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Eine Zecke ist auf einem Blatt in einem Garten zu sehen. Die Tiere sind lästig und können gefährlich werden. 

So sieht‘s im Landkreis Ebersberg aus

Zeckenalarm: Risikogebiet ist nicht gleich Risikogebiet

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Mit  steigenden Temperaturen steigt auch die Gefahr von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose. Beide Krankheiten werden durch Zeckenbisse übertragen.

Landkreis – Seit 2007 ist der Landkreis Risikogebiet. Das liegt aber eigentlich an den Nachbarkreisen. Und daran, dass sich Risikopersonen nicht impfen lassen.

FSME, Borreliose. Was war das nochmal? Beide Krankheiten werden durch infizierte Zecken übertragen, erklärt Hermann Büchner vom Gesundheitsamt in Ebersberg. Sie springen nicht von Bäumen, sondern sitzen auf Gräsern und Büschen. Die Blutsauger springen auf bestimmte menschliche Gerüche an.

Mit Kopfschmerzen geht‘s los

„Eine FSME-Erkrankung beginnt mit Kopfschmerzen, Fieber und Schwindel“, so Büchner. Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbrechen einer Krankheit, sei zehn bis 14 Tage. Neurologische Erkrankungen könnten folgen: Entzündungen in weichen Gehirnhäuten und im Gehirn. Mögliche Folgen: Lähmungen, bei einem Prozent der Erkrankten auch Tod.

Borreliose beginne mit Hautrötungen, die auch an anderen Körperstellen als in der Umgebung der Einstichstelle auftreten können. Gelenkbeschwerden und Erkrankungen im Nervensystem können auftreten, so der Gesundheitsamtschef.

Der Landkreis ist vom Robert-Koch-Institut (RKI) als FSME-Risikogebiet eingestuft, wie fast ganz Bayern. „Risikogebiet ist nicht gleich Risikogebiet“, mahnt Büchner. Denn Zeckenbisse habe es im Landkreis nachweislich keine gegeben. Zwar habe es seit 2001 sieben FSME-Fälle im Landkreis gegeben, gebissen aber wurden die Betroffenen in den Landkreisen Rosenheim, Mühldorf und Regensburg sowie in Österreich. Bei den zwei Erkrankungen im vergangenen Jahr, in beiden Fällen ältere Landwirte, sei kein Infektionsort bekannt. Büchner vermutet aber eine Übertragung im Rosenheimer Landkreis.

Risiko sehr gering

„Das Risiko einer FSME-Übertragung ist in unserem Landkreis sehr gering“, sagt der Mediziner. „Aber Zecken halten nicht vor Landkreisgrenzen.“ Soll heißen: Eine Ansteckung, vor allem im östlichen Landkreis, ist nicht auszuschließen.

Wieso aber ist der Landkreis Risikogebiet, wenn die Gefahr so gering ist? Anruf beim RKI in Berlin. Das habe bisher an der Kreisregion gelegen, sagt Susanne Glasmacher, Sprecherin des Bundesinstituts.

Seit 2007, dem Jahr also, als der Landkreis Risikogebiet wurde, gibt es beim RKI Kreisregionen. Das sind Betrachtungsgebiete, bestehend aus dem betreffenden Landkreis plus allen angrenzenden Kreisen. Alle Erkrankungen in dieser Region zählt das RKI zusammen. Liegt die Anzahl der übermittelten Erkrankungen über einem Fall pro 100 000 Einwohner, ist der Landkreis Risikogebiet. Auch wenn es im betreffenden Landkreis gar keine FSME-Fälle gab. Konkreter: Weil es in den Landkreisen Erding 4,08, Rosenheim 11,1, Mühldorf 5,31 und München 0,88 FSME-Fälle je 100 000 Einwohner gab, steigt die Zahl auf 4,52 für unseren Landkreis. Also Risikogebiet.

In diesem Jahr wäre der Landkreis auch ohne den Nachbarn Risikogebiet geworden, wegen der beiden Fälle im vergangenen Jahr. 1,08 FSME-Fälle kommen nun auf 100 000 Einwohner. Ein Wert über eins, Risikogebiet!

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Wieso gibt’s bei uns im Vergleich zu den anderen Kreisen so wenige Übertragungen? Ein Grund könnt sein, dass sich Menschen hierzulande besonders oft impfen lassen. Zahlen gibt es aber nur für Erstklässler von Schuleingangsuntersuchen. Zumindest hier liegt der Landkreis vorne: 30 Prozent der Kinder waren im Schuljahr 2016/2017 geimpft. In Erding 27,9, in Rosenheim nur elf Prozent. Diese Zahlen sind aber nur bedingt aussagekräftig, weil es für Erwachsene keine Erhebungen gibt. Erwachsene aber seien seltener geimpft, sagt Büchner vom Gesundheitsamt.

Männer erkranken häufiger

Obwohl gerade sie die Hauptrisikogruppe seien. „Männer über 40 erkranken häufiger an FSME“, sagt Büchner, „weil sie öfters im Wald oder auf Feldern arbeiten“.

Es gibt noch andere mögliche Gründe: Die Nähe zur Großstadt und größer werdende Städte etwa. Oder Berufs- und Freizeitbeschäftigungen außerhalb der Natur. In welchen Gebieten sich FSME-infizierte Zecken genau aufhalten, ist die große Frage, sagt Volker Fingerle vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. „Normalerweise sind sie in einem nur etwa Fußballfeld großen Gebiet. Gleich daneben sind gar keine.“

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Schwer zu sagen also, ob es hierzulande einfach nur weniger FSME-Zecken gibt, als in den Nachbarkreisen. Büchner jedenfalls rät älteren Menschen und Personen, die viel in der Natur sind, zur Impfung. Auch lange Kleidung zu tragen sei hilfreich, und sich nach Aufenthalten in der Natur nach den Blutsaugern abzusuchen. Ach ja, und Borreliose nicht vergessen: Sie trete 40 mal häufiger auf als FSME. 81 Fälle gab es 2018 im Landkreis. FSME-Erkrankungen: zwei.

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