Landratsamt gibt Zahlen bekannt

Fast 700 Asylverfahren im Landkreis Ebersberg sind nicht abgeschlossen

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Landkreis - 679 Flüchtlinge warten derzeit im Landkreis Ebersberg auf eine Entscheidung in ihrem Asylverfahren. 2016 wurden etwa 550 Verfahren positiv beschieden, so das Landratsamt. Diese Flüchtlinge dürfen bleiben. Bei rund 400 Verfahren gab es eine Ablehnung. Etwa 80 bis 90 dieser Flüchtlinge sind dennoch noch im Landkreis.

„Meist scheitert die Aufenthaltsbeendigung am fehlenden Ausweisdokument“, sagt Norbert Neugebauer, Leiter des Büros von Landrat Robert Niedergesäß. „Manche der abgelehnten Asylbewerber wurden abgeschoben, andere sind freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt und wieder andere sind untergetaucht.“

Durch die Aufstockung des Personals beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hätten sich Verfahren beschleunigt, sagt Neugebauer. „Im Landkreis Ebersberg ist das etwa so wie im gesamten Bundesgebiet: Es werden mehr Entscheidungen getroffen und die durchschnittliche Dauer des Asylverfahrens verkürzt sich dadurch.“

Freiwillig ausgereist sind im vergangenen Jahr etwa 95 Flüchtlinge, unter anderem nach Irak, Afghanistan, Pakistan, Iran, Nigeria, Albanien und Senegal. Abgeschoben wurden aus dem Landkreis 45 Menschen, das allerdings nur im Rahmen der Dublin-III-Verordnung, wie das Landratsamt betont. Bedeutet: Die Abschiebung erfolgte in einen anderen EU-Staat, in dem die Person bereits vor der Einreise nach Deutschland als Asylbewerber registriert wurde.

Etwa 350 anerkannte Asylanten werden aktuell über das Jobcenter betreut, das auch für deutsche Hartz-IV-Empfänger zuständig ist. Etwa 110 Menschen mit einem positiven Bescheid vom Bundesamt, benötigen diese staatliche Unterstützung nicht mehr, weil sie Arbeit gefunden haben. Insgesamt haben 220 Flüchtlinge im Landkreis Arbeit gefunden, darunter auch Personen, deren Verfahren noch läuft. Gut entwickeln sich zudem Projekte für jugendliche Flüchtlinge.

„Eine positive Entwicklung“, freut sich Hermann Schmidbartl, Geschäftsführer des Jobcenters Ebersberg. Allerdings leben die allermeisten dieser Flüchtlinge immer noch als sogenannte Fehlbeleger in Unterkünften des Landkreises, da sie keine bezahlbare Wohnung finden. „Das liegt an den hohen Mieten bei uns“, sagt Schmidbartl. In anderen Gegenden der Bundesrepublik mit geringeren Kosten für Wohnungen stelle sich die Situation ganz anders dar.

Trotz der positiven Entwicklung bei den Arbeitsplätzen gibt Schmidbartl zu bedenken, dass die Jobs fast ausschließlich im Bereich Helfertätigkeiten lägen, also mit relativ niedrigen Löhnen. „Da muss noch nachgesteuert werden.“ Im vergangnen Jahr hätten die Jobcenter noch relativ wenig Geld gehabt, um durch Fortbildungsmaßnahmen den Flüchtlingen unter die Arme greifen zu können. In diesem Jahr stünden allerdings deutlich mehr Mittel zur Verfügung. Die Jobcenter dürften jetzt auch allgemeinbildenden Kurse anbieten, um die Integration zu fördern. Sinnvoll sind laut Schmidbartl auch Teilzeitmodelle, also etwa am Vormittag Arbeit, am Nachmittag Schule. Das seit teilweise schon gelungen. „Wir müssen die Menschen hinführen zum Leben und Arbeiten in Deutschland. Da brauchen wir einen langen Atem.“

Rubriklistenbild: © dpa

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