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Der Nahverkehr im Landkreis Ebersberg ist oft Transportmittel der Wahl für Pendler, aber auch Quelle ständigen Ärgernisses.

Ebersberger Landrat erkennt in Überlegungen der Bundesregierung einen alten Vorschlag wieder

Kostenloser Nahverkehr: Bitte einsteigen!

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Die Pendler im Landkreis Ebersberg haben täglich die Wahl: Entweder zu spät mit dem Auto zur Arbeit zu kommen oder mit der S-Bahn nicht rechtzeitig am Arbeitsplatz zu sein.

Landkreis – Die Straßen sind zu den Spitzenstunden morgens und abends verstopft, die Züge hoffnungslos überfüllt oder sie fallen ganz aus. Ist da eine Überlegung der Bundesregierung hilfreich, den Nahverkehr kostenlos zu machen? Landrat Robert Niedergesäß findet „ja“. Da er zugleich der Sprecher der acht MVV-Verbund-Landkreise ist, hat sein Wort in der Region zumindest Gewicht.

„Endlich“, so der Landrat, „wird dieses Thema auf Bundesebene diskutiert. Diese Diskussion ist dringend nötig, im Sinne der sauberen Luft, als auch, um den Nahverkehr gerade in Metropolregionen wie München als echte Alternative attraktiver zu machen. Dies geht nur dann, wenn neben dem Angebot attraktive Preise einen echten Anreiz bieten.“ Ob es am Ende gleich ganz kostenlos sein kann, oder ob z.B. ein geringer Grundpreis für alle Bürger eine geeignete Grundlage sein könne, müsse sicherlich noch ausführlich untersucht werden“, so Niedergesäß.

Verkehrsunternehmen stellen sich quer

Die aktuelle Diskussion kommt dem Landrat sicher bekannt vor, und vielleicht hat er ja sogar ein bisschen dazu beigetragen und fühlt sich jetzt bestätigt. Denn den Vorschlag, den Nahverkehr kostenlos zu machen hat Niedergesäß eigenem Bekunden nach bereits auf der Verkehrskonferenz von Innenminister Joachim Herrmann im November 2017 vorgeschlagen.

Der Weg dahin braucht Weichenstellung und ist nicht einfach: „Der Spagat zwischen Umweltschutz, einem attraktiven Nahverkehr, der finanziellen Leistbarkeit und der nötigen Infrastruktur ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit“, weiß auch Niedergesäß. „Wie sehr ein preislich attraktiver Nahverkehr aber an finanziellen Zwängen zu scheitern droht, erleben wir derzeit. Seit gut drei Jahren ringen wir im MVV nun schon um eine Tarifreform, die das viel zu komplexe und für viele unverständliche MVV-Tarifsystem einfacher, gerechter, attraktiver und moderner gestalten soll“, berichtet der Landrat. Dabei pochten manche Verhandlungspartner, insbesondere die Verkehrsunternehmen, derart auf die Erlösneutralität der Reform, dass ein echter Durchbruch „unmöglich scheint und wir um Cent-Beträge bei den einzelnen Tickets feilschen müssen“.

Landkreise gehen mit gutem Beispiel voran

Niedergesäß zeigt zwar Verständnis für die Belange der Verkehrsunternehmen, die den Betrieb wirtschaftlich organisieren müssen, doch sieht er hier die Politik mehr denn je in der Verantwortung, und zwar auf allen Ebenen. „Wir Landkreise gehen hier bereits mit gutem Beispiel voran, in dem wir den Regionalbusverkehr – immerhin ,nur’ eine freiwillige Aufgabe – deutlich ausbauen und mitfinanzieren – das erwarten wir auch von Bund und Ländern“, stellt der Landrat heraus. Waren es 1996 noch 17 Millionen Buskilometer in allen acht Landkreisen, so seien es heute bereits über 36 Millionen Buskilometer pro Jahr. Und nachdem Busse auf dem Land, auch als Zubringer zur S-Bahn, nicht kostendeckend fahren, tragen die Landkreise das Defizit aus ihren kommunalen Haushalten, also steuerfinanziert. Bei einem Kostendeckungsgrad von durchschnittlich 50 Prozent über alle Landkreise seien das etwa 40 bis 50 Millionen Euro pro Jahr im MVV-Gebiet.

Niedergesäß fordert den Bund und die Länder daher im Sinne einer sauberen Luft und eines attraktiven Nahverkehrs auf, sich künftig finanziell deutlich stärker zu engagieren. „Wir müssen die Diskussion jetzt konsequent und zielorientiert führen, um schnell zu spürbaren Ergebnissen zu kommen, das erwarten unsere Bürger und die Umwelt“, so Niedergesäß.

Wer mit Bus und Bahn fährt, ist vorher zu Fuß unterwegs, äußert sich auch der Fachverband Fußverkehr zu dem Ansatz, den Nahverkehr künftig kostenlos zu machen. Deswegen, so fordert FUSS e. V. müssten Gehwege intakt sein, dürften Fußgänger bei Interaktionen mit anderen Verkehrsteilnehmern nicht bedroht oder gefährdet, und illegales Parken auf Gehwegen nicht geduldet werden.

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