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Vor allen Dingen einen weiteren Kinderarzt wünschen sich viele Eltern im südlichen Landkreis Ebersberg.

Experte macht wenig Hoffnung

Zusätzliche Fachärzte? Fehlanzeige!

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In absehbarer Zeit werden sich im Landkreis Ebersberg keine zusätzlichen Fachärzte niederlassen können - auch wenn sich das viele Menschen wünschen würden.

Kirchseeon/Landkreis – „Zusätzliche Fachärzte gibt es im Moment nicht. Punkt.“ Diese Aussage von Oliver Legler vom Kommunalbüro für ärztliche Versorgung ernüchterte die Kirchseeoner Kommunalpolitiker. Sie wollten vom Experten wissen, was denn die Gemeinde tun könne, um einen Facharzt, vor allem einen Kinderarzt, in die Kommune zu bekommen.

Auch eine Nachfolge für Wilfried Seidelmann, der mit seiner Frau in der Marktgemeinde eine Praxis betreibt und aufhören will,durch einen Allgemeinarzt und seine Frau, eine Kinderärztin, wird es wohl so nicht geben. Dieser Variante erteilte Legler auf Nachfrage ebenfalls eine Absage.

Ein Hausarzt pro 1671 Einwohner

Hintergrund für die Beschäftigung des Gemeinderats mit dem Thema war ein Antrag der CSU: Legler erläuterte in der Sitzung, dass es nach der Bedarfsplanung eine Berechnung gebe, also beispielsweise ein Hausarzt pro 1671 Einwohner. Zudem geben es eine Korrektur durch den Demografiefaktor. „Ältere brauchen oft mehr Ärzte.“ Wenn der Versorgungsgrad bei 110 Prozent liege, gebe es einen Zulassungsstopp. Im Planungsbereich Ebersberg/Grafing, zu dem Kirchseeon gehört, liege der Versorgungsgrad bei den Hausärzten bei 109,7 Prozent. Da wäre also noch etwas Luft.

Fachärzte: Versorgungsgrad bei über 110 Prozent

Im Bereich der Fachärzte wie Augenärzte, Frauenärzte oder Hautärzte werde auf Landkreisebene gerechnet. Hier liegt der Versorgungsgrad in allen Bereichen teilweise deutlich über den 110 Prozent. Gute Voraussetzungen für eine gute Versorgung also, rein theoretisch. Jedoch ist die Verteilung ziemlich einseitig im nördlichen Landkreis konzentriert sowie in Ebersberg und Grafing. So haben allein in Poing sechs Kinderärzte ihren Sitz. Fehlanzeige jedoch im Süden. In Egmating und Glonn oder Baiern und Aßling gibt es keine Fachärzte, auch nicht in Kirchseeon.

Mit Orthopäden überversorgt

Trotzdem gibt es auf Landkreisebene teilweise eine deutliche Überversorgung: Orthopäden und Chirurgen 178,3 Prozent, Urologen 196,4 Prozent. „Da fehlt mir die Logik“, sagte Bürgermeister Udo Ockel CSU). Und der Fraktionssprecher der CSU im Gemeinderat, Siegfried Seidinger, stellte das gesamte Vergabesystem in Frage: „Ärzte sind doch auch Unternehmer.“

Was kann aber die Kommune angesichts dieser Situation machen? Möglich wäre, einen Arzt im Planungsbereich zu finden, der seine Praxis verlegen, also umsiedeln will. Das passiere nicht sehr häufig, sagte Legler. Möglich sind dadurch auch Konflikte zwischen den Kommunen. Eine weitere Möglichkeit sind Filialpraxen. Dabei richtet ein Arzt mit einer Praxis in einer anderen Kommune quasi eine Zweigstelle ein. Das müsse aber auch genehmigt werden.

Ärztehaus aus Hintertür

Legler sah eine Lösung in einem weiter gesteckten Rahmen: Die Kommune könne die Rahmenbedingung beispielsweise durch ein Ärztehaus verbessern. Von Vorteil seien auch interkommunale Strategien wie der Zusammenschluss in einer Gesundheitsregion, ein gemeindeübergreifendes Standortmarketing und ein konzertiertes Vorgehen. „Alleine als Kommune ist es schwierig. Man muss über den Tellerrand schauen.“

Eine Perspektive gibt es jedoch. Aktuell werden die für die Berechnung verwendeten Daten überprüft. „Wir haben Zahlen, die gar nicht mehr aktuell sind. Das wird überarbeitet“, sagte Legler. Wie sich das in den einzelnen Landkreisen niederschlagen werde, könne man noch nicht sagen. Auswirken würden sich die neuen Berechnungen ab Anfang 2020. Legler macht jedoch klar: „Am Niederlassungsstopp wird sich in nächster Zeit aber nichts ändern.“

Lesen Sie auch: Landkreis will weiteren Kinderarzt - und macht sich wenig Hoffnungen

Bilanz von Vizebürgermeisterin Barbara Burgmayr-Weigt (CSU) am Ende der Diskussion: „Ich sehe nichts, was wir als Kommune machen können.“

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