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Auf Parkplätzen mit vielen Autobewegungen – wie hier vor dem R ewe-Markt in Grafing – kommt es immer wieder zu Unfällen beim Ein- oder Ausparken. Viele Verursacher machen sich einfach aus dem Staub. 

Die Zahl der Parkrempler und Unfallfluchten nimmt im Landkreis Ebersberg zu

Unfallschwerpunkt Großparkplatz

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Diesen Ärger haben schon sehr viele Landkreisbürger vom Einkaufen mit nach Hause gebracht. Zum geparkten Fahrzeug zurückgekehrt, mussten sie feststellen, dass ihnen jemand „an den Karren gefahren“ war – und sich danach aus dem Staub gemacht hatte. Großparkplätze als Unfallschwerpunkt im Landkreis? Gar nicht so abwegig.

Landkreis – Wenn jeder dieser Parkrempler angezeigt würde, so schätzt der Verkehrssachbearbeiter der Ebersberger Polizei, Martin Schedo, würde diese Art der Fahrzeugbeschädigungen tatsächlich einen Schwerpunkt im Unfallgeschehen des Landkreises bilden. Allerdings seien die einzelnen Schäden in der Regel nicht so hoch, wenngleich sie nicht zu vernachlässigen sind, wie Schedos Kollegin in der Polizeiinspektion Poing, Anette Della Sala sagt. „In der Summe ist der volkswirtschaftliche Schaden hoch“, berichtet die Poinger Mitarbeiterin Verkehr.

Beispiele: Ein Autofahrer stellt seinen Wagen beim Einkaufen auf dem Parkplatz eines Glonner Marktes ab. Als er zu seinem Audi A 4 zurückkehrt, stellt er fest, dass seine Stoßstange verkratzt ist. Schaden 1000 Euro, der Verursacher ist weg.

Im Parkhaus des City-Centers in Poing verkratzt ein Unbekannter Autofahrer beim Ausparken einen BMW X4 an der rechten hinteren Türe. Auch hier wurde keine Nachricht hinterlassen, die Polizei startete einen Zeugenaufruf.

An einem schwarzen BMW hinterlässt ein Unbekannter auf dem Parkplatz eines Discounters in Ebersberg beim Ein- oder Ausparken eine Schleifspur. Schaden ebenfalls 1000 Euro, Verursacher wieder unbekannt. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. Wer sind diese Autofahrer, die sich einfach aus dem Staub machen?

„Die Leute haben kein Unrechtsbewusstsein mehr“, erzählt Della Sala aus ihrem Berufsalltag. In der Regel würden Türen und Stoßstangen beschädigt – typisch für Parkrempler. „Das haben wir recht häufig“, und das nehme zu, sagt die Poinger Beamtin. Und tatsächlich: Waren es in ihrem Bereich im Jahr 2017 noch insgesamt 338 Unfallfluchten, so sind es heuer (mit Stand 27. August) bereits 279.

Die Unfallflüchtigen zu ermitteln, sei nicht leicht, weil oftmals nicht einmal Fremdlack gesichert werden könne, berichtet Schedo. Bei den Ermittlungen spiele auch oft der Zufall eine Rolle, bestätigt ihn Della Sala, dann, wenn jemand Augenzeuge wurde und das auch der Polizei meldet.

Ein Kavaliersdelikt ist ein Parkrempler nicht, warnt Schedo. „Da sind wir im Straftatbestand der Unfallflucht“. Über die Altersstruktur der Unfallfahrer lässt sich nicht so ohne Weiteres eine Aussage treffen, meint die Poinger Beamtin. Das müsste extra und umständlich ausgewertet werden. Sicher fühlen kann sich keiner, der sich einfach aus dem Staub macht. In Poing wurde jeder dritte Fall aufgeklärt, „auf einigen Parkplätzen sind Überwachungskameras“, warnt der Ebersberger Schedo.

Beide, sowohl Schedo wie Della Sala kennen einen Grund, weshalb die Unfälle gerade auf Parkplätzen oft passieren. „Da sind viele Fahrzeugbewegungen, viel rein raus“, sagt Della Sala. Außerdem: „Die Autos sind größer geworden, die Parkplätze nicht. Da geht es oft sehr, sehr eng zu“, so Schedo. Er weiß aus seiner Berufserfahrung, dass viele Autofahrer nicht einmal genau wüssten, wie sie sich nach so einem Missgeschick verhalten sollten. Zuerst einmal müsse eine „angemessene Zeit“ auf den Besitzer des beschädigten Autos gewartet werden. Kommt der nicht, sollte ein Zettel mit Anschrift und oder Telefonnummer hinterlassen werden. Das alleine reicht aber auch noch nicht. Aus dem Schneider ist jemand erst, wenn er selbst den Unfall der Polizei meldet, die dann auch den Kontakt zu dem Fahrzeughalter herstellt.

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