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Mit einem Chip ausgerüstet, kann eine Katze schnell ihrem Besitzer zugeordnet werden. Allerdings muss das Tier dazu auch in einer Kartei registriert werden.

Tiere in Gefahr

Angefahren und dem Schicksal überlassen

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Es kommt leider immer wieder vor: Allein in den letzten Wochen wurden im Landkreis Ebersberg sechs Katzen überfahren. Und das sind nur die Fälle, die dem Tierschutzverein Ebersberg zur Kenntnis gelangt sind, berichtet Vorsitzende Evelyn Bauer.

Landkreis – Die Dunkelziffer ist weitaus höher. Noch trauriger findet Bauer allerdings, dass sich die Autofahrer anschließend meist nicht um das verletzte Tier kümmern.

Vielen ist schlicht egal, was mit dem verletzten Wesen passiert, nachdem es angefahren oder überfahren wurde. Es ist aber nicht allen egal. Oft seien es nachfolgende Autofahrer, die sich um das Tier kümmern „oder es zu uns bringen“, berichtet Bauer. „Jetzt, wo es so früh dunkel wird“, gebe es öfter Fälle, wo Katzen angefahren werden. Manchmal kann der Tierschutzverein aber solche Unfälle verhindern. „Wir haben erst kürzlich in Hohenlinden einen Hund von der Straße geholt, der auf der B 12 herumgelaufen ist. Das war ein Terrier.“ Der Besitzer habe sich sehr für diese Aktion bedankt.

Die wenigsten Autofahrer wissen vermutlich, welche rechtlichen Konsequenzen ihr Verhalten haben, beziehungsweise nicht haben kann. Im „Bußgeldkatalog 2018“, der vom Verband für bürgernahe Verkehrspolitik herausgegeben wird, werden dazu Informationen angeboten und da treten überraschende Sachverhalte zutage.

Eine Meldepflicht besteht demnach nicht. Es gehöre auch nicht zu den Pflichten des Autofahrers, den jeweiligen Halter ausfindig zu machen. Man müsse nicht einmal die Polizei rufen, wenn es zu einem Unfall mit einem Hund oder einer Katze gekommen sei, heißt es dort. Und schließlich komme auch der Tatbestand der Unfallflucht nicht infrage, weil der Gesetzgeber im Halter des Tieres den Unfallverursacher erkennt. Im Klartext: Er hätte besser auf seinen Liebling aufpassen müssen, dass keine Gefährdung von ihm ausgeht. Im Zweifel habe der Autofahrer sogar einen Anspruch auf Erstattung des Schadens, der an seinem Wagen entstanden ist, weshalb es sich lohne, eine Tierhaftpflichtversicherung abzuschließen, da die dann die Kosten übernehme.

Aus dem Schneider ist der Autofahrer trotzdem nicht. Wenn er ein verletztes Tier liegen lässt, könne er wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz belangt werden. Da droht sogar ein Bußgeld bis zu 5000 Euro. Wenn das Tier angefahren auf der Straße liege, muss der Autofahrer immer die Polizei rufen, weil von dem Körper eine Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer ausgeht.

Es gibt jedoch genügend Fahrzeugführer, die sich moralisch verpflichtet fühlen, einem verletzten Tier zu helfen. „Die Finder bringen uns die Katze, oder rufen uns an und wir holen sie dann“, schildert Bauer die Praxis. Es folgt der Weg zum Tierarzt, wo eine folgenschwere Entscheidung getroffen werden muss. „Da entstehen schnell Kosten von 1000 bis 2000 Euro“, sagt Bauer, etwa bei einem Schwanzabriss oder einem Beckenbruch. Der Tierschutzverein springt finanziell nur ein, wenn sich der Besitzer nicht ermitteln lässt. Deshalb wird der medizinische Aufwand nur betrieben, „wenn die Katze jung ist und die Aussicht auf eine 100prozentige Genesung besteht. Ich lasse mir immer eine Prognose geben.“

Oft sei es tatsächlich unmöglich, ein Tier seinem Besitzer zuzuordnen, „Selbst dann, wenn es tätowiert oder gechipt ist“, berichtet ein Ebersberger Polizist. Weil er sich vor Kurzem selbst eine Katze zugelegt hat weiß er: „Der Tierarzt chipt sie zwar, aber er registriert sie nicht.“ Das müsse der Besitzer selbst machen auf der Internetseite des Tierregisters von „Tasso“.

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