger. Der Rest wird verkauft und findet im Garten- und Landschaftsbau Verwendung.

Altglas 

Die Firma Remondis sammelt das Altglas von den Wertstoffinseln und -höfen ein und bringt es nach München. Von dort aus gehen 40 Prozent zur Altglasaufbereitung ins oberfränkische Steinbach am Wald. Der Rest kommt zur Firma Glasrecycling Neuburg in der gleichnamigen Stadt an der Donau. Das farblich unsortierte Altglas wird hier zerkleinert und gereinigt. Ein Sensor sortiert das Glas nach der jeweiligen Farbe. In Glashütten wird das Glasgranulat geschmolzen und zu neuen Gefäßen verarbeitet. Nach Unternehmensangaben besteht heute fast jede Flasche zu über 75 Prozent aus Altglas.

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In Müllverbrennungsanlagen werden Abfälle aller Art vernichtet. In Bayern fällt so viel Müll an, dass Entsorgungsunternehmen den doppelten Preis zahlen müssen.

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