Steckerlfisch to go: Dieses Angebot der Alten Post in Ebersberg wird sehr gut angenommen. 
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Steckerlfisch to go: Dieses Angebot der Alten Post in Ebersberg wird sehr gut angenommen. 

Trotz Lockerungen in der Gastronomie ist derzeit nichts wie vor der Corona-Krise

Wirte warten auf die Rückkehr der Gäste

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Die Biergärten haben fast alle wieder geöffnet, auch in den Gasträumen dürfen sich unter Auflagen Besucher aufhalten. Eine Rückkehr zum normalen Betrieb ist das nicht.

Landkreis – Die Gastronomie leidet nach wie vor stark unter den Auflagen und Einschränkungen, die eine weitere Ausbreitung des Coronavirus im Landkreis verhindern sollen. Gäste bleiben trotz Lockerungen weg, Umsätze fehlen und es gibt immer noch Unklarheiten.

Einige denken ans Aufhören

Einige Wirte denken ans Aufhören. Eine Schreckensvorstellung für die örtlichen Brauereien. Wer würde in der derzeitigen Situation das Risiko eingehen, ausgerechnet jetzt eine Gaststätte zu übernehmen? In der Folge würden die betreffenden Gastro-Betriebe wohl eine beträchtliche Zeitspanne ohne Pächter leer stehen, den Brauereien fehlten die Pachteinnahmen. Andere haben sich ihren Optimismus bewahrt, wie die Neueröffnung der Hohenlindener Sauschütt belegt. Ab 27. Juni wird dort der Biergarten in Betrieb genommen, die Gasträume allerdings bleiben wegen Renovierungsarbeiten vorläufig noch zu.

Konsumverhalten nachhaltig verändert

Trotzdem hat die Coronakrise das Konsumverhalten der Gaststättenbesucher nachhaltig verändert, wie der Wirt der Gaststätte alte Post in Ebersberg berichtet. „Wir haben momentan am Tag etwa 100 Essen, davon 60 Prozent to go“, sagt Binder. Das heißt, die Kunden holen sich ihr Mittagessen lieber ab und verzehren es entweder im Büro oder zuhause. „Die Getränke und das Trinkgeld fehlen mir“, sagt der Wirt. Insgesamt habe er derzeit Einbußen von noch etwa 30 Prozent Umsatz zu verkraften im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Pandemie.

Es fehlt die Auslastung

„Nach wie vor fehlt die Auslastung“, sagt auch Ludwig Obermair, der Wirt der Ebersberger Alm. Die Abstandsregelung reduziere die Anzahl der Sitzplätze, meint er sinngemäß. „Hygieneregeln, Mundschutz, das ist noch lange nicht so, wie vor der Corona-Krise.“ Große Veranstaltungen wie etwa Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten dürften gar nicht stattfinden. „Das ist eine ganz schwierige Situation und wird sich sicher noch bis in den Herbst hineinziehen. Wie es weitergeht, weiß niemand.“

Diskussion über Gäste-Listen

Diskutiert wird in den Gastronomiebetrieben auch darüber, dass sich die Gäste in aufliegende Listen eintragen müssen mit Ankunftszeit, Verweildauer und Telefonnummer. „Wo bleibt da der Datenschutz?“, fragen sie sich. Das Gastgewerbemagazin hat deshalb am 5. Juni informiert, dass pro Gästetisch aus Datenschutzgründen jeweils ein neuer Zettel ausgelegt werden müsse, da die Liste sonst von anderen Gästen eingesehen oder sogar fotografiert werden könnte. Wieder eine neue Auflage für die eh schon gebeutelten Wirte.

Abendgastronomie fehlt

Dabei fehle die Abendgastronomie nach wie vor, schildert Gastronom und Hotelier Franz Schwaiger aus Glonn seine Lage. „Die Leute gehen nicht auf ein Bier fort“, berichtet der Dehoga-Sprecher im Landkreis. Er selbst müsse insgesamt ein Umsatzminus von 50 Prozent hinnehmen. Auch die Kurzarbeiterregelung helfe den Betrieben nicht wirklich. „Das Kurzarbeitergeld muss vorgestreckt werden“, in einer Situation, in denen es den Betrieben ohnehin an liquiden Mitteln mangele. Essen to go sei „ein Tropfen auf den heißen Stein.

Postwirt Binder aus Ebersberg versucht jedoch, auf die Nachfrage nach einem Essensverkauf über die Straße mit einem verstärkten Angebot zu reagieren. „Am Muttertag haben wir 250 Steckerlfische verkauft, am Vatertag waren es 280.“ Er wird dieses Angebot für seine Kunden jetzt jeden dritten Freitag im Monat machen.

Dehoga-Sprecher Schwaiger schätzt, dass im Landkreis 15 Betriebe die Krise nicht überstehen werden. Ohne finanziellen Hintergrund sei das nicht zu schaffen. Einerseits müsste die Wirte gerade jetzt Personal bereit halten, um für die Gäste da zu sein, andererseits blieben die aus, weil nicht Personen aus drei bis vier Haushalten an einem Tisch sitzen dürften, wie das früher üblich war.

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