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Die Landwirtschaft im Landkreis Ebersberg hält mit der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung nicht mit.

Nicht alle Bereiche im Landkreis Ebersberg profitieren vom lang anhaltenden Aufschwung

Wirtschaft wächst, Landwirtschaft lahmt

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Der Kreis Ebersberg ist wirtschaftlich stark und unabhängig von Konjunkturschwankungen. Das beweist nicht nur ein Blick auf den Niedrigstand bei der Arbeitslosenquote.

Landkreis – Die Arbeitslosenquote ist inzwischen rekordverdächtig abgesunken. In den aktuellen Kreisdaten des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum sind aber noch viele andere Zahlen enthalten, die aufhorchen lassen. Kann das Wachstum ewig so weitergehen?

Vollbeschäftigung im Landkreis Ebersberg

Ein Blick in die Beschäftigungslosenstatistik zeigt, dass der Bedarf an Arbeitskräften in den vergangenen Jahren die Zahl derer kontinuierlich abschmelzen ließ, die keinen Job haben. Die Quote sank im Zeitraum von 2007 bis 2017 von 3,4 auf 2,0 Prozent. Aktuell liegt sie sogar bei nur 1,7 Prozent. Das heißt, auf hundert Beschäftigte kommen nicht einmal zwei Personen, die keinen Arbeitsplatz haben. Das nennt man Vollbeschäftigung.

Firmen finden keine Mitarbeiter

Die Unternehmen und Betriebe im Landkreis haben schon länger Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. Deshalb blieben im Monat Juni fast 1200 Stellen unbesetzt. Und obwohl es für die Betriebe immer unmöglicher wird, Mitarbeiter zu rekrutieren, kennt das Bruttoinlandsprodukt – heruntergebrochen auf den Landkreis – nur eine Richtung, nämlich die nach oben. Es ist von 2006 bis 2016 um etwa 40 Prozent gewachsen. Das spricht für eine höhere Arbeitsbelastung der Beschäftigten, vor allen Dingen auch deswegen, weil es im Kreis an großen Industriebetrieben mangelt, deren Automatisierungsprozesse eine Rolle spielen.

Das gesamte Bruttoinlandsprodukt beläuft sich inzwischen auf fast 4,3 Milliarden Euro (Stand Ende 2016). Damit ist der Wert aller Waren und Dienstleistungen gemeint, die in einem Jahr innerhalb der Landkreisgrenzen produziert wurden. Aktuellere Daten lagen dem Planungsverband bei Drucklegung der Statistik nicht vor.

Dienstleistung an der Spitze

Die Zahlen beeindrucken aber auch so: Jeder Beschäftigte im Kreis hat dazu mit seiner Arbeit einen Beitrag geleistet, der einem Wert von 74 613 Euro entspricht. Die höchste Bruttowertschöpfung wurde dabei in der Dienstleistung erzielt, gefolgt vom produzierenden Gewerbe. Beide Wirtschaftsbereiche haben sich kontinuierlich nach oben entwickelt.

Den stärksten Schwankungen ist im Landkreis Ebersberg die Landwirtschaft ausgesetzt. Was die Bruttowertschöpfung betrifft, ist sie laut der Zahlen des Statistischen Landesamtes inzwischen fast wieder auf das Niveau des Jahres 2010 abgesunken. Darin einbezogen ist auch die Forstwirtschaft.

Einkommen nicht stark gewachsen

Das verfügbare Einkommen je Einwohner ist in den vergangenen Jahren nicht so stark gewachsen wie das Bruttoinlandsprodukt im Landkreis. Das Einkommen stieg von 22 915 Euro pro Jahr (2006) auf 26 461 Euro jährlich (in 2016). Das sind etwa 13 Prozent. Zieht man davon die Inflationsrate ab, wird erkennbar, dass die Beschäftigten heute nicht mehr als vor zehn Jahren in der Tasche haben, wenn sie am Monatsende auf ihre Lohnabrechnung schauen. Zur Erinnerung: Das Bruttoinlandsprodukt ist in dieser Zeit um 40 Prozent gewachsen, die Belastung am Arbeitsplatz hat zugenommen.

Tourismus boomt

Eine Branche im Landkreis hat eine besonders rekordverdächtige Entwicklung hingelegt, deren Dynamik sich bislang nicht abzuschwächen scheint. Es ist der Tourismus. Die Zahl der Übernachtungen pro Jahr und Gästebett ist von 115 im Jahr 2016 auf 155 im Jahr 2017 angestiegen. Insgesamt weist die Statistik für den Landkreis im Jahr 2017 fast 215 000 Gästeankünfte aus, wobei die Nähe zur Messe München ein wichtiger Faktor ist.

Lesen Sie dazu auch: Tourismus: Der Landkreis mausert sich

Ebenfalls interessant: Playmobil-Figuren erklären Ebersberger Stadtgeschichte

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