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„Die Leute werden nervös. Die spielen selbst ein bisschen rum und glauben, dass es etwas bringt, wenn sie vorher einen Sendersuchlauf machen“: Josef Maurus vom Fernsehservice Pfeifer und Maurus in Schammach.

Händler erwarten Ansturm

Umstellung auf digitalen Empfang: Die Angst vor der schwarzen Mattscheibe

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Wenn demnächst der Fernseher schwarz bleibt, muss er deswegen noch nicht kaputt sein.

Landkreis Ebersberg – „Es ist reichlich. Kein Fernsehen, da drehen die Leute durch“. So schildert Silvia Götze von der Firma media@home in Markt Schwaben die derzeitige Nachfragesituation nach TV-Geräten, die tauglich sind für digitalen Empfang. Auch Receiver hat das Schwabener Unternehmen in ausreichender Zahl auf Lager. Die Nachfrage ist riesig, bestätigen Händler aus dem ganzen Umland. Kein Kunde will nach Umstellung von analog auf digital vor einem schwarzen Bildschirm sitzen.

Die technische Änderung erfolgt nach Postleitzahlen, die Reihenfolge dabei aber erschließt sich dem Laien nicht so ohne Weiteres und auch die Fachleute jammern: „Wir müssen uns das selbst alles zusammensammeln“, berichtet zum Beispiel Fernsehfachmann Josef Carpus aus Grafing. Viele Gemeinden im Münchner Osten würden in den nächsten Tagen bereits umgestellt, die Kunden werden in vielen Fällen davon überrascht werden.

Hier erfahren Sie den Umstellungstermin

Vodafone/Kabel Deutschland hat deshalb eine Service-Seite ins Netz gestellt, auf der jeder selbst anhand seiner eigenen Postleitzahl feststellen kann, wann bei ihm zuhause die Umstellung erfolgt. Wer den QR-Code links mit einem Barcode-Reader auf seinem Handy einliest und dann auf den Button „Umstellungstermin prüfen“ klickt, braucht nur die Postleitzahl seines Heimatortes eingeben, sofort wird ihm der Termin angezeigt.

Und der reicht vom heutigen Dienstag, 4. September, in Garching bei München über den 5. September in Poing bis zum 7. November in Grafing.

Und obwohl da noch eine Zeit lang hin ist, berichtet Fernsehtechniker Josef Maurus vom Fernsehservice Pfeifer und Maurus in Schammach jetzt bereits von um sich greifender Unsicherheit. „Die Leute werden nervös. Die spielen selbst ein bisschen rum und glauben, dass es etwas bringt, wenn sie vorher einen Sendersuchlauf machen.“

Dass der Fachhandel keine direkten Informationen bekommt, ist für Maurus ein Hinweis darauf, „dass die ihre eigenen Produkte verkaufen wollen – oder ein zusätzliches Abo.“ Manche Kommunen haben jedoch überhaupt noch keinen Termin.

Fachhändler stellen sich auf Kundenanstrum nach digitaler Umstellung ein

In Oberneuching im Landkreis Erding erfolgt die Umstellung am 5. September, und in Erding selbst auch an diesem Tag. „Wir haben Fernseher und Receiver auf Lager“, berichtet Techniker Andreas Hausmann von media@home Frei in Erding. Mit Receivern kann nämlich auch mit einem alten Fernsehgerät digitaler Empfang ermöglicht werden, falls sich jemand von seiner alten Flimmerkiste nur ungern trennt. Im Erdinger Bereich, und das gilt auch für die Randgemeinden, ist der „Kabelempfang der Hauptanschluss“, so Hausmann. Nicht betroffen von der Umstellung sind die Kunden, die die Programme über Satellit empfangen. A

lle Fachhändler, egal ob im Landkreis München, in Erding oder im Landkreis Ebersberg rechnen damit, dass nach erfolgter Umstellung erst einmal die Telefone heiß laufen werden. „Das war bei der DVB-T-Umstellung auch so, dass danach noch einmal der große Run kam, erinnert sich Silvia Götze aus Markt Schwaben. Dort wird am 5. September umgestellt.

Auftragsbücher sind voll

Viele würden die Gelegenheit nutzen, um sich einen neuen, modernen Fernseher zuzulegen, berichtet Carpus, der sich deswegen beizeiten genügend Ware auf Lager gelegt hat. Die Auftragsbücher sind voll, bei vielen Händlern ist deshalb häufig der Anrufbeantworter der Ansprechpartner für hilfesuchende Kunden. Die Techniker haben alle Hände voll zu tun.

Manch einer hat jedoch bereits einen digital-tauglichen Fernseher zuhause und weiß das vielleicht gar nicht. Feststellen kann man das so in mehreren Schritten: Ist das Gerät direkt mit der Kabel-Anschluss-Dose verbunden? Wenn ja, muss nur geprüft werden, ob der Kunde den Sender „one1“ empfangen kann. In diesem Fall sieht er bereits digital. Wenn nicht, ist er von der Umstellung betroffen – außer sein Gerät hat ein DVB-C-Logo auf dem Gehäuse. Dann nämlich könnte der Kunde digital fernsehen, schaut aber vielleicht derzeit noch analog.

Sendersuchlauf nach Umstellung

Nach der Umstellung müsste der Zuschauer dann einen Sendersuchlauf starten. Einige TV-Geräte fragen nach, ob der Suchlauf automatisch durchgeführt werden soll. In diesem Fall, so vodafone, „bestätigen Sie bitte diese Abfrage“. Wenn der Suchlauf nicht automatisch erfolgt, muss dieser manuell gestartet werden.

Das analoge Kabelfernsehen ist tot. Viele Kunden wurden überrascht. Auch die Fachmärkte im Landkreis Miesbach können sich vor Aufträgen kaum retten. Was Sie jetzt wissen müssen lesen Sie hier auf Merkur.de.

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